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Märklin-Insolvenz: Und ewig lockt die Lok

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Märklin-Insolvenz Und ewig lockt die Lok

Gleise legen, Züge steuern, Unfälle inszenieren: Märklin macht seit 150 Jahren Kinder zu Lokführern. Jetzt ist die Firma pleite. Frederik Braun, Gründer der weltgrößten Modelleisenbahn, erzählt von seiner großen Liebe zu den kleinen Blechzügen - und erklärt, warum die Marke Märklin weiterleben wird.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

einestages: Herr Braun, der Modelleisenbahn-Hersteller Märklin hat Insolvenz angemeldet. Sie und ihr Zwillingsbruder Gerrit betreiben die größte Modelleisenbahn der Welt, das Miniatur Wunderland Hamburg. Hat Sie die Nachricht schockiert?

Braun: Natürlich. Märklin ist Marktführer weltweit, die Modelleisenbahn-Ikone, der Leithengst in der Branche. Sollte es Märklin nicht mehr geben, würde mich das unglaublich traurig machen. Schließlich dreht sich mein ganzes Leben um Modelleisenbahnen, also ist es auch mit der Marke Märklin eng verbunden.

einestages: Planen Sie jetzt Hamsterkäufe?

Braun: Ich überlege schon, ob wir einen Großeinkauf machen. Aber nicht um zu hamstern, sondern um Märklin zu unterstützen. Die Firma ist in einer schwierigen Branche tätig, denn Kinder stehen heute mehr auf Internet und Playstation. Dagegen wirkt so eine Modelleisenbahn für sie unglaublich antiquiert. Ist sie aber nicht. Sie ist das schönste Hobby, das es gibt.

einestages: Wann wurden Sie denn vom Modelleisenbahn-Virus infiziert?

Braun: Meine Kindheit ist Eisenbahn pur gewesen. Ich habe mit meinem Bruder buchstäblich Tage und Wochen an Bahnübergängen verbracht, habe die Züge katalogisiert und eigene Fahrpläne erstellt. Und abends haben wir das Ganze dann zu Hause mit der Märklin-Bahn nachgespielt. Wir hatten um die 20 Loks und massenweise Gleise, damit versuchten wir immer, möglichst verrückte Strecken aufzubauen - unterm Küchentisch, hinter dem Herd entlang und dann einmal um die Toilette rum. Außerdem liebten wir es, spektakuläre Unfälle zu inszenieren. Das war unser Thema Nummer eins. Keine einzige unserer Loks hatte am Ende noch Lack drauf, aber sie liefen noch. Natürlich auch, weil wir sie mit Schraubenzieher und Lötkolben immer wieder instandsetzten.

einestages: Und was macht die Magie dieses Spielzeugs aus?

Braun: Diese riesengroßen Loks mit all ihrer Wucht in echt zu erleben und das dann in klein nachzuspielen. So dass man auf einmal selber entscheiden kann, welcher Zug wann fährt. Das ist der Zauber.

einestages: Die Jugendlichen heute sind aber nicht mehr so leicht zu begeistern, oder?

Braun: Unter Teenagern ist es irgendwie nicht cool, mit einer Modelleisenbahn zu spielen. Das zeigt mir meine tägliche Arbeit hier. In Schulklassen, in denen die Jugendlichen 14 oder 15 Jahre alt sind, würden die Jungs nie zugeben, dass sie das toll finden. In meiner Kindheit gab es kaum einen Jungen, der sich nicht dafür interessiert hat. Manche mehr, manche weniger - aber jeder hatte eine. Oft stammten die auch noch vom Vater oder Opa.

einestages: Wie lassen sich Kinder denn heute für Modelleisenbahnen faszinieren?

Braun: Die drei- bis zehnjährigen Kinder sind sofort Feuer und Flamme, wenn sie unsere Bahn sehen. Sie können mir glauben, wenn man in einem Raum mit zehn kleinen Jungs eine Modelleisenbahn aufbaut und dann die Türen aufmacht und sagt: "Wenn ihr wollt, könnt ihr gehen" - keiner würde den Raum verlassen. Sie werden dableiben, spielen und sich darum streiten, wer den Regler bedienen darf.

einestages: Würde denn mit dem Ende von Märklin nicht auch ihr Museum langsam eingehen?

Braun: Natürlich spielen die Produkte von Märklin bei uns eine ganz große Rolle, allerdings nicht so groß, dass wir abhängig wären. Es gibt genug andere Hersteller, auf die wir zurückgreifen können. Aber gerade diese Woche haben wir noch eine riesige Lieferung von Märklin bekommen, pünktlich und ohne Rückstandliste. Deswegen mache ich mir keine großen Sorgen.

einestages: Hoffen Sie auf Rettung für Märklin?

Braun: Ich bin mir sicher, dass die Marke Märklin weiterhin existieren wird. Wir haben ja schon eine ganz böse Insolvenz miterlebt, als vor drei Jahren der Modellbahnhersteller Roco Bankrott ging. Wir dachten damals, das würde ein großes Problem für uns werden, war es aber gar nicht. Es fand sich sofort ein Käufer, der die Firma übernommen hat.

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