Hausmitteilung
Einblick 2019 öffneten Archäologen im Tal der Könige einen Holzsarg. Das Verhältnis Ägyptens zu seiner Vergangenheit ist ambivalent.
Foto:KHALED DESOUKI / AFP
Pharaonengold, Mumien, Nilschwemme – ein paar Wörter reichen, und eine Welt scheint auf. Das alte Ägypten ist längst so etwas wie eine Marke, Ausstellungen sind Publikumsmagnete, und als Plastikspielzeug haben es die Pyramiden sogar ins Kinderzimmer geschafft. Doch die Klischees verdecken, wie differenziert Forscherinnen und Forscher die Kultur am Nil heute verstehen.
Wie entstand das Reich der Pharaonen, das um 2900 v. Chr. greifbar wird und bis zur Zeitenwende Bestand hatte? Warum blieben die Hieroglyphen so lange ein Rätsel? Und wie lebten die einfachen Menschen damals? Als wir uns – beraten vom Ägyptologen Christian E. Loeben, Kurator am Museum August Kestner in Hannover – diese Fragen stellten, wurde klar, dass die Erzählungen und Interpretationen früherer Entdecker den Blick auf das Land am Nil noch immer stark prägen. So reiste Richard Lepsius , der Patriarch der deutschen Ägyptologie, an den Nil, weil Preußens König sich davon nationalen Ruhm erhoffte. Als kolonialer Abenteurer gab sich Howard Carter , als er im Tal der Könige das Grab Tutanchamuns suchte. Und lange übersah man, dass nicht Sklaven, sondern spezialisierte Handwerker die Pyramiden erbaut hatten.
Redakteur Johannes Saltzwedel, der dieses Heft konzipiert hat, staunte über die Details, die inzwischen über die Herrschaft von Pharaonen wie Djoser , Sesostris I. oder Ramses II. bekannt sind, aber auch über den Alltag oder die einstige Naturwissenschaft . So ist auch klar, dass Frauen politisch eine größere Rolle spielten als in der europäischen Antike; sie waren, wie Hatschepsut oder Kleopatra , sogar Pharao.
Durchblick: Redakteur Saltzwedel mit Direktorin Seyfried im Ägyptischen Museum Berlin
Foto: Sebastian Wells / OSTKREUZAn Faszination verliert das alte Ägypten durch die neuen Einblicke nicht. Ganz im Gegenteil. Die Welt von damals wird immer konkreter. »Aus Papyri und Inschriften lernen wir Menschen, die vor vielen Tausend Jahren lebten, bis ins Private kennen«, sagt Friederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums Berlin .
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