Hausmitteilung Was ist es denn nun?
Straßenszene in Frankfurt am Main, 1959: Bemerkenswerte Paare
Foto: Abisag Tüllmann / bpkDas Herz glüht, die Leidenschaft zehrt, Schmetterlinge überall – die Liebe scheint überzeitlich, eine Macht, die Menschen immer schon zusammenbrachte und zusammenhielt. Doch seit einiger Zeit ist das vermeintlich größte Gefühl von allen in den analytischen Blick der Geschichtswissenschaften geraten. Und die Forschenden kratzten am Zuckerguss des vermeintlich zeitlosen Zaubers: Sie interessieren sich weniger für die Liebe als menschliche Ur-Emotion, sondern sehen darin vielmehr eine gesellschaftliche Konvention, die in unterschiedlichen Epochen jeweils anders definiert wurde – und ihrerseits auf die Kulturen zurückwirkte; nicht selten sogar Politik machte.
Was das genau heißt, was es für Menschen heute bedeutet – und warum man die Liebe trotzdem und gerade deshalb immer noch feiern kann, darum geht es in dieser Ausgabe von SPIEGEL Geschichte.
Schon in der Steinzeit könnte es Monogamie gegeben haben, vermuten Archäologen, die den Wurzeln der exklusiven Paarbindung nachspüren . Doch die Regeln, nach denen Liebe früher gelebt und wohl auch gefühlt wurde, waren andere als heute. Das zeigt ein Blick auf bemerkenswerte Paare vergangener Zeiten: Kleopatra und Marc Anton zum Beispiel , der osmanische Sultan Süleyman und seine Haremsdame Hürrem , die adligen Ladys von Llangollen in Wales um 1800, das Schauspielerpaar Joachim und Meta Gottschalk im Nationalsozialismus oder ein Paar, das die innerdeutsche Grenze überschreiten musste, um zusammen sein zu können .
»Es ist, was es ist, sagt die Liebe«, dichtete Erich Fried (1921 bis 1988) über die Zuneigung. Historisch gesehen lag er wohl falsch. Das, was die meisten heute unter romantischer Liebe verstehen, erfanden ein paar versprengte Emotions-Revoluzzer erst an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert: eine allumfassende Innigkeit, eine geistige wie körperliche Verschmelzung . Dieses Liebesideal stecke uns bis heute »tief in den Knochen«, sagt die Emotionshistorikerin Ute Frevert : Der oder die eine, für alles, für immer soll es sein, bitte schön. Allerdings könnte sich auch das ändern: Denn immer mehr Menschen verlieben sich in eine künstliche Intelligenz. Wo das hinführt, wird der weitere Gang der Geschichte zeigen.
Einstweilen wünschen wir Ihnen eine anregende Lektüre beim Eintauchen in vergangene Liebesgeschichten und Liebesdramen.
Ihr Team von SPIEGEL Geschichte