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Michima, Traub, Großbongardt
Foto: HANS-CHRISTIAN PLAMBECKJapans Verhältnis zum Westen hat eine wechselvolle Geschichte. Im 16. Jahrhundert erreichten die ersten Europäer die ferne Inselwelt, brachten Feuerwaffen und das Christentum. Über 200 Jahre lang schottete sich das Reich der Shogune ab, doch dann nahm es sich Europa, vor allem Preußen, als Vorbild der Modernisierung. Für Deutsche bietet Japans Chronik ohnehin verblüffende Parallelen. Beide Länder steuerten mit einem brutalen Imperialismus geradewegs in den Zweiten Weltkrieg, beide waren nach 1945 von Amerikanern besetzt und übten sich in Demokratie. Jahrzehntelang galt dann Japan dem Westen als Modell für unaufhaltsamen Aufstieg, bis die Japan AG in die Dauerkrise rutschte, 2011 mit Erdbeben, Tsunami und Atomdesaster gleich dreifach getroffen.
Schulz, Koreanerin Kim Jeong Ju
Foto: JEAN CHUNG / DER SPIEGEL
Meyer in Hiroshima
Foto: Mai Nishiyama/Der SpiegelEs waren viele Katastrophen, die diese alte Kulturnation in ihrer langen Historie zu überstehen hatte. Die besonderen Wege, die sie in einer klugen Mischung aus Kulturimport und eigener Tradition beschritt, will dieses von den SPIEGEL-Redakteuren Uwe Klußmann und Rainer Traub konzipierte Heft beschreiben. Es reicht vom alten Japan der Samurai über Nippons Aufbruch in die Moderne und das japanische Kaiserhaus - das älteste der Welt - bis zur Frauenfrage im Land der Geishas heute. Mit dem japanischen Sozialphilosophen Kenichi Michima sprachen Traub und SPIEGEL-Redakteurin Annette Großbongardt über Japans schwierigen Umgang mit seiner Kriegsvergangenheit und die Schwäche der politischen Klasse (Seite 138).
Wie konnte ausgerechnet das Land, das die USA mit Atombomben verwüsteten, zum Nuklearstaat werden? SPIEGEL-Redakteurin Cordula Meyer spürte dieser Frage in Hiroshima, Tokio und Fukushima nach - und liefert die eindrucksvolle Analyse einer verhängnisvollen Verflechtung von Nationalstolz, Filz und US-Hilfe (Seite 102). »Und nahe Washington«, so Meyer, »ist immer noch der US-Bomber ausgestellt, aus dem die Atombombe abgeworfen wurde.« Opfer der japanischen Kriegsgewalt traf China-Korrespondentin Sandra Schulz in Südkorea. Die Frauen waren als Zwangsarbeiterinnen und »Trostfrauen« missbraucht worden: »Sie haben das Gefühl«, so Schulz, »dass Japan ihnen bis heu-te eine angemessene Entschuldigung verweigert« (Seite 64).