Olympia 1992: Derek Redmonds schwerstes Rennen - DER SPIEGEL
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Olympische Momente Zu zweit ins Ziel

Der Helfer sprang aus dem Publikum: Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona brach ein britischer Läufer verletzt zusammen - und gelangte doch noch ins Ziel. Zur Einstimmung auf London 2012 zeigt einestages zehn unvergessliche Olympia-Momente. In Teil neun: Derek Redmonds schwerstes Rennen.
Arm in Arm: Derek Redmond verletzte sich bei den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona beim 400-Meter-Sprint, so dass der Brite den Lauf abbrechen muss. Die letzten Meter bis zur Ziellinie humpelt er - an seiner Seite sein Vater Jim Redmond.
Arm in Arm: Derek Redmond verletzte sich bei den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona beim 400-Meter-Sprint, so dass der Brite den Lauf abbrechen muss. Die letzten Meter bis zur Ziellinie humpelt er - an seiner Seite sein Vater Jim Redmond.

Arm in Arm: Derek Redmond verletzte sich bei den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona beim 400-Meter-Sprint, so dass der Brite den Lauf abbrechen muss. Die letzten Meter bis zur Ziellinie humpelt er - an seiner Seite sein Vater Jim Redmond.

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DENIS PAQUIN/ AP

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Als Derek Redmond 1988 zu seinen ersten Olympischen Spielen nach Seoul fährt, ist er britischer Rekordhalter über 400 Meter. Doch in Südkorea verletzt er sich an der Achillessehne, anderthalb Minuten vor seinem ersten Lauf.

Als Derek Redmond 1992 zu seinen zweiten Olympischen Spielen nach Barcelona fährt, hat er acht Operationen hinter sich und ist in der Vorbereitung sehr gute Zeiten gelaufen. Diesmal scheint alles gutzugehen. Bestzeit im ersten Lauf. Sieg im Viertelfinale. Nur noch dieses Halbfinale, dann winkt eine Medaille im Endlauf. Genugtuung.

Und so kniet sich Derek Redmond, 26, an diesem sonnigen Augusttag optimistisch in den Startblock. Mit ihm ist zu rechnen in Barcelona. Der Startschuss fällt, Redmond geht schnell an, bei 100 Metern liegt er auf Platz zwei, bei 200 Metern sieht es immer noch sehr gut aus. Bei 250 Metern stoppt einer der Athleten plötzlich in vollem Lauf, humpelt, hält sich den rechten Oberschenkel. Es ist Derek Redmond.

Während das Feld unbeirrt weiterrast Richtung Ziel, fängt die Kamera das schmerzverzerrte Gesicht des Verletzten ein. Verzweifelt kniet Redmond auf der Bahn, er weint. Niemanden würde es wundern, wenn er jetzt aufgeben würde. Aber dann steht der Brite auf und beginnt zu hoppeln. 20 Meter, 30 Meter. Er bleibt auf seiner Bahn fünf. Später wird er sagen, ihm sei plötzlich bewusst geworden, das hier sei "ein Olympisches Halbfinale und du bewegst jetzt verdammt noch mal deinen Hintern ins Ziel".

Dann wird alles noch dramatischer: Ein Mann ist von der Tribüne auf die Tartanbahn geklettert und rennt Derek Redmond hinterher, der mittlerweile auf die Zielgerade humpelt. Ein Ordner versucht den Mann mit dem Basecap zu stoppen, doch der schüttelt ihn ab. Als er bei Redmond ist, legt er ihm den Arm um die Schultern.

Der Mann heißt Jim Redmond, er ist der Vater des Pechvogels. Er will diesen Weg zusammen mit seinem Sohn gehen, er will für ihn da sein. Deshalb hat er die Stewards abgeschüttelt wie lästige Fliegen, deshalb hält er jetzt Dereks Arm und redet auf ihn ein. Tröstet ihn. "Wir haben diese Karriere zusammen begonnen und ich dachte, wir sollten sie auch zusammen beenden", sagt Jim Redmond später in die Fernsehkameras. Sein sprachloser Sohn steht immer noch neben ihm.

Das Bild von Vater und Sohn ist zu einer Ikone geworden und zu einem Symbol für den olympischen Geist. Das Internationale Olympische Komitee machte die Redmonds nach diesem dramatischen Ereignis zum Teil ihrer "Celebrate Humanity"-Kampagne.

Zur Einstimmung auf die Olympischen Spiele hat einestages zehn unvergessliche Momente der vergangenen Jahrzehnte gesammelt. Morgen: Muhammad Ali entzündet das olympische Feuer.

Alle "Olympischen Momente" finden Sie hier.

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