Nazi-Kriegsverbrechen Mein Vater, der Massenmörder
Seine Familienfotos hat Niklas Frank immer in der Brieftasche, wenn er unterwegs ist, auch ein Foto seines Vaters. Das haben viele Leute. Aber wohl kaum jemand trägt ein Foto seines Vaters bei sich, das unmittelbar nach dessen Hinrichtung aufgenommen wurde. Sein Vater – der 1946 im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess zum Tod durch den Strang verurteilte Hans Frank. Sein Sohn Niklas war sieben Jahre alt, als er gehängt wurde. Die Geschichte seines Vaters ist sein Lebensthema, mit dem er seit Jahrzehnten ringt.
Niklas Frank, Sohn des Naziverbrechers Hans Frank:
»Und da ist er ja, der Massenmörder.«
DER SPIEGEL:
»Warum haben Sie das Foto immer bei sich?«
Niklas Frank, Sohn des Naziverbrechers Hans Frank:
»Zum einen, um sicherzugehen, dass er wirklich tot ist. Zum anderen hänge ich natürlich… Wie ein Zombie bin ich von ihm bestimmt, weil er hat mir den Schrecken des Lebens vermittelt. Und zum Dritten – obwohl es hier nicht so ausschaut – lächelt er mich immer wieder an, weil seine widerwärtige Ideologie nicht tot ist, sondern hier vor allem in Deutschland weiterlebt und Stärke gewinnt, weil wir nichts aus diesen Massenverbrechen gelernt haben. Und da sehen Sie, dass das Auge geschwollen ist, was auch noch im Tod passiert. Er ist wohl gegen den Klappenrand geknallt, was einigen anderen Gehängten auch passiert ist.«
Wie sehr die Wut über seinen Vater in dem Sohn arbeitet, ist noch immer zu spüren. Das Urteil gegen Hans Frank im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess lautete schuldig – wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Hans Frank gehörte zu den Hauptverantwortlichen für den Holocaust. Man nannte ihn den ›Schlächter von Polen‹.
Mit dem Überfall Hitlers auf Polen 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Das Land wurde besetzt, aufgeteilt und teilweise in das Deutsche Reich eingegliedert. Aus einem größeren Teil Polens bildeten die Nazis das sogenannte Generalgouvernement mit ca. 12 Millionen Einwohnern. Später, nach dem Überfall auf die Sowjetunion, kam noch Ostgalizien mit weiteren ungefähr fünf Millionen Menschen dazu.
Nachdem die Gründung des Generalgouvernements feststand, klingelte das Telefon von Hans Frank, ein Anruf von Adolf Hitler.
Niklas Frank, Sohn des Naziverbrechers Hans Frank:
»Innerhalb eines zehnminütigen Gesprächs hat ihn der Hitler zum Generalgouverneur gemacht. Und dann ist er zurückgekommen, hat in unserer Berliner Villa sich vor der Mutter mal wieder niederkniet und gesagt: ›Brigitte, du wirst die Königin von Polen.‹ Das freute Mutter natürlich sehr.«
Das Generalgouvernement hatte eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der Ausbeutungs- und Vernichtungspolitik Hitlers. Hans Frank terrorisierte und mordete mit Verordnungen und Erlassen, führte die Arbeitspflicht für alle Polen ein, das bedeutete Zwangsarbeit und Verschleppung. Liquidierungen gehörten zum Alltag, egal ob jüdisch oder nicht. Gleichzeitig begann die Zwangsghettoisierung, die Isolierung der jüdischen Bevölkerung. Zudem verschleppten die Nazis immer mehr Juden ins Generalgouvernement – zuerst aus den anderen polnischen Gebieten, dann aus ganz Europa. Alle Juden wurden in Ghettos gepfercht. Dort herrschten unmenschliche Lebensbedingungen. Das Warschauer Ghetto war das größte.
Niklas Frank, Sohn des Naziverbrechers Hans Frank:
»Und er war damit als Generalgouverneur politisch verantwortlich für jedes Verbrechen, für jedes Vernichtungslager. Für all die Erschießungen und Hängungen und Vergasungen war er politisch verantwortlich. Persönlich hat er nie jemanden umgebracht, aber er hat halt dafür gesorgt, dass es präzise geschah.«
Aus den Ghettos wurden die Juden in die Gaskammern der Vernichtungslager deportiert – wie Majdanek, Belzec, Sobibor und Treblinka. Wer nicht in den Vernichtungslagern starb, wurde in den vielen Konzentrations- und Arbeitslagern gequält und ermordet. Auch in Auschwitz. Hans Frank prahlte mit seiner Kaltblütigkeit, protokolliert in seinen Diensttagebüchern: »Wenn ich für je 7 erschossene Polen ein Plakat aushängen lassen wollte, dann würden die Wälder Polens nicht ausreichen, das Papier herzustellen für solche Plakate.«
In seinem Arbeitszimmer rekonstruiert Niklas Frank seit Jahrzehnten akribisch die mörderischen Verbrechen seines Vaters, recherchierte, schrieb seine Bücher. Hier bewahrt er Dokumente und Fotos auf.
Niklas Frank, Sohn des Naziverbrechers Hans Frank:
»Da sieht man eben, dass er doch ein unheimlich eitler Fatzke war, eigentlich. Da ist er wieder mit seinem Erzfeind Himmler zusammen. Diese Drecksäcke, wirklich. Die wirkliche Macht hatten da drüben Himmler und einige Reichsministerien in Berlin. Aber sein Interesse war, nannte er immer, die Einheit des Rechts, dass alles bei ihm zusammenläuft. Darum hat er immer gekämpft und hat natürlich überhaupt nichts gegen die Vernichtung der Juden und all der anderen unschuldigen Menschen unternommen. Weil er wollte auch immer Hitler gefallen. Sein Hauptfeind war natürlich Himmler. Weil die hatten dauernd Krach, aber nicht um … irgendwie, dass man weniger Menschen vernichtet, sondern einfach nur… Er wollte halt in allem der Bestimmende sein, mein Vater.«
Kompetenzgerangel unter Massenmördern. Der eine: Heinrich Himmler, der als Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei das KZ-System organisierte und perfektionierte. Der andere: Hans Frank, der kaltblütig tönte: »Wenn wir den Krieg einmal gewonnen haben, dann kann meinetwegen aus den Polen und den Ukrainern und dem, was sich hier herumtreibt, Hackfleisch gemacht werden.« Er war Nationalsozialist der ersten Stunde. In der NSDAP und SA bereits in den Zwanzigerjahren, beim Hitler-Putsch in München dabei. Hitlers Rechtsanwalt in zahlreichen Prozessen. Nach der Machtergreifung Reichsrechtsführer und Reichsminister ohne Geschäftsbereich.
Woher kam dieser abgrundtiefe Hass? Sein Sohn analysiert die Motive seines Vaters weniger psychoanalytisch, sondern ganz nüchtern und pragmatisch.
Niklas Frank, Sohn des Naziverbrechers Hans Frank:
»Da hat er halt einfach immer mitgemacht, weil er für mich auf der anderen Seite ein Karrierist war, ein moralloser Karrierist, so gebildet er auch war. Er kniete einmal sehr früh in der Ehe mit meiner Mutter vor ihr nieder – er hatte manchmal so eine theatralische Art – breitete die Hände aus und sagte: ›Brigitte, einmal 1000 Mark verdienen im Monat.«
Diese privaten Aufnahmen der Familie Frank zeigen, wie luxuriös die Top-Nazi-Familie im Generalgouvernement Polen residierte. Ein Film dokumentiert das ganz normale, fröhliche Familienleben auf dem Landsitz Schloss Kressendorf nahe Krakau. Hier konnte man an den Wochenenden endlich mal abschalten. Pause von all den Erschießungen und Deportationen. So funktionierte die Work-Life-Balance eines Kriegsverbrechers. Als standesgemäßen Dienst- und Wohnsitz des Generalgouverneurs beschlagnahmte Frank außerdem die Burg Wawel in Krakau, das ehemalige polnische Königsschloss.
Niklas Frank, Sohn des Naziverbrechers Hans Frank:
»Plötzlich war er... lebte er auf der Burg in Krakau, und er hatte ein Wochenendschloss, Kressendorf, das ich auch sehr mochte. Und das geht dann schon sehr gut. Er liebte, wie mir sein persönlicher Chauffeur Schamper bestätigte, unheimlich seine 110 Uniformen, seinen neuen Mercedes, der dasselbe gelbe Scheinwerferlicht hatte wie Hitlers, wie mir der Schamper erzählte. Er hing sehr an Äußerlichkeiten, war aber gleichzeitig auch wirklich hochgebildet, spielte ja glänzend Klavier. Das kann man, wenn man sein schlechtes Gewissen, das er mit Sicherheit hatte, oder zumindest das Wissen darum, dass das nicht richtig ist, kann man aber hinter solchen großartigen Umgebungen einfach unterdrücken. Das war ein besetztes Land. Es passierten ununterbrochen Morde und Massenmorde. Aber eigentlich konnte er da gut leben und konnte repräsentieren und konnte Orchester und Theater aufbauen – für die Deutschen natürlich. Und das kann einen schon… in so einem Wohlleben, wenn man ein schwacher Charakter ist oder überhaupt keinen hat wie mein Vater, kann man da schon sehr gut leben.«
Und der pompöse Lebensstil war dem Schöngeist Hans Frank sehr wichtig. »Im Westen liegt Frankreich, im Osten wird der Frank reich«, spotteten die Leute. Egal ob das Vermögen ermordeter Juden oder gestohlene Gemälde aus den polnischen Museen, Hans Frank plünderte und raubte sich schamlos durch Polen.
In Bayern am Schliersee lag das private Domizil der Franks, der Schoberhof. Das gemütliche Zuhause der Familie während der Urlaube und an Weihnachten. Nach seiner Verhaftung fanden amerikanische Soldaten hier Franks Diebesgut. Unter anderem ein Gemälde von Leonardo da Vinci, das hatte er auf seiner Flucht noch mitgenommen. Ebenso wie zwei Rembrandts und einen Raffael, nur von denen gibt es keine Fotos. Hatte so jemand irgendwelche Skrupel oder Schuldgefühle?
Niklas Frank, Sohn des Naziverbrechers Hans Frank:
»Er wusste ganz genau, diese andere Seite hatte ihm schon dauernd zugeflüstert: ›Was du hier machst…‹, ist genau das, wofür ihn auch die ›New York Times‹ in einer Liste der Kriegsverbrecher…, noch während des Krieges haben Sie meinen Vater an die Nummer eins gestellt. Und er galt dort auch als ›Butcher of Poland‹, als ›Schlächter von Polen‹, und das wusste er schon auch.«
Niklas Frank hat die privaten Filme seiner Familie an das United States Holocaust Memorial Museum übergeben. Das Private ist eben gleichzeitig auch politisch und historisch bedeutsam. Zeigt es doch seltene Einblicke in das Leben des Massenmörders. Banaler Alltag einer nationalsozialistischen Musterfamilie – Oma kommt zu Besuch. Eine heile Welt, während gleichzeitig ringsherum das Leben Hunderttausender Familien von Vati vernichtet wurde.
DER SPIEGEL:
»Wie stellt man sich das vor, wenn der Massenmörder Feierabend hat und zur Familie kommt und umswitcht auf Familienvater?«
Niklas Frank, Sohn des Naziverbrechers Hans Frank:
»Bei uns zu Hause wurde viel gelacht. Zu Hause wurde also, das weiß ich auch, überhaupt nicht gegen die Juden gehetzt oder irgendwas, sondern da war... Der Vater konnte sehr witzig sein, war auch sehr charmant. Und da war, glaube ich, eher immer Gaudi, wie man im Bayerischen sagt. Das hat er dann schon auch genossen. Er hat so gesehen mit der Familie ein ganz gutes Verhältnis gehabt. Und die Kinder, die vier Älteren, meine Geschwister, die liebten ihn sehr, weil er wirklich lustig war.«
DER SPIEGEL:
»Was empfinden Sie, wenn Sie Ihren Vater so sehen?«
Niklas Frank, Sohn des Naziverbrechers Hans Frank:
»Das ist immer eigentlich dasselbe. Ich frage halt immer ein Leben lang: ›Warum hast du mitgemacht?‹ Das verfolgt mich schon. Warum hat er mitgemacht? Er hätte uns locker als Anwalt, meinetwegen als Mitglied der NSDAP, ernähren können. Warum hat er mitgemacht? Das werde ich nie verstehen. Ich kenne seine Eitelkeit. Ich kenne seine Feigheit. Aber warum hat er das bis zum Ende mitgemacht? Das kommt bei mir da immer auf, auch, wenn ich den Film sehe.
Bloß immer wieder diese Frage: ›Du, der du mich zehnmal bildungsmäßig in die Tasche gesteckt hättest: Warum hast du mitgemacht? Du warst ordentlicher Anwalt, du hast es so richtig mit einem demokratischen Staatsexamen während der Weimarer Republik gemacht. Warum machst du da mit?‹«
Warum nur? Die Fassungslosigkeit über die Verbrechen seines Vaters, die innere Zerrissenheit des über Achtzigjährigen Sohnes lässt bis heute nicht nach.
Hinter der Fassade war die Ehe seiner Eltern zerrüttet, beide hatten Affären. Hans Frank bezweifelte, dass er der Vater von Niklas war. Eine dysfunktionale Familie.
Niklas Frank, Sohn des Naziverbrechers Hans Frank:
»Das hat mich ohne Zweifel gerettet. Dass ich da…, das war die entscheidende Szene, im Schloss Belvedere in Warschau um den großen runden Tisch lief und er mir immer gegenüber blieb. Und ich wollte in seine Arme. Und er hat immer gesagt: ›Was willst du denn? Du gehörst doch gar nicht zur Familie, du bist doch ein Fremdi.‹ Und wenn ein Elternteil einem nicht die Liebe gibt, die man als Kind automatisch wohl erwartet, dann ist das schon ziemlich bitter. Und es hat eben bei mir, durch Glück des Unterbewusstseins, hat mich das eine Distanz zu meinem Vater aufbauen lassen. Und durch dieses habe ich viel mehr Glück gehabt dann im Umgang mit der Hinrichtung und mit dem Absturz der Familie Frank als meine Geschwister.«
Als einziges der fünf Kinder hat Niklas Frank sich öffentlich gegen seinen Vater positioniert. Schonungslos rechnete er in seinen Büchern mit ihm ab. Lesungen und Diskussionen in Schulen gehören ebenso dazu. Und das macht er noch heute, wie hier in den berufsbildenden Schulen in Buchholz. Bei den Projekttagen gegen Antisemitismus.
Niklas Frank, Sohn des Naziverbrechers Hans Frank:
»Ich wollte mir mein Leben nicht durch diesem Vater kaputt machen lassen. Und das kommt alles daher, weil ich halt im Herbst '45, da war der Vater ja schon verhaftet, lange, und da hatte ich Fotos in den Zeitungen, die damals von den Amis dann in Bayern herausgegeben worden sind. Da hatte ich eben KZ-Opfer gesehen, und da stand immer Polen drunter. Und da fing das eigentlich auch an, zusammen mit der Verhaftung. Was hat mein Vater damit zu tun und so. Von daher war da ein Schock, aber auch ein Interesse.«
So begann seine jahrzehntelange Recherche. Da, wo andere Angehörige von NS-Tätern vor Scham schwiegen oder die Taten ihrer Nazi-Väter verharmlosten, veröffentlichte der Journalist Niklas Frank Familienerinnerungen, Tagebücher, Fotos und Briefe. Während der Haft in Nürnberg schrieben seine Eltern sich oft, trotz aller Ehekonflikte. Die pathetischen Briefe voller Selbstmitleid hat er bis heute zu Hause.
Im Sommer 1946, als der Prozess in Nürnberg langsam seinem Ende zuging, informierte der Verteidiger von Hans Frank dessen Ehefrau, dass die Beweise gegen ihren Mann so überwältigend sind, dass sie mit der Todesstrafe rechnen muss.
Niklas Frank, Sohn des Naziverbrechers Hans Frank:
»Das wussten wir Kinder. Und als es dann plötzlich hieß, wir dürfen nach Nürnberg und den Vati sehen, dann sind alle fünf Kinder hingefahren in dem Bewusstsein: Das ist der einzige und letzte Besuch. Das ist eben beim Besuch – vorher oder nachher – in Nürnberg bei meinem Vater. Das bin ich, die Mutter, die sehr abgemagert war, und die Gitti. Und dann wurde man da reingeführt in einen Verhörraum, würde ich mal sagen. Da waren rechts verschiedene große Fensterscheiben mit Löchern drunter, dass man sich verstehen konnte, und gegenüber – das werde ich nie vergessen, irgendwie kannte ich den schon – saß der Göring und vor ihm saßen seine Frau und seine Tochter, und ich wurde mit der Mutter nach rechts…und da saß der Vater. Hinter eben diesem Fenster, neben ihm so ein weiß behelmter Soldat, und ich saß auf dem Schoß meiner Mutter. Und er lachte mich an und sagte eben zu mir: ›Bald feiern wir wieder lustig Weihnachten auf dem Schoberhof.‹ Ich saß auf dem Schoß meiner Mutter und dachte wirklich… ich war richtig enttäuscht, weil da war ich ja schon sieben Jahre alt: ›Warum lügst du? Du weißt doch, dass du gehängt wirst.‹ Das hat sich mir eingebrannt. Ich bin dann sehr enttäuscht vom Schoß gestiegen und mit meiner Mutter wieder rausgegangen.«
Das Dysfunktionale der Familie Frank beschränkte sich nicht allein auf den Vater. Die Mutter Brigitte hatte zwar weder eine Funktion im Dritten Reich, noch war sie Mitglied der NSDAP. Doch in Sachen Profitgier war sie ihrem Mann absolut ebenbürtig. Die Schicksale der Opfer in Polen waren ihr völlig gleichgültig. Aber ihr Status in der Nazielite, der war für sie unverzichtbar.
Niklas Frank, Sohn des Naziverbrechers Hans Frank:
»Sie war eiskalt – in gewisser Weise. Dieses Foto - als mein Vater sich scheiden lassen wollte -, schickte meine Mutter an Hitler. Da sind wir alle drauf. Und schrieb ihm dazu: ›Es kann doch nicht sein, dass ein deutscher Mann eine so glückliche deutsche Familie mit diesen schönen Kindern verlassen kann.‹ Sie war ein wunderbares Rabenaas, meine Mutter. Die hatte eine unheimlich autoritäre Ausstrahlung. Das ist so das typische Bild Königinnenbild meiner Mutter.«
Brigitte Frank hatte eine Schwäche für Pelzmäntel, teure Kleider und Schmuck.
Konkrete Erinnerungen an seine Kindheit im Generalgouvernement hat Niklas Frank kaum, er war damals zu klein. Da ist nur die eine Szene, deren Bedeutung er erst viel später verstanden hat.
Niklas Frank, Sohn des Naziverbrechers Hans Frank:
»Das war das Krakauer Ghetto, da bin ich halt durch die Straßen gefahren im Mercedes, und die Mutti ist dann einkaufen gegangen, in irgendeinem Shop. Einkaufen, also, sie war immer hinter Pelzen und Tüchern her. Ich muss wirklich klein gewesen sein und da stand ich halt vorne im Mercedes. Und hab halt da einem Kind die Zunge rausgestreckt, das älter war als ich. Und das hat sich nicht gewehrt, sondern ging weg. Und was mir noch sich eingebrannt hat, war, dass das alles so traurige Gesichter waren. Das war so, und ich wusste nicht, dass es ein Ghetto war. Ich hatte überhaupt keine Ahnung über Juden und so. Ich habe die Sterne gesehen…«
Einen Schlussstrich unter die NS-Vergangenheit gibt es für Niklas Frank nicht. Darf es nicht geben. Ganz im Gegenteil. Es ist eine bis heute andauernde Konfrontation mit seinem Vater. Die Auseinandersetzung mit dessen Gräueltaten reicht bis in seinen Garten.
Niklas Frank, Sohn des Naziverbrechers Hans Frank:
»Das ist der Ledermantel meines Vaters. Den er halt doch in den letzten zwei, drei Jahren wohl – kann ich nicht genau wissen – getragen hat. Und den hat dann der Lieutenant Stein mitgenommen nach Amerika. Und seine Erben haben ihn mir angeboten – für 500 Dollar. Und da hatte ich gleich die Idee: Das ist meine Vogelscheuche. Das hat mein Vater verdient. Und habe ihn gekauft und dann hier vor ungefähr fünf, sechs Jahren aufgebaut. Und der freut mich, weil etwas anderes hat er nicht verdient.«
DER SPIEGEL:
»Welches Gefühl überwiegt da? Ist es Wut, Unverständnis oder Traurigkeit?«
Niklas Frank, Sohn des Naziverbrechers Hans Frank:
»Verachtung. Traurigkeit nicht. Traurigkeit über die Opfer, über seine Opfer, aber für ihn nur Verachtung. Er hätte alle Chancen gehabt, da nicht mitzumachen.«