Guinnessbuch der Rekorde wird 60: Verrückt - aber Weltklasse! - DER SPIEGEL
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Rekordhalter Guinnessbuch: Die Unglaublichen

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Drew Gardner/ Guinness World Records

Rekordhalter Guinnessbuch Nur Bibel und Koran verkaufen sich besser

Die längsten Fingernägel, die größte Gartenzwerg-Armee, die gewagtesten Turmsprünge: Seit 1955 das erste Guinnessbuch erschien, jagen Menschen Rekorden nach, um aufgenommen zu werden. Hier sind atemberaubende und schräge Höchstleistungen aus den ersten sechs Jahrzehnten.
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Pfeifen, Klatschen, Jubel. Unbeeindruckt von der Begeisterung der Zuschauer kletterte der Athlet eilig das Gerüst bis zur Plattform in elf Metern Höhe hinauf. Oben angekommen, rieb sich Darren Taylor die Hände. Eine Siegergeste oder einfach die Kälte? Schließlich herrschten an diesem Februartag 2011 im norwegischen Trondheim eisige Temperaturen. Unter Gejohle zog sich Taylor die Jacke und Hose aus, zum Vorschein kam ein schwarzweißer Schwimmanzug.

Dann einmal tief Luft geholt, den Arm nach vorne gestreckt, in die Hocke - und schon katapultierte er sich in die Luft. In einer perfekten Haltung, die Arme weit ausgestreckt, die Beine zusammengepresst, stürzte der Sportler der Tiefe entgegen. Einem kleinen Kinderplanschbecken entgegen. Türkis, mit kleinen verspielten Delphinen und Orcas drauf abgebildet. Der Wasserstand betrug 30 Zentimeter.

Das Wasser spritzte in alle Richtungen, als der muskulöse Mann aufschlug. Sofort sprang Taylor auf, die Hände triumphierend zu Fäusten geballt, mit einem wilden Schrei löste sich seine Anspannung. "Professor Splash", so sein Künstlername, hatte wieder einmal zugeschlagen! Und mit dem Sprung seinen früheren Rekord im Guinnessbuch erneut gebrochen. Die Zuschauer jubelten frenetisch.

Bienenanzüge und Klapperschlangenbäder

"Professor Splash" ist der unbestrittene Rekordhalter in der Disziplin "tiefster Flachwassersprung". 2014 verkraftete Taylor sogar unverletzt einen Sprung aus einer Höhe von elf Metern und 56 Zentimetern. "Ja, es schmerzt", gab der Extremsportler, der früher sein Geld als DJ in einem Stripclub verdient hatte, 2011 zu. "Aber der Schmerz dauert nur eine Minute, während der Ruhm lebenslang bleibt."

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Rekordhalter Guinnessbuch: Die Unglaublichen

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Verrückt? Sicher! Dabei ist der Planschbeckenspringer Taylor nicht einmal der bizarrste Rekordhalter im Guinnessbuch. Eine gute Dreiviertelstunde nahm etwa der Texaner Jackie Bibby 2007 ein Bad - zusammen mit 87 Klapperschlangen. Einige Hunderttausend Bienen rückten 2012 dem Barkeeper She Ping auf die Pelle: Rund 33 Kilogramm trug der Chinese auf dem Leib. Die Amerikanerin Chris Walton hält einen eher ungefährlichen, aber nicht minder absurden Rekord: Mit rund sechs Metern Gesamtlänge besaß sie 2011 die längsten Fingernägel der Welt. Herangewachsen in 18 Jahren.

Derart bizarre Rekorde hatte Sir Hugh Beaver nicht im Sinn gehabt, als ihm 1951 die Idee zu einem Buch der Rekorde gekommen war. Bei einem Jagdausflug hatte der Geschäftsführer der irischen Guinness-Brauerei einen Goldregenpfeifer im Visier - und den Vogel verfehlt. Ein Weidgenosse versuchte, Beaver zu trösten, und vermutete, dass der Goldregenpfeifer wahrscheinlich der schnellste Jagdvogel Europas sei. Zum Ärger des verhinderten Jägers ließ sich diese Ausrede nicht beweisen. Kein Lexikon enthielt diese Information.

Gleich nach Bibel und Koran

Der Geschäftsmann hatte diese Frage allerdings schnell vergessen. Beaver schwebte nun ein viel größeres Projekt vor. Und zwar ein Buch der Rekorde, das die unzähligen Streitfragen lösen könnte, die sich allabendlich in den britischen Pubs stellten. Wo steht das größte Gebäude? Wo ist der tiefste See? Wer hielt die längste Rede?

Ob die in zahlreichen Variationen kursierende Jagdanekdote tatsächlich genau so geschehen ist, wird sich wohl nie klären lassen. Auf jeden Fall erschien 1955 die erste Ausgabe der "Guinness World Records" mit 198 Seiten voller Rekorde - im grünen Einband, mit einer irischen Harfe verziert. Seitdem hat sich das Guinnessbuch zum Verkaufsschlager entwickelt. Mehr als 130 Millionen Exemplare wurden verkauft - in mehr als 25 Sprachen. Damit rangiert das Rekordbuch auf dem dritten Platz der bestverkauften Bücher hinter der Bibel und dem Koran. Die Deutschen können seit 1963 die Jagd nach Rekorden in ihrer Sprache verfolgen - die im Laufe der Zeit immer verrückter wurden.

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