Hausmitteilung
Flüchtlingsschiff auf der Ostsee im April 1945: »Wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für die Flucht und Vertreibung sehen.«
Foto: Vinzenz Engel / bpkRund 14 Millionen Deutsche verloren ihre Heimat im Zuge des Zweiten Weltkriegs und der NS-Terrorherrschaft. Im Winter 1944/45 packten viele in Windeseile ihre Kleider in Koffer, verstauten Schmuck und Familiensilber, verschlossen ihre Häuser und Wohnungen ein letztes Mal – und flohen bei Eiseskälte vor der Roten Armee aus Pommern oder Ostpreußen Richtung Westen. Zu Fuß, per Bahn oder im langen Treck der Pferdewagen machten sich Frauen, Männer, Kinder und alte Menschen auf den Weg in eine ungewisse Zukunft.
akg-images; Kolorierung: hey folks / DER SPIEGEL
Verlorene Heimat
Rund 14 Millionen Deutsche mussten am Ende des Zweiten Weltkriegs die bis dahin deutschen »Ostgebiete« verlassen. Die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL Geschichte erzählt von Schicksalen, vom Fliehen und vom Ankommen – und davon, wer für die Vertreibungen verantwortlich war.
»Wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für die Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen«, sagte Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner berühmten Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1985: »Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte.« In dieser Ausgabe erklären wir, warum die nationalsozialistische Politik die eigentliche Verantwortung trug für die größte Fluchtbewegung in der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Und zeigen, dass die gefährliche Idee, dass Nationen nur Angehörige eines »Volkes« umfassen sollten, damals vielerorts Vertreibungen legitimierte.
Die Flucht zerriss Familien und trennte Eltern von ihren Kindern. Ein Viertel der bundesdeutschen Bevölkerung ist familiär mit der Thematik Vertreibung verbunden, Traumata wirken vielfach bis heute nach. Im Gespräch erklären die Historikerin Gundula Bavendamm und der Historiker Stefan Troebst, inwieweit den Erzählungen der Vorfahren zu vertrauen ist und warum die Deutschen ein Recht auf Trauern haben, obwohl sie die Täternation waren.
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In der Bundesrepublik konnten sich Flüchtlinge schon wenige Jahre nach dem Krieg in Verbänden organisieren. In der DDR war es ihnen verboten, ihr Schicksal zu thematisieren. Viele weinten ihrer alten Heimat nach. Andere schafften es, den Verlust zu bewältigen und nach vorn zu schauen – auch von diesem Aufarbeitungsprozess handelt dieses Heft.
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