Marlene Dietrichs Familiengeheimnis: Blauer Engel, braune Schwester - DER SPIEGEL
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Marlene Dietrich und ihre ältere Schwester Elisabeth, um 1905: Die eine wurde zum Weltstar, die andere wegen ihrer dunklen Vergangenheit verleugnet

Marlene Dietrich und ihre ältere Schwester Elisabeth, um 1905: Die eine wurde zum Weltstar, die andere wegen ihrer dunklen Vergangenheit verleugnet

Marlene Dietrichs Familiengeheimnis Blauer Engel, braune Schwester

Weltstar Marlene Dietrich sang und tanzte für US-Soldaten. Elisabeth Will betrieb mit ihrem Mann ein Kino in KZ-Nähe. Als die Filmdiva davon erfuhr, verleugnete sie ihre Schwester – und bezahlte sie fürs Schweigen.
• aus SPIEGEL Geschichte 4/2024

Ob sie eine Schwester habe, fragte Regisseur Maximilian Schell die Diva im Rollstuhl im Herbst 1982 in ihrem Pariser Apartment. »Nein«, entgegnete Marlene Dietrich, dunkle Sonnenbrille, explosive Gemütsverfassung. »Sind Sie allein aufgewachsen?«, bohrte Schell nach. »Ja«, sagte die 80-Jährige glasklar. Und dabei blieb sie.

Noch im hohen Alter, isoliert in ihrer Pariser Matratzengruft, die Sinne von Scotch und Tabletten vernebelt, hielt Marlene Dietrich ihre Lebenslüge aufrecht – und verleugnete die eigene Schwester: Ottilie Josephine Elisabeth Will, geboren am 5. Februar 1900 in Schöneberg bei Berlin. Beruf: Lehrerin. Im Nationalsozialismus: Profiteurin der Täter.

SPIEGEL GESCHICHTE 4/2024

Deutschland und die USA

»Wir sollten uns an die Geschichte erinnern«, rief Barack Obama 2008 in Berlin, »und die Welt neu erschaffen.« Längst ist der Optimismus in den deutsch-amerikanischen Beziehungen der Angst vor Zerrüttung gewichen. Vor den US-Präsidentschaftswahlen erzählt die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL Geschichte von Euphorie und Entfremdung, von kulturellen Importen und vergessenen Pionieren. Wir zeichnen nach, wie aus Feinden Freunde wurden – und was sich aus der Geschichte dieser langen Partnerschaft für die Zukunft ableiten lässt.

Mit ihrem Ehemann, dem einstigen Varietédirektor Georg Hugo Will, hatte Elisabeth in der Lüneburger Heide die »Truppenlichtspiele« betrieben, unweit des Kriegsgefangenen- und Konzentrationslagers Bergen-Belsen: ein Kino für Wehrmachtssoldaten und SS-Leute. 2000 Plätze, mit Bühne und angeschlossenem Casino, Festsaal und Gaststätte.

Nach getaner Arbeit durften sich die NS-Verbrecher dort in prachtvollem Ambiente amüsieren, die unangenehmen Bilder der Ausgemergelten, Leidenden und Sterbenden aus ihren Köpfen spülen. Auch ein Mörder macht mal Feierabend, ein Sadist feiert mal Geburtstag – und das tat er gern bei den von Will ausgerichteten Champagnerpartys.

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