Großfeuer in Eschweiler - DER SPIEGEL
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Großfeuer in Eschweiler: Als der "Bürgerhof" brannte

Großfeuer in Eschweiler Als der "Bürgerhof" brannte

In einer Augustnacht 1963 ging der beliebte Festsaal des "Bürgerhofs" in Flammen auf - nur Monate vor Beginn der Fünften Jahreszeit drohten die Eschweiler Karnevalisten heimatlos zu werden. Zeitzeuge Ferdi Keuter wohnte damals in der unmittelbaren Nachbarschaft.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Am 13. August 1963 fiel der Saal des Gasthofs "Bürgerhof" in Eschweiler in der Röthgener Straße 40 einem Großbrand zum Opfer und versank in Schutt und Asche. Nur dem schnellen Einsatz der Eschweiler Feuerwehr war es zu verdanken, dass sich dieses Feuer nicht auf Nachbarhäuser ausdehnte. Vom Saal und dem Inventar blieb nicht mehr viel übrig.

Meine Frau und ich wurden vom Lärm auf der Straße geweckt. In dieser Zeit bewohnen wir eine kleine Dachwohnung aus deren Fenster wir direkt auf die gegenüber liegende Straßenseite und den Bürgerhof blickten, darüber stand eine riesige Rauchsäule. Vor der Wirtschaft der Familie Flatten standen Feuerwehr- und Polizeifahrzeuge. Mein Schulfreund Willi Flatten berichtete später, dass auch sein Auto ein Raub der Flammen geworden war. Er hatte sehr lange dafür gespart.

Eine Drehleiter und 1000 Meter Schläuche

Noch am Vorabend, so berichtete Herr M. Flatten, habe eine Gruppe von Keglern auf der Kegelbahn die Kugel geschoben; gegen 0.15 Uhr sei er dann zu Bett gegangen. Dann kam für ihn das ein böse Erwachen: Als er in der Frühe durch Geräusche im Saal geweckt wurde, war der Saal bereits in dichten Rauch gehüllt. Ein Nachbar hatte da bereits die Feuerwehr alarmiert.

Eine Drehleiter wurde ausgefahren, 1000 Meter Schläuche verlegt und der Brand von den Seiten her in Angriff genommen. Wehrführer Dr. Merckens war persönlich am Brandherd und leitete die Löscharbeiten. Auch Bürgermeister Gourissen und Stadtdirektor Sperlich informierten sich an Ort und Stelle über das Ausmaß des Brandes und den Umfang der Schäden.

Angespannte Lage für die Karnevalisten

Durch den Verlust des Saales Flatten wurde die an sich schon angespannte Saalfrage für viele Vereine zum ernsten Problem. Herr Flatten ließ jedoch durchblicken, dass er alles daran setzen werde, den zahlreichen Karnevalsvereinen, die Jahrzehnte lang Ihre Feste in seinem Saal abhielten, zur neuen Session einen neu aufgebauten Saal zu präsentieren.

Der Flatten'sche Saal war unter anderem auch deshalb berühmt, weil die Schafe der Flattens auf dem Weg von der Weide zum Stall durch ihn hindurch geführt werden mussten. Wenn es rappelvoll war, dann zog "Mattschö", so der Spitzname von Herrn Flatten, mit seinen Schafen eben durch die engen Tischreihen. Ausnahmen gab es nicht - Saal voll oder leer, die Tiere mussten am Abend in den Stall. Bei manchen Veranstaltungen warteten die Gäste schon geradezu auf den Auftritt vom "Hirten mit seiner Herde". Zu dieser Zeit gingen die Uhren halt noch anders.

Hoffen auf ein Come-back

Bei Flatten feierten unter anderem die Karnevalgesellschaft "Lustige Reserve", die "KG Blauen Funken" (auch der Vater des Chronisten ist auf einem Bild zusehen), die "KG. Trammebülle" und der "WandernVerein Frisch auf" . Sie alle hofften nach dem Brand, dass es ihrem Wirt gelingen würde, den beliebten Saal bald wieder aufzubauen und in Betrieb zu nehmen - zum Glück war die Straßenfront war nicht in Mitleidenschaft worden und ein Teil des beträchtlichen Schadens, der bei dem Brand entstanden war, durch Versicherung gedeckt.

Und tatsächlich: Alle Sitzungen und Tanzveranstaltungen der Karnevalssession 1964 konnten wieder in Flattens Saal im "Bürgerhof" abgehalten werden. Heute, im Jahre 2008, gehört der "Bürgerhof" zu den guten Adressen der Stadt Eschweiler.