Im Flieger - DER SPIEGEL
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Im Flieger: Ein Hoch auf die Piloten!

Foto: Ralf Haubert

Im Flieger Ein Hoch auf die Piloten!

Der einst besondere Akt des Fliegens ist zu einer schnöden Taxifahrt verkommen. Ralf Haubert erinnert sich an seinen ersten Flug - als es noch Grund zum Klatschen gab.
Von Ralf Haubert
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Erinnerst Du Dich noch an Deinen ersten Flug? War das eine Aufregung! Falls Du halbwegs mein Jahrgang bist, wirst Du verstehen, was ich meine. Die Flughäfen waren zu jener Zeit noch weit entfernt von den heutigen High-Tech-Kathedralen, über die Millionen Menschen, in Flugmaschinen sitzend, rund um den Globus transportiert werden.

Ich weiß noch, dass die Vorbereitungen zu Hause und das Hinfahren zum Flughafen bereits etwas Aufregendes und Respektvolles hatten, als stünde die Aufnahme in einen exklusiven Klub bevor. Beim Betreten des Fliegers wurde dieser Eindruck noch durch die allwissend wirkenden Stewardessen und Stewards verstärkt, die scheinbar jeden einzelnen Passagier erwartet und ihm seinen ganz besonderen Platz reserviert hatten. Da war man unbedingt Teil dieser verschworenen Gemeinschaft auf Zeit.

Ja, damals.

Damals war der Fensterplatz noch mein absoluter Favorit. Denn an der endlosen Weite der Wolkenwelt konnte ich mich nicht satt genug sehen - es war das Transzendentalste, was ich damals kriegen konnte. Das Aufsetzen des Flugzeuges auf der Landebahn brachte bei den Passagieren schon immer ganz unterschiedliche Gefühle hervor. Einige waren verzückt vom Gedanken, endlich am ersehnten Ziel ihrer Reise angekommen zu sein, andere fühlten sich eher entlastet von der anstrengenden Fliegerei, aber fast alle zeigten ihre Anteilnahme am gemeinsamen Flugerlebnis durch Beklatschen des gelungenen Vollzugs der Landung und um dem Kapitän und seiner Crew ein kollektives Dankeschön zu sagen.

Heute klatscht kein Schwein mehr.

Ich sitze auch nicht mehr am Fenster, sondern am Gang. Denn, wer einen Gangplatz in den vorderen Reihen hat, ist schneller raus aus dem Flieger und hat außerdem etwas mehr Beinfreiheit, zumindest für ein Bein.

Niemand klatscht mehr, denn in der Straßenbahn klatscht ja auch keiner, bevor man endlich ein paar Querstraßen weiter wieder aussteigen kann. Der einst besondere Akt des Fliegens ist zu einer schnöden Taxifahrt verkommen, während der das Fensterrunterkurbeln absolut verboten ist.

Eine besondere Entweihung haben die Crew-Mitglieder erfahren. Sie erwarten schon lange nicht mehr jeden einzelnen Passagier persönlich - teilweise sind nicht einmal Sitzplätze reserviert. Inzwischen machen sie eher den Job von Türstehern, die die reindrängende Menge vorsortieren und möglichst schnell irgendwie im Raum verteilen müssen. Wenn die Crew dann mit blauen Säcken durch den Mittelgang schleicht, um den Müll der Reisenden einzusammeln, weiß man, dass die Sause bald vorbei ist.

Der Wunsch, ein Mitglied dieser "verschworenen Gemeinschaft" zu sein, kommt nicht mehr auf.

Aber was rede ich da? Eigentlich ist doch alles klar. Die Cabin Crews sind inzwischen die Facility-Manager der Dreckschleudern und ich bin die geizgeile Sau, die dafür sorgt, dass das Fliegen für wenig Geld weitergeht. Zu Beklatschen gibt es da ohnehin nichts mehr.