Hauswirtschaft in der Nachkriegszeit - DER SPIEGEL
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Hauswirtschaft in der Nachkriegszeit: Ans Eingemachte

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Hauswirtschaft in der Nachkriegszeit Ans Eingemachte

Milchhändler zu Pferde, Wäschepressen und Petroleumlampen: Bevor nach dem Krieg das Wirtschaftswunder Einzug hielt, lebte man in Deutschland bescheiden. Karl-Wilhelm Meier erinnert sich an die Zeit ohne Heizung, Kühlschrank - und diesen riesengroßen Wäschefön.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn in den fünfziger Jahren morgens die Pferdehufe auf das Kopfsteinpflaster knallten, war der Milchmann in der Nähe. Die Frauen kamen aus den Häusern, und wenn die Milch mal wieder einen Pfennig teurer geworden war, dann schimpften sie. Das war kein übertriebener Geiz. Denn den Frauen ging es ums Geld. Jeder Pfennig musste dreimal umgedreht werden. Sparsamkeit war nicht nur eine Tugend, sondern für die meisten Menschen in der Nachkriegszeit eine Notwendigkeit.

Fleisch kauften meine Eltern in der nahegelegenen Schlachterei. Gekauft wurde nur das, was noch am gleichen Tag auf den Tisch kam, denn einen Kühlschrank besaßen wir damals noch nicht. Nur für das Wochenende wurde am Freitag im Voraus eingekauft. Im Sommer versorgte uns der Garten. Was zu viel war, wurde eingemacht und im Keller gelagert. Dann und wann musste eines der Hühner oder Kaninchen, die wir hielten, sein Leben lassen.

Und die Wäsche? Viel war es nicht, was wir zum Anziehen hatten: eine Hose zum Tragen und eine für die Wäsche. Gewaschen und geschrubbt wurde mühsam in der Badewanne. Samstag allerdings nie. Denn dann war Badetag, und die Wanne stand der ganzen Familie zur Verfügung.

Wir hatten zwei Zimmer. Ein Wohnzimmer, das gleichzeitig die Küche war, und ein Schlafzimmer. Der Ofen, auf dem meine Mutter das Essen zubereitete, diente auch als Heizung. Allerdings wurde das Zimmer selten richtig warm. Von Wärmedämmung war damals noch nicht die Rede. Licht spendete uns in der Wohnung eine einzige Petroleumlampe. Im Schlafraum war es immer stockdunkel.

Ende der Fünfziger verbesserten sich die äußerst bescheidenen Bedingungen, unter denen wir lebten. Wir zogen in ein Reihenhaus mit elektrischem Licht und einem riesigem Kachelofen, der das ganze Haus beheizen sollte. Anfangs blieben die Kinderzimmer trotzdem immer kalt. Im Winter, als die Fenster undicht geworden waren, bildeten sich Eisblumen an den Scheiben. Deshalb blieb ich im Winter nach dem Abendbrot in der Küche und musste dort das Radioprogramm meiner Eltern mit anhören. Das Wohnzimmer wurde nämlich, wie in vielen anderen Familien auch, nur am Wochenende benutzt. Eine seltsame Angewohnheit. Ihren Sinn habe ich nicht verstanden.

Wie schon in der alten Wohnung befanden sich die Winterkartoffeln und das Eingemachte im Keller. Die Geschäfte in der neuen Nachbarschaft hatten ein größeres Angebot als die Läden, die wir bislang kannten. Der Kühlschrank, den wir von nun an besaßen, ermöglichte uns den Luxus der Vorratsanschaffung. Das langsame Aufkommen größerer Lebensmittelmärkte, die ihre Waren zu günstigeren Preise als die kleinen Händler anboten, tat sein Übriges. Allmählich hatte man auch etwas mehr Möglichkeiten bei der Kleiderwahl, was aber nicht daran lag, dass meine Eltern mir neue Kleidung kauften, sondern dass ich in einem Alter war, indem ich von immer mehr Verwandten Kleider zum Auftragen bekam.

In unserem Haus gab es eine Waschküche mit einem großen Kessel für die Kochwäsche. Befeuert wurde der Kessel mit Altpapier, das wir von einer Drogerie aus der Nachbarschaft holten. Das kostete uns nichts, und es hatte den Vorteil, dass ich manchmal das Feuer machen durfte. Es gab zwei Becken in der Waschküche. In einem wurde die Wäsche gestampft, im anderen wurde sie gespült. Eine Schleuder hatten wir damals allerdings nicht. Die nasse Wäsche brauchte sehr lange, um zu trocknen. Irgendwann bekamen wir die Wäschepresse meiner Großeltern. Mit ihr wurde unter großer Kraftanstrengung das Wasser aus der Wäsche gepresst. Zwar wurde sie jetzt schneller trocken. Dafür verschliss sie auch schneller.

Die erst segensreiche Waschmaschine kam erst Jahre später ins Haus und bis die Zeit für einen Waschvollautomaten reif war, mussten noch viele Jahre vergehen. Heute besitzen meine Frau und ich sogar einen Trockner. Angesichts des fehlenden Trockenraumes ist das äußerst praktisch, wenn auch nicht sehr energiesparend. Meine Mutter hätte damals sicher ungläubig den Kopf geschüttelt: Ein riesengroßer Wäschefön? Wo gibt's denn so was?