KZ Wiesengrund Heimliche Helfer
KZ-Gedenkstätte auf dem Gebiet des ehemaligen Konzentrationslagers "Wiesengrund" in Vahingen/Enz
Foto: Norbert_Försterling/ dpaEs war auf dem Hofgut ihrer Eltern in Kleinglattbach, einem Stadtteil von Vaihingen an der Enz. Wendelgard von Staden war 19 Jahre alt, als 30 jüdische Gefangene 1944 dort eintrafen. Wegen des Krieges waren fast alle jungen deutschen Arbeitskräfte aus der Region an die Front eingezogen worden. Es gab Probleme bei der Bewirtschaftung des Hofes. Nahrungsmittel waren knapp. Die Stadtverwaltung schickte Häftlinge aus dem nahe gelegenen KZ Wiesengrund auf den Hof. Sie sollten Stroh und Buschbohnen für die Versorgung des Lagers abholen. Doch bei einem einmaligen Arbeitseinsatz blieb es nicht.
Heute ist Wendelgard von Staden 82 Jahre alt. Sie lebt wieder in Vaihingen an der Enz. Wir trafen sie in ihrem Haus und sprachen mit ihr über die damalige Situation und ihren Kontakt zu den KZ-Häftlingen.
Step 21: Was geschah mit den Häftlingen auf dem Hof?
von Staden: Meine Mutter war entschlossen, diesen Menschen zu helfen. Sie wollte die Naturalien nur unter der Bedingung an das Lager liefern, dass dieses Kommando von 30 Häftlingen zur Arbeit auf dem Gut eingesetzt wird. So hatte sie die Chance, wenigstens einen kleinen Teil der Menschen vor dem drohenden Hungertod zu retten. Jeder im Lager wollte in dieses Kommando, denn alle wussten, dass sie dort gut behandelt wurden und ausreichend zu essen bekommen.
Step 21: Wie war Ihr Verhältnis zu den Häftlingen?
von Staden: Freundschaften zu schließen war natürlich unmöglich. Wir durften nicht zeigen, dass wir ihnen helfen wollten - immer waren einige SS-Männer da, die sie bewacht haben. Außerdem konnten wir uns kaum verständigen, weil die meisten kein Deutsch sprachen.
Step 21: Wie war die Haltung Ihrer Eltern den Nazis gegenüber?
von Staden: Meine Mutter sagte einmal: 'Hitler wird gewählt. Wenn er gewählt wird, wird er aufrüsten. Wenn er aufrüstet, gibt es Krieg. Wenn es Krieg gibt, geht Deutschland kaputt.' Mein Vater kritisierte das Naziregime auch, jedoch tat er dies nie in der Öffentlichkeit.
Step 21: Haben Sie heute noch Kontakt mit den ehemaligen Häftlingen?
von Staden: Ja, einige habe ich später wiedergesehen. Acht Familien haben eine Dankesfeier in New York für mich organisiert. Und zum 60. Jahrestag der Befreiung sind viele ehemalige Häftlinge auf Einladung der Stadt nach Vaihingen gereist. Es war wunderbar, aber viele habe ich gar nicht mehr erkannt. Sie sahen alle so 'normal' aus.
Zuerst erschienen in "STEP 21 [Weiße Flecken]", dem Jugendzeitungsprojekt von STEP 21 - Initiative für Toleranz und Verantwortung.