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Götz von Berlichingen Der Inkasso-Ritter mit Eisenfaust
Am Morgen des 18. Mai 1512 brechen in Bamberg 55 Kaufleute samt Gefolge gen Nürnberg auf. Nahe Forchheim geraten sie in einen Hinterhalt. Bei einer Furt über den Fluss Regnitz sprengen 130 vermummte Reiter heran und umzingeln den Treck. Wer sich wehrt oder fliehen will, empfängt Schläge, einige Händler erleiden schwere Verletzungen.
Das Kommando knöpft den Männern Waren und Wertsachen ab. Manche dürfen danach gehen. Die übrigen Opfer stammen aus Nürnberg und der Schweiz – sie sind lohnende Beute. Die Bewaffneten treiben sie durch die Wälder und kerkern sie in Burgen ein: als Faustpfand.
Die Profis des Krieges
Das Söldnertum, heißt es, sei das zweitälteste Gewerbe der Welt. Wo wurzelt es historisch? Und erleben wir gerade eine Renaissance der Militärunternehmen?
In dieser Ausgabe erfahren Sie alles über Mietkrieger von der Antike bis heute, von Wallenstein bis zur Wagner-Gruppe.
Bald wird bekannt, wer die Kaufmannshatz im Rahmen einer Fehde anführt: die Ritter Hans von Selbitz und Gottfried von Berlichingen, auch »Götz« genannt. Dem ersten fehlt ein Bein, dem anderen eine Hand. Trotzdem sind sie gefürchtet: »Heyliger gott«, barmt Kaiser Maximilian I., »wenn sie denn erst zwo hend und zwey bain hetten.«
Die Episode zählte zu den tollkühnen Taten Götz von Berlichingens, dessen Heimat im heutigen Baden-Württemberg lag. Der Haudrauf mit dem blonden Vollbart war eine der schillerndsten Gestalten des ausklingenden Mittelalters, der Überfall Teil seines Geschäftsmodells. Doch Götz war mehr als nur ein Räuber. Denn seine Aktionen wurden durch die Sitten und Gesetze der Zeit gedeckt.