HAUSMITTEILUNG - DER SPIEGEL
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Hausmitteilung HAUSMITTEILUNG

• aus SPIEGEL Geschichte 5/2010
Traub, Rohe
Traub, Rohe

Traub, Rohe

Foto: PETER ROGGENTHIN
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit hohem Anspruch und ungeheurer Energie betrat der Islam vor 1400 Jahren die Bühne der Weltgeschichte, verkündet von einem Mann, der sich als »Siegel der Propheten« verstand, verbreitet von Gläubigen, die rasch ein riesiges Reich eroberten. Wenn heute vom Islam die Rede ist, dann kochen die Emotionen häufig über, dann malen die einen den »Heiligen Krieg« der Muslime gegen Ungläubige an die Wand, während sich andere über blindwütige »Islamophobie« empören. Aber was wissen wir eigentlich über diese Religion, die während ihres »Goldenen Zeitalters« die christliche Welt kulturell und wissenschaftlich weit in den Schatten gestellt hat? Der genaue Blick auf Quellen und Geschichte des Islam zeigt vor allem eins: So reichhaltig, wie die Überlieferung ist, so vielfältig sind auch die inneren Widersprüche - den einen Glauben gibt es nicht. Dass in dieser Vielgestaltigkeit kein Nachteil liegen muss, erörterte SPIEGEL-Redakteur Rainer Traub, der dieses Heft konzipierte, im Gespräch mit dem Juristen und Islamwissenschaftler Mathias Rohe. Rohe, der ein Standardwerk über die Scharia geschrieben hat, sieht »weitreichende Interpretationsfreiheit«. So habe Tunesien die Polygamie abschaffen können - unter Berufung auf den Koran (Seite 44).

Rund 1,4 Milliarden Menschen bekennen sich heute zum Islam, die meisten leben in Asien und Afrika. Um den vielen Strömungen und Traditionen gerecht zu werden, baut dieses Heft auf die reichen Erfahrungen, die im SPIEGEL versammelt sind: Die Redakteure Dieter Bednarz und Erich Follath bereisen seit Jahrzehnten die muslimische Welt. Istanbul-Korrespondent Daniel Steinvorth hat schon als Kind viele Jahre in arabischen Ländern verbracht, seine Kollegen Christoph Schult (bis vor kurzem: Jerusalem), Thilo Thielke (Bangkok) und Volkhard Windfuhr (Kairo) kennen Glanz und Elend des heutigen Islam aus erster Hand, ebenso wie Yassin Musharbash von SPIEGEL ONLINE. Anne-Sophie Fröhlich und Claudia Stodte, Islamwissenschaftlerinnen aus der Dokumentation, haben kundige Beiträge geschrieben und ein Islamlexikon zusammengestellt (Seite 50).

Eine der strahlendsten Epochen der europäischen Historie war die Zeit der Mauren in Andalusien. Scharen von Besuchern bestaunen die Architektur-Wunder von Córdoba oder Granada, die bis heute einen Eindruck von der kulturellen Hochblüte vermitteln. Wie aber kam der Islam auf die Iberische Halbinsel? Dass die Geschichte anders gewesen sein könnte, als in den Lehrbüchern steht, erfuhr Redakteurin Annette Bruhns von Emilio Ferrín, Professor für Arabistik in Sevilla. Der umstrittene, aber blitzgescheite Gelehrte hält die gängige Vorstellung, im Jahre 711 seien arabische Reiterheere einmarschiert, für falsch: Eine solche Eroberung habe es »im 8. Jahrhundert nie gegeben« (Seite 78).

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