Spektakulärer Fotofund: Pausenbilder aus dem Ersten Weltkrieg
Fotofund aus dem Ersten Weltkrieg Wie Generäle den Krieg gern sehen wollten
Gut gelaunt blicken sie drein, die Soldaten auf dem Foto dort oben. Es ist Krieg, doch die Männer lächeln alle höflich in die Kamera und essen in geselliger Runde. Das Bild stammt aus dem Ersten Weltkrieg, jenem Gemetzel, in dem vor 100 Jahren rund 15 Millionen Menschen starben. Das Foto ist Teil einer Sammlung Hunderter bislang unveröffentlichter Bilder des Ersten Weltkriegs, die ein unbekannter Fotograf der französischen Armee hinterließ - und die jetzt wiederentdeckt wurden.
Veröffentlicht hat die Fotos die Nachrichtenagentur Reuters. Eine Journalistin dort erinnerte sich, dass in ihrem Elternhaus in Frankreich ein paar Koffer mit Weltkriegsfotos vor sich hin dümpelten. Als ein Foto-Kollege die Sammlung Kiste für Kiste durchging und auswertete, war er begeistert: "Bingo! Was für ein Glück!", schrieb er auf dem Blog der Agentur.
Insgesamt umfasst der Zufallsfund rund 600 Fotoplatten. Die Bilder dokumentieren den Alltag französischer Soldaten, vor allem abseits des Schlachtfelds: Sie zeigen Männer, die für die Kamera posieren - in Schützengräben, beim Duschen, bei der Feld-Theater-Aufführung oder eben beim Essen. Zwar gibt es auch Fotos von Dutzenden Kreuzen oder wüst zerstörten Landschaften, vor allem zeigen sie aber die ruhigere Seite des Weltkrieges und den Alltag der Soldaten, die in ihm kämpften. Vieles wirkt gestellt, manchmal sogar geschönt.
"Herausgeputzte Version des Krieges"
"Diese Foto-Glasplatten zeigen eine herausgeputzte Version des Krieges", sagt auch Charles Platiau, jener Fotojournalist, der die Negative ausgewertet hat. Die Soldaten auf ihnen sehen in der Regel "gut genährt, gut untergebracht und gut behandelt" aus. Sie präsentieren sich so, "wie Generäle und Politiker den Krieg gerne sehen wollten".
Dafür spricht auch, dass die Bilder von einem Soldaten gemacht wurden, der offenbar zum Stab Joseph Joffres gehörte, jenes Generals, der die französische Armee bis Ende 1916 in den Schlachten von Verdun und an der Somme führte. Joffre ist auch auf einigen der Bilder zu sehen. Doch auch andere militärische Führer der damaligen Zeit finden sich auf den Fotos wieder - wie zum Beispiel der Feldmarschall Douglas Haig, oberster Befehlshaber der Briten während der Schlacht an der Somme.
Bei der Verifizierung geholfen hat den Journalisten vor allem, dass die meisten der Negativplatten datiert und mit einer Ortsmarke gekennzeichnet waren. So konnten sie auf den Kreis der Personen schließen, um die es sich handelte.
Einzig der Urheber selbst blieb den Rechercheuren ein Rätsel. Sie vermuten aber, dass der Fotograf als Soldat in Chantilly bis kurz vor Kriegsende stationiert war und dann verletzt wurde. Nach Kriegsende 1918 konnte man vielerorts Kisten mit Negativplatten aus dem Krieg kaufen, ohne dass man irgendetwas über den Hintergrund des Fotografen wusste.