Friedensdemo im Bonner Hofgarten 1983: Existenzielle Angst vor einem atomaren Weltkrieg
Foto: Klaus Rose / ullstein bildDeutscher Antiamerikanismus »Ami go home!«
Drei Hühnereier reichten zum Tabubruch.
Sie zerplatzten am 5. Februar 1966 an der Fassade des Amerikahauses in West-Berlin. Aufgebrachte Studierende hatten sie bei der ersten Berliner Demonstration gegen den Vietnamkrieg geworfen. Das Amerikahaus, ein US-Kulturzentrum im Stadtteil Charlottenburg, galt den 2500 Demonstranten als Symbol der USA. Und die führten aus ihrer Sicht einen verbrecherischen Krieg gegen die Kommunisten Nordvietnams.
Als die Studierenden die US-Flagge vor dem Amerikahaus auf Halbmast zu setzen versuchten, wurde die Situation brenzlig: Die Berliner Polizei knüppelte los . Von einer »Schande« sprach später der Regierende SPD-Bürgermeister Willy Brandt und entschuldigte sich beim US-Stadtkommandanten. Den Deutschen stehe es nicht zu, sich als Lehrmeister aufzuspielen.
Deutschland und die USA
»Wir sollten uns an die Geschichte erinnern«, rief Barack Obama 2008 in Berlin, »und die Welt neu erschaffen.« Längst ist der Optimismus in den deutsch-amerikanischen Beziehungen der Angst vor Zerrüttung gewichen. Vor den US-Präsidentschaftswahlen erzählt die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL Geschichte von Euphorie und Entfremdung, von kulturellen Importen und vergessenen Pionieren. Wir zeichnen nach, wie aus Feinden Freunde wurden – und was sich aus der Geschichte dieser langen Partnerschaft für die Zukunft ableiten lässt.
Auch Elsa Rassbach demonstrierte an diesem Tag, der die deutsch-amerikanischen Beziehungen auf die Probe stellte, mit Freundinnen und Freunden vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) vor dem Amerikahaus. Die damals 22-Jährige, geboren in den USA, lebte erst seit einem Jahr in Deutschland. Ihre Mutter war US-Amerikanerin und ihr Vater Deutscher, der kurz vor dem Zweiten Weltkrieg in die USA emigrierte.