Devisenhandel in Bulgarien - DER SPIEGEL
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Devisenhandel in Bulgarien: Gefährliche Tauschgeschäfte

Foto: Karl Wilhelm Meier

Devisenhandel in Bulgarien Gefährliche Tauschgeschäfte

Im früheren Ostblock war die D-Mark bevorzugte Zweitwährung. Allerdings konnte man sie nicht kaufen, nur mit deutschen Touristen tauschen - natürlich illegal. Mitte der Achtziger fuhr Karl Wilhelm Meier mit seiner Familie nach Bulgarien, wechselte Geld - und erlebte am Zoll ein böses Erwachen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ankunft in Bulgarien. Nach der Begrüßung im Bus, den üblichen Floskeln, der klare Hinweis vom Reiseleiter: "Bitte kein Geld bei Privatpersonen tauschen. Das ist strafbar." Und meistens würden die ohnehin nur versuchen, die Touristen über den Tisch zu ziehen. Kaum hatte er das Mikrofon eingehängt, ging er durch den Bus und bot sich als Geldwechsler an. Erst die Pflicht, dann das Geschäft.

Aber keines mit mir. Seine Belehrung hatte gewirkt. Ich wollte zwei Wochen Urlaub machen und nicht Jahre in einem bulgarischen Knast verbringen. Man hatte da ja so einiges gehört.

Zweiter Anlauf im Hotel. Dort gab es eine Wechselstube. Für 100 D-Mark bekam man 80 Lewa, die bulgarische Währung - 120 Lewa weniger als beim Reiseleiter. Aber dafür legal und ohne Komplikationen. Das dachte ich zumindest. Denn kaum hatte ich mein Anliegen vorgetragen und mit dem Geld gewedelt, trat der Schaltermensch vor sein Reich. Da war er privat.

Die Miliz war überall präsent

"Was wollen sie da tauschen?", fragte er mich abfällig, "ich biete Ihnen 300 Lewa." 220 über den offiziellen Kurs, 100 über den des Reiseleiters."Hier funktioniert der Wettbewerb noch", dachte ich und willigte ein. Offensichtlich hatte die Gier die Angst vor Knast und Strafe verdrängt. Nun wusste ich auch, wen der Reiseleiter mit den Personen gemeint hatte, die versuchen würden, Touristen beim Tauschen über den Tisch zu ziehen: sich selber.

Drei zu eins war der durchschnittliche Wechselkurs am Ort. Nur die Roma boten in den Parks fünf zu eins. Und die Nachfrage war überall. Im Vorbeigehen flüsterten die Anbieter verschwörerisch: "Tauschen?" Wenn man dann einwilligte, machte man kehrt. Lewa und D-Mark wechselten konspirativ den Besitzer. Sofort danach versteckten die Einheimischen ihr Geld, denn die Miliz war überall präsent.

Einmal habe ich dann doch noch offiziell in einer der gläsernen Bankfilialen getauscht. Die Schalterbeamtin war linientreu, trat also mit ihren Prinzipalen nicht in Wettbewerb. Meine plötzliche Rechtschaffenheit war ein ziemlich teurer Spaß, sollte aber noch mein Rettungsanker in großer Not werden. Denn vor dem Rückflug, auf dem Flughafen, sprach mich eine junge, hübsche Uniformträgerin an. Ihre Worte: "Bulgarische Zollkontrolle, folgen sie mir bitte", zerstörten allerdings sogleich die anfängliche Faszination.

Das Wunder am Zoll

In einem kleinen Nebenraum fragte sie mich dann: "Wie lange waren sie in der Volksrepublik Bulgarien? Wie viel Geld haben sie umgetauscht?" Und mit einem Mal beflügelte mich meine Angst dazu, fast so professionell zu lügen wie ein Politiker: "Zwei Wochen waren wir hier. Ich glaube, wir haben einmal 100 D-Mark umgetauscht. Ist ja alles so preiswert hier in der Volksrepublik Bulgarien." Natürlich wollte die Zöllnerin sofort wissen, ob ich das mit einer Quittung belegen könne.

"Die hat bestimmt meine Frau", sagte ich, und schlug drei Kreuze, dass diese Aussage sogar der Wahrheit entsprach. "Ich verliere solche Sachen immer." Und dann geschah das Wunder: "Ach", sagte die Zöllnerin einfach und lächelte plötzlich wieder so charmant wie zuvor, "die Quittung hat ihre Frau. Und die ist natürlich schon in der Wartehalle." Sie wünschte mir einen guten Heimflug und drückte mir meinen Pass wieder in die Hand.