Legendäre TV-Serien Die Straßen von San Francisco
Die Siebziger-Jahre-Kultserie "Die Straßen von San Francisco" mit Karl Malden und Michael Douglas auf DVD
Als 1974 die US-amerikanische Serie "Die Straßen von San Francisco" in Deutschland das erste Mal auf Sendung ging, war ich 17 oder 18 Jahre alt. Für meinen Vater und mich wurde die Serie um Detective Lieutenant Mike Stone (Karl Malden) und Steve Heller (Michael Douglas) bald zu einem unbedingten Muss, einem festen Termin, von dem wir uns unter keinen Umständen, von nichts und niemandem abbringen ließen. Das damalige bundesrepublikanische Fernsehen war ausschließlich öffentlich-rechtlich und damit in meinen jungen Augen etwas angestaubt. Die actionreiche Serie mit ihren spannenden Kriminalfällen war da natürlich ein außerordentliches Ereignis. Sie versetzte meinen Vater und mich in eine bis dahin unbekannte Welt - uns sie sollte auch auf unsere Welt einen entscheidenden Einfluss haben.
Damals übte die Serie, die mit einer unvergesslichen Titelmusik begann, eine große Anziehungskraft auf mich aus, weil sie vor Action nur so strotzte. Es wurde viel geschossen und viel gestorben auf den Hügeln von San Francisco. Außerdem übte der Polizeiberuf, wie auf so viele heranwachsende Jungen, eine gewisse Faszination auf mich aus. Vermutlich auch deshalb, weil unbedingte moralische Integrität die Serienhelden zu wirklichen Vorbildern für mich machte.
Heute bin ich der Überzeugung, dass die Action damals nur einen oberflächlichen Reiz ausmachte. Das Eigentliche war die besondere Figurenkonstellation: Zum einen gab es da Mike Stone als gewieften und gestandenen Polizisten, dessen ungemeine Präsenz der Lebenserfahrung geschuldet war, die er so glaubhaft verkörperte. Zum anderen gab es sein charakterliches Gegenstück, Stevie Heller, den ranken, ungestümen, hochmotivierten Nachwuchsermittler, der gerade frisch von der Polizei-Akademie kam. Eine Art Vater-Sohn-Verhältnis eben, und ein ganz einfach perfektes Team. Und genau das war der Punkt.
"Erst die Autowäsche, dann die Currywurst"
Diese Konstellation muss es gewesen sein, die neben den rasanten Verfolgungsjagden durch die vernebelten Straßenschluchten von San Francisco, die Serie für mich so interessant gemacht hat. Mein Vater und ich haben uns damals stark mit den Figuren identifiziert, uns ein Stück weit in ihnen erkannt oder erkennen wollen. "Die Straßen von San Francisco" waren nicht nur Unterhaltung, sondern auch und vor allem gemeinsam verbrachte Zeit, die nicht allein darin bestand, fernzusehen. Die Serie beeinflusste die Art und Weise, wie mein Vater und ich miteinander umgingen. Mir fiel auf, dass mein Vater die Ausdrucksweise von Mike Stone übernahm. Er nannte mich auf einmal "Freundchen" oder "mein Junge", obwohl früher meist nur ein sachliches "Christoph" an der Tagesordnung gewesen war.
Noch viel besser aber war, dass mein Vater begann, sich unterhaltsame Anreize für die mir aufgetragenen und überaus lästigen häuslichen Arbeiten einfallen zu lassen: "Mein Junge, du erledigst morgen die Autowäsche und danach gehen wir Currywurst essen." Mike Stone war auch ein Freund des pädagogisch wertvollen Belohnungsprinzips, wenn es darum ging, seinem jungen Partner zu verstehen zu geben, dass mal wieder Überstunden anstanden. Beim Detective Lieutenant hörte sich das allerdings etwas anders an: "Freundchen, du kümmerst dich noch um die Fingerabdrücke und danach klemmen wir uns ein paar Hotdogs zwischen die Zähne." Hotdogs hatten es damals noch nicht bis nach Deutschland geschafft, deswegen war unser Pendant die Currywurst.
Unser Vater-Sohn-Verhältnis wurde durch die Serie und die Aktivitäten, die wir uns von ihr abguckten viel freundschaftlicher, man könnte fast sagen gleichberechtigter. Ich hatte das Gefühl, gemeinsam mit meinem Vater einfach alles schaffen zu können. Eben genau so, wie man bei Mike Stone und Steve Heller einfach das Gefühl haben musste, dass sie zusammen fähig waren, jeden noch so vertrackten Kriminalfall zu lösen. Da soll mal noch einer behaupten, Fernsehen sei das Medium der sozialen Entfremdung.
Ende einer Liebe
Als dann während der fünften und letzten Staffel Michael Douglas die Serie verließ und durch Richard Hatch ersetzt wurde, war die Serie dem Untergang geweiht. Nachdem die Zuschauerakzeptanz in den USA drastisch nachgelassen hatte, die Einschaltquoten in den Keller gegangen waren und die Produktion eingestellt worden war, zog auch ich mich - mit der üblichen transatlantischen Verzögerung - von meiner lang und heiß begehrten Seriengeliebten zurück.
Nichtsdestotrotz sind "Die Straßen von San Francisco", die nach ihrer Erstausstrahlung auf verschiedenen Sendern wiederholt wurden, zu einem ausgesprochenen Krimiklassiker geworden. Jetzt ist die Serie auch auf DVD zu haben. Sollte ich zugreifen, dann wahrscheinlich deshalb, um mir ein Stück Jugend zurückzuholen. Das nennt man, glaube ich, Nostalgie. Ach ja: Polizist bin ich übrigens doch nicht geworden.