Kriegsende - DER SPIEGEL
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Kriegsende: Der kluge Mann sorgt vor

Foto: Karl Wilhelm Meier

Kriegsende Der kluge Mann sorgt vor

Ist der Abbau und das Verstecken von Maschinenteilen kurz vor Kriegsende schon ein politisches Statement oder reiner Pragmatismus? Die Familie von Karl Wilhelm Meier bereitete sich jedenfalls schon vor auf die Zeit nach den Nazis. Erfolgreich.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ich komme aus einer großen Familie. Die Meiers, ansässig in Bremen-Aumund, wohnten alle unter einem Dach in einem großen Haus in der besten Wohngegend und arbeiteten in Vegesack auf den Werften oder in der Verwaltung. Politisch waren meine Verwandten nicht. Man war mit seinem eigenen Leben beschäftigt, versuchte, ein anständiger Mensch zu sein. Dann kamen die Nazis an die Macht.

Der neue Schwager war ganz begeistert und erschien auf der nächsten Geburtstagsfeier in SA-Uniform. Laut sagte keiner etwas, weil er ja Gast war, man rümpfte aber die Nase. Und der diskrete Hinweis, dass er womöglich die private Feier mit einer Parteiveranstaltung verwechselt habe, blieb nicht ohne Wirkung. Als der Zweite Weltkrieg sich erkennbar dem Ende zuneigte und klar wurde, dass die Nazis den heranrückenden Alliierten nichts überlassen wollten und alles zerstören, handelten die Meiers im Gedanken an die Zeit nach dem Krieg praktisch: Da die Werften weitgehend still standen, baute man aus der einen und anderen Maschine einzelne Teile aus und versteckte sie im heimischen Hühnerstall. Für Aumunder Verhältnisse richtig konspirativ.

Die "gute Nachbarschaft"

Nun war das ja eigentlich nicht erlaubt, was man da trieb. Und es hätte schlimme Folgen haben können. Also sprach man den Ortsgruppenleiter an. Sagte ihm, dass er ja nun auch Probleme bekommen könnte, wenn die Alliierten kämen. Dass er ganz bestimmt für längere Zeit seine Familie nicht würde ernähren können. Da würde man gerne aushelfen, wie es sich unter guten Nachbarn gehört. Das ginge aber nur, wenn Meiers bis zum Kriegsende nicht noch zusätzlichen Ärger bekommen würden.

Ob er den Wink verstanden hat und tatsächlich danach handelte, weiß ich nicht. Jedenfalls ist meiner Familie nichts passiert, die Familie des Ortsgruppenleiters war auch nach dem Krieg versorgt und die Werft lief wieder. Leben und leben lassen, heißt das wohl.