Handy-Hype Der Tag, als das iPhone nach Deutschland kam
Steve Jobs präsentierte während seiner Keynote am 9. Januar 2007 in San Francisco das erste iPhone
Foto: Paul Sakuma / APAm Tag, als das iPhone über Deutschland kam, stand ich früh auf.
Nicht, weil ich die Bescherung kaum erwarten konnte, sondern weil im Hinterhof ein Blaumann mit Schirmmütze und Ohrenschützern ein benzinbetriebenes Höllengebläse auf dem Rücken spazieren trug, mit dem er das Laub von einer Ecke des Hofs in die andere blies. Der Herbstwind blies es dann wieder zurück.
Ich hatte keine Ohrenschützer und wurde wach.
Während in der Küche der Kaffee durch die gleichnamige Maschine lief, sah ich aus dem Fenster und dem Mann zu: Toller Job eigentlich, man darf ungestraft Lärm machen, sinnlos CO2 in die Luft blasen und seine Aggressionen an unschuldigem Laub abreagieren. Ich riss mich von dem Anblick los, trank den Kaffee, duschte mich, zog mich an, verließ das Haus und machte mich auf den Weg in die neue Zeit.
iPhone-Zeit.
"Mit oder ohne Senf?"
Ich entschied mich, das iPhone in einer T-Com-Filiale zu erwerben, von der ich weiß, dass es da üblicherweise etwas ruhiger als in anderen Geschäften zugeht. Außerdem kann ich bequem von meiner Wohnung aus hinlaufen. In dieser Filiale war ich der einzige iPhone-Käufer. Außer mir war nur ein weiterer Kunde dort, der im Zuge einer Vertragsverlängerung im Begriff war, ein 1-Euro-Nokia-Handy zu erwerben.
Wir schrieben den 9. November im Jahre des Herrn 2007, 10 Uhr 30 MEZ.
Mehrere Verkäufer standen gelangweilt herum.
Einer schlurfte zu mir herüber, wandelte anstands-, aber auch emotionslos meinen seit Jahren bestehenden T-Mobile-Vertrag in einen speziellen iPhone-Vertrag um und händigte mir dann das Apple-Gerät mit der Euphorie eines Wurstsemmelverkäufers aus, der gerade eine Wurstsemmel aushändigt.
"Mit oder ohne Senf?"
"Wie?" (Ich war in Gedanken.)
"Wollen Sie zu dem Gerät gleich auch noch eine Display-Schutzfolie und ein Kfz-Ladegerät dazukaufen?"
"Äh, nein, danke, vielleicht später."
Nur keine Kratzer
Das Bild zeigt die Originalverpackung des am 9. November 2007 gekauften iPhones, eines zu diesem Zeitpunkt völlig neuartigen mobilen Kommunikationsgerätes aus dem Hause Apple. Allein den schicken Karton in Händen zu halten, ist schon ein Genuss.
Foto: Stefan Muck, NürnbergDie ganze Sache dauerte etwa 10 Minuten. Ich verließ das Geschäft und ging durch den kalten Herbstwind, Nieselregen im Gesicht, nach Hause. Dort schloss ich das iPhone an den Computer an, wodurch automatisch die Aktivierung und Registrierung des Geräts via Internet gestartet wurde.
Im gleichen Atemzug wurden meine Daten vom Rechner auf das iPhone übertragen: Adressen, Kalendereinträge, Notizen, E-Mail-Accounts, Browser-Lesezeichen, Fotos, meine Lieblingsmusik. Auch das dauerte etwa 10 Minuten.
Danach trank ich einen Kaffee, steckte das iPhone in meine Jackentasche und machte mich auf den Weg zur Arbeit (Spätdienst). Um Mitternacht war ich wieder zurück, zog das iPhone wieder aus der Jackentasche, in der es die ganze Zeit unbenutzt geruht hatte.
Ich legte es sorgfältig ab.
Nur keine Kratzer.
Ein halbe Stunde Fernsehen, dann schlafen.
Tolle Technik
Am Vormittag des Folgetages fotografierte ich das iPhone ein paar mal und schickte diese Fotos als E-Mail-Anhang hinaus in die Welt, in der Hoffnung, dass irgendjemand da draußen grün vor Neid wird.
Ist aber eher unwahrscheinlich.
Draußen wird das Wetter mittlerweile immer ungemütlicher, die letzten Blätter sind schon lange nicht mehr grün und werden von den fast kahlen Bäumen in den Hinterhof geweht.
Kein blasender Blaumann in Sicht.
Kein Lärm. Nur der Wind. Ich tippe mit dem Finger auf dem iPhone herum. In Sekundenschnelle kann ich via Internet die Wettervorhersage aufrufen.
Tolle Technik.