Familien im Wandel - DER SPIEGEL
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Hausmitteilung Familien im Wandel

• aus SPIEGEL Geschichte 6/2024
Weihnachten im Kreis der Familie, 1955: Man kann ihr nur begrenzt entfliehen
Weihnachten im Kreis der Familie, 1955: Man kann ihr nur begrenzt entfliehen

Weihnachten im Kreis der Familie, 1955: Man kann ihr nur begrenzt entfliehen

Foto: Gerhard Kiesling / bpk

»Gehören Sie zur Familie?«, fragt Opa Hoppenstedt in Loriots Film »Pappa ante Portas« die Kellnerin bei der Familienfeier. »Schwein gehabt!«, attestiert er ihr, als sie verneint. Der 2011 verstorbene Komiker Vicco von Bülow nimmt in seinen Komödien die Tatsache aufs Korn, dass niemand sich die Verwandtschaft aussuchen kann. Man liebt sie, streitet mit ihr – kann ihr aber nur begrenzt entfliehen.

Heute sind Familien wohl so bunt und vielfältig wie nie zuvor. Manche finden das befremdlich und verweisen auf früher, als das Familienleben angeblich noch in Ordnung war. Als es Großfamilien gegeben habe, die füreinander sorgten, als Geschlechterrollen eindeutig gewesen seien und die Kinder besser erzogen. Diese Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE schaut auf die lange Geschichte der Familie von der Antike bis in die Gegenwart. Sie zeigt, wie Menschen einst zusammenlebten und wie sich Erwartungen und Vorstellungen über Jahrhunderte verändert haben. Und sie macht deutlich, dass vieles, was heute mit Verweis auf die Vergangenheit als nostalgisches Ideal heraufbeschworen wird, in Wirklichkeit ganz anders war – etwa die Sache mit der Großfamilie . So gibt das Heft auch Anregungen für ganz aktuelle Diskussionen über die liebe Verwandtschaft (oder mit ihr).

Denn schließlich gab es schon immer Alleinstehende oder Patchworkfamilien, allein deshalb, weil viele nach dem frühen Tod ihrer Partner oder Partnerinnen wieder heirateten. Auch Trennungen sind nicht neu, wenngleich offizielle Scheidungen erst hart erkämpft werden mussten . Kinder hingegen wuchsen bis ins 18. Jahrhundert ganz anders auf als heute, sie wurden behandelt wie kleine Erwachsene . Oder traten schon in jungen Jahren als Gesinde in den Dienst anderer Familien . Vor allem seit der Nachkriegszeit haben sich Familien in Deutschland stark verändert – wie sehr, das zeigen die Fernsehfamilien, die ihren Alltag seit den Fünfzigerjahren auf der Mattscheibe vorlebten .

Und wie sah es in berühmten Familien aus? Spoiler: auch nicht anders als beim gewöhnlichen Volk. Schon im julisch-claudischen Kaiserclan des alten Rom wurde intrigiert und gelästert . Dem Großdichter Goethe war sein Opa offensichtlich peinlich . Manche Bismarcks tragen bis heute schwer am großen Namen , und ausgerechnet die DDR-Musterfamilie von Staatschef Walter Ulbricht scheiterte auf tragische Weise . Die prominenten Beispiele beweisen: Familie ist einzigartig, aber auch kompliziert.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!

Ihr Team von SPIEGEL GESCHICHTE

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