Düstere Filmvisionen - DER SPIEGEL
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Zukunft im Film: Sklaven für Robotern oder Aliens?

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Düstere Filmvisionen Zukunft schlecht, Filme gut

Eigentlich müsste die Menschheit längst von Robotern versklavt oder zu Zombies mutiert sein - so jedenfalls sah Hollywood die erste Dekade des 21. Jahrhunderts. Kein Jahrzehnt lieferte so viel Stoff für düstere Science-Fiction-Dramen wie die Nullerjahre. einestages zeigt die gruseligsten.
Von Sibel Sen
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In den weitläufigen weißen Hallen der Raumstation stehen spacige Sixties Sessel, Wissenschaftler gratulieren über Bildtelefon der Tochter daheim zum Geburtstag oder lassen sich kühle Drinks von hübschen Hostessen servieren. Die Zukunft in "2001 - Odyssee im Weltraum" ist steril, aber komfortabel.

1968 schuf Stanley Kubrick eine Vision von der Jahrtausendwende, in der Raumstationen keine Klaustrophobie verursachenden Dosen mehr sind, sondern Space-Flughäfen mit Shuttles im Pendelverkehr. Das All wird bequem per Businessklasseflug erobert. Okay, im Laufe des Films dreht der Bordcomputer Hal 9000 durch und bringt fast die gesamte Crew um. Unterm Strich geht es in "2001" aber regelrecht friedlich zu - dafür, dass es ein Sci-Fi-Film ist, der Anfang des zweiten Jahrtausends spielt.

Denn mit seiner Zukunftsvision für die erste Dekade des 21. Jahrhunderts steht der Regisseur ziemlich allein auf weiter Flur. Die meisten Filmemacher, die ihre Werke in den sogenannten Nullerjahren spielen ließen, sahen schwarz für die Menschheit im neuen Jahrtausend.

Dabei scheint vor allem die Technikbegeisterung der Menschen für Hollywoods Geschichtenerzähler eine nie versiegende Quelle düsterer Szenarien zu sein. Das Motto: Alles, was wir jetzt für cool halten, könnte uns schon bald umbringen. So wird jede neue Erfindung, jede Entdeckung, jeder wissenschaftliche Durchbruch konsequent weiter gesponnen - bis zum spektakulären Super-GAU.

Die Zukunft ist ein Moloch

Kein Wunder also, wenn im schnell voranschreitenden Computerzeitalter der achtziger und neunziger Jahre in einigen der populärsten Dystopien made in Hollywood die Maschinen zuschlagen. 1984 lässt die "Terminator"-Reihe Roboter gegen ihre menschlichen Schöpfer antreten. Die Kraftprobe endet in den Filmen bereits 2004 im Atomkrieg und geht für die Menschen erwartungsgemäß schlecht aus: Sie sind danach entweder tot, Arbeitssklaven oder durch die Zeit gehetzte Rebellen.

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Zukunft im Film: Sklaven für Robotern oder Aliens?

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Auch in der zweiten großen Sci-Fi-Filmreihe der vergangenen Jahre wandten sich die Maschinen gegen die Menschen. In "Matrix" ließen die Wachowski-Brüder 1999 die künstliche Intelligenz der Maschinen bereits Anfang des 21. Jahrhunderts völlig außer Kontrolle geraten - im Handumdrehen wird der Mensch zur bewusstlosen Batterie degradiert und fristet sein ahnungsloses Dasein in einer vom Computer generierten Scheinwelt.

Fast immer sind die Horrorvisionen ein Spiegel ihrer Zeit. Das beste Beispiel dafür ist wohl der Film "I am Legend" mit Will Smith. In dem Blockbuster von 2007 forschten Wissenschaftler nach dem ultimativen Mittel gegen Krebs - und rufen im Jahr 2009 eine gigantische Menschheitskatastrophe hervor. Die neu entwickelten Viren geraten außer Kontrolle und verwandeln das Gros der Weltbevölkerung in lichtscheue Zombiewesen, die wiederum die letzten Überlebenden der Katastrophe jagen und reißen.

1954 sah Richard Mathesons Romanvorlage zu dem Film noch eine Übertragung der Seuche durch Moskitos vor. Zehn Jahre später ließ die erste Verfilmung vampirartige Wesen über die Menschen hereinbrechen. Doch schon in den frühen siebziger Jahren mussten diese Gruselszenarien einem ganz realen Horror weichen. In der zweiten Verfilmung "Der Omega-Mann" ist Charlton Heston der letzte gesunde Mensch, nachdem im russisch-chinesischen Krieg um Ressourcen biologische Waffen zum Einsatz gekommen waren.

Der Auslöser zukünftigen Grauens, so zeigt Hollywood, kann einfach an die aktuelle Panik gekoppelt werden und schon ist der Science-Fiction-Schocker noch ein bisschen grausiger. Will der Mensch den Mond erobern, kommt die Gefahr aus dem All; erforschen Wissenschaftler die DNS, mutieren im Film Viren oder neue Impfstoffe. Und selbst jetzt, wo das Jahr 2010 ohne größere Katastrophen kurz vor der Tür steht, können wir aus Hollywood-Sicht sicher sein, dass die schaurige Zukunft noch nicht überstanden ist. Noch im guten, alten 2009 sitzen laut Roland Emmerichs Film "2012" die Köpfe der Regierungen über das nahe Ende der Welt zu Rate.