Deutscher Antiamerikanismus: »Ami go home!« - DER SPIEGEL
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Friedensdemo im Bonner Hofgarten 1983: Existenzielle Angst vor einem atomaren Weltkrieg

Friedensdemo im Bonner Hofgarten 1983: Existenzielle Angst vor einem atomaren Weltkrieg

Foto: Klaus Rose / ullstein bild

Deutscher Antiamerikanismus »Ami go home!«

Als Besatzer wurden Amerikaner bewundert und verachtet zugleich. Hunderttausende Deutsche gingen gegen den Vietnamkrieg auf die Straße, später gegen US-Atomwaffen. Wo endet legitime Kritik, wo beginnt das Ressentiment?
• aus SPIEGEL Geschichte 4/2024

Drei Hühnereier reichten zum Tabubruch.

Sie zerplatzten am 5. Februar 1966 an der Fassade des Amerikahauses in West-Berlin. Aufgebrachte Studierende hatten sie bei der ersten Berliner Demonstration gegen den Vietnamkrieg geworfen. Das Amerikahaus, ein US-Kulturzentrum im Stadtteil Charlottenburg, galt den 2500 Demonstranten als Symbol der USA. Und die führten aus ihrer Sicht einen verbrecherischen Krieg gegen die Kommunisten Nordvietnams.

Als die Studierenden die US-Flagge vor dem Amerikahaus auf Halbmast zu setzen versuchten, wurde die Situation brenzlig: Die Berliner Polizei knüppelte los . Von einer »Schande« sprach später der Regierende SPD-Bürgermeister Willy Brandt und entschuldigte sich beim US-Stadtkommandanten. Den Deutschen stehe es nicht zu, sich als Lehrmeister aufzuspielen.

SPIEGEL GESCHICHTE 4/2024

Deutschland und die USA

»Wir sollten uns an die Geschichte erinnern«, rief Barack Obama 2008 in Berlin, »und die Welt neu erschaffen.« Längst ist der Optimismus in den deutsch-amerikanischen Beziehungen der Angst vor Zerrüttung gewichen. Vor den US-Präsidentschaftswahlen erzählt die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL Geschichte von Euphorie und Entfremdung, von kulturellen Importen und vergessenen Pionieren. Wir zeichnen nach, wie aus Feinden Freunde wurden – und was sich aus der Geschichte dieser langen Partnerschaft für die Zukunft ableiten lässt.

Auch Elsa Rassbach demonstrierte an diesem Tag, der die deutsch-amerikanischen Beziehungen auf die Probe stellte, mit Freundinnen und Freunden vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) vor dem Amerikahaus. Die damals 22-Jährige, geboren in den USA, lebte erst seit einem Jahr in Deutschland. Ihre Mutter war US-Amerikanerin und ihr Vater Deutscher, der kurz vor dem Zweiten Weltkrieg in die USA emigrierte.

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