Olympia 1952: Emil Zatopeks Marathon-Rekord - DER SPIEGEL
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Olympische Momente Der absolute Renner

Er lief zum ersten Mal einen Marathon - und siegte! Bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki rannte ein Last-Minute-Teilnehmer der Weltelite davon. Zur Einstimmung auf London 2012 zeigt einestages zehn unvergessliche Olympia-Momente. In Teil zwei: Emil Zatopek und sein irrer Überraschungsrekord.
Ankunft der "Lokomotive": Marathonläufer Emil Zatopek überquert die Ziellinie bei den Olympischen Sommerspielen in Helsinki. Aufgenommen am 27. Juli 1952.
Ankunft der "Lokomotive": Marathonläufer Emil Zatopek überquert die Ziellinie bei den Olympischen Sommerspielen in Helsinki. Aufgenommen am 27. Juli 1952.

Ankunft der "Lokomotive": Marathonläufer Emil Zatopek überquert die Ziellinie bei den Olympischen Sommerspielen in Helsinki. Aufgenommen am 27. Juli 1952.

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AP

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"Za-to-pek! Za-to-pek!" Das Olympiastadion von Helsinki tobt, als der Läufer mit der Startnummer 903 durch das Tor in das Rund stürmt. Frisch wirkt er, dieser Emil Zatopek, Spitzname "Lokomotive". Dabei sind das hier die letzten Meter des olympischen Marathons, 42,195 Kilometer gegen die besten Läufer der Welt. Als Zatopek über die Ziellinie läuft, bleibt die Uhr bei 2:23:03,2 Stunden stehen - olympischer Rekord. Zatopek lächelt.

Zweieinhalb Minuten später kommt der erste Verfolger im Stadion an, Reinaldo Gorno aus Argentinien. Er wird von Zatopek freundlich begrüßt, der Tschechoslowake reicht seinem Gegner eine Zitronenschnitte. Aber was heißt das schon, "Gegner"? Zatopek, Major der Armee, 30 Jahre alt, hat bei diesen Olympischen Spielen in Helsinki jedes Rennen gewonnen, in dem er antrat. Erst über 5000, dann über 10.000 Meter und schließlich im Marathon.

Der Triumph über die längste olympische Strecke wird zum deutlichsten Beleg für Zatopeks Einzigartigkeit und zu einem der beeindruckendsten Momente der Olympia-Geschichte. Minuten vor dem Start hat er sich überhaupt erst entschieden, beim Marathon anzutreten. Sein Zögern verwundert nicht, Zatopek ist noch nie zuvor in seinem Leben diese Strecke gerannt. Er wagt es trotzdem - und wählt auch noch eine für Außenstehende völlig wahnsinnig wirkende Strategie: Zatopek hängt sich an Jim Peters, den britischen Marathon-Weltrekordler.

Mit Zatopek an den Hacken legt Peters ein Höllentempo vor, los wird er den Marathon-Neuling nicht. Im Gegenteil: Nach 15 Kilometern fragt Zatopek seinen Begleiter, wie ihm das Renntempo denn so vorkomme. "Zu langsam", lügt Peters. In Wahrheit weiß er schon jetzt, dass er einen großen Fehler gemacht hat. Er ist völlig aus der Puste und muss wenig später aufgeben. Zatopek aber beschleunigt und läuft das Feld in Grund und Boden.

Nie zuvor und nie wieder danach hat ein Läufer die olympischen Laufwettbewerbe so beherrscht wie Emil Zatopek. Dass die Spiele von Helsinki 1952 zu den Zatopek-Spielen wurden, dabei half auch seine Ehefrau. Dana Zatopkova, geboren am gleichen Tag im gleichen Jahr wie ihr Ehemann, gewann Olympia-Gold im Speerwerfen. Eine halbe Stunde nach Zatopeks Sieg über 5000 Meter.

Zur Einstimmung auf die Olympischen Spiele hat einestages zehn unvergessliche Momente der vergangenen Jahrzehnte gesammelt. Morgen: Abebe Bikila und sein Barfuß-Rekord.

Alle "Olympischen Momente" finden Sie hier.