Ozzy Osbourne über Black Sabbath, die Beatles, seine Familie - DER SPIEGEL
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Ozzy Osbourne: "Lieber 'Prince of Darkness' als 'Coco, der Clown'"

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Metal-Legende Ozzy Osbourne "Ich hatte richtig Schiss vor Amerika"

Sie nennen ihn Fürst der Finsternis. Ozzy Osbourne ist eine Kultfigur des Heavy Metal. Hier spricht der 70-Jährige über Black Sabbath und die Beatles, Brandy in der Hochzeitstorte - und Ratschläge seiner Ehefrau.
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Zur Person
Foto: Getty Images/ Live Nation

Ozzy Osbourne, geboren am 3. Dezember 1948 als John Michael Osbourne in Birmingham, war von 1969 bis 2017 (mit Pausen) Sänger von Black Sabbath. Die Band zählt mit Songs wie "Paranoid", "Iron Man" oder "War Pigs" zu den Erfindern des Heavy Metal. Immer wieder sorgte Ozzy für Skandale; so soll er bei einem Konzert in Iowa 1982 einer Fledermaus den Kopf abgebissen haben. 2002 zeigte er sein Familienleben in der TV-Doku "The Osbournes" und gab im Februar 2017 mit Black Sabbath ein Abschiedskonzert. Mit seinem Sohn Jack drehte er kürzlich die Doku "Ozzy & Jack's World Detour" für den History Channel. Derzeit befindet sich Ozzy auf seiner letzten Solotour "No More Tours 2".Tourdaten: Ozzy Osbourne & Judas Priest
13.02.2019 München + 15.02.19 Frankfurt + 17.02.19 Hamburg + 19.02.19 Berlin
Mehr Informationen und Termine gibt es hier. 

einestages: Mister Osbourne, stimmt es, dass die Reeperbahn Ende der Sechzigerjahre eine wichtige Rolle für Sie spielte?

Osbourne: Das ist so. Mit der Bluesband Polka Tulk, Vorgänger von Black Sabbath, haben wir im Sommer 1968 unsere Livekarriere in Hamburg gestartet und spielten im Star Club auf der Reeperbahn. Für mich als totalen Beatles-Fan Wahnsinn, es war ja ihr Stammladen. Oft habe ich mir vorgestellt, wie es wohl war, als die Fab Four auf derselben Bühne standen. Später sind wir mit Sabbath viele Male um die Welt getourt, genau wie die Beatles. Aber damals dachten wir, mit der Band werden wir wohl ein paar Jahre Spaß haben und müssen dann wieder zurück in die Fabrik, schuften.

einestages: Mit 15 verließen Sie die Schule und waren als Hilfsarbeiter Schlachter, Klempner oder Gehilfe in einem Bestattungsinstitut. Sie stammen aus einer typischen Working-Class-Familie.

Osbourne: Richtig. Ich wuchs im Birmingham der Nachkriegsjahre auf und habe drei ältere Schwestern und zwei jüngere Brüder. Wir waren eine Großfamilie, mein Vater John, genannt Jack, arbeitete als Werkzeugmacher Nachtschicht, das Geld war knapp. Wir hielten zusammen und machten das Beste daraus, es stand immer Essen auf dem Tisch. Aber es war alles ziemlich deprimierend und schien so gut wie aussichtslos zu sein, da rauszukommen.

einestages: Mitten in diese Tristesse krachten die Beatles.

Osbourne: Meine Welt veränderte sich schlagartig, als ich sie zum ersten Mal mit "She Loves You" zu Hause im Transistorradio hörte. Davor hatte ich keinen Plan, was ich mit meinem Leben anfangen soll. Die Beatles gaben mir einen Traum: Musik machen, Sänger werden. Sie wurden mein Kompass durchs Leben. Ohne die Beatles gäbe es keinen Ozzy.

einestages: Viele Jahre später haben Sie "In My Life" gecovert. Eine Verbeugung?

Osbourne: Ganz klar. Die Beatles sind bis heute meine größten Helden. Ich wollte immer einer von ihnen sein. Es war mir eine Herzensangelegenheit, mit "In My Life" einen ihrer großen Songs auf meine Art zu singen.

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einestages: Wie kam es zur Bandgründung mit Gitarrist Tony Iommi und Bassist Geezer Butler?

Osbourne: Wir alle lebten in Birmingham in einem Drei-Meilen-Radius. Mit Tony ging ich zur Schule und spielte mit Geezer in der Amateurband Rare Breed. Wir malten uns unsere Gesichter bunt an im Psychedelic-Stil der Zeit. Aber ein richtiges Konzert haben wir nie hinbekommen, wir waren viel zu chaotisch.

einestages: Wie wurde daraus Black Sabbath?

Osbourne: Als Geezer und ich merkten, dass wir nicht weiterkamen, schlossen wir uns mit Tony zusammen und gründeten erst die Polka Tulk Blues Band, dann die Gruppe Earth. Aber dieser Bandname war schon vergeben, also tauften wir uns 1969 in Black Sabbath um, nach dem Horrorfilm mit Boris Karloff (deutscher Titel: "Die drei Gesichter der Furcht"). Das war Geezers Idee. Wir dachten uns: Wenn die Leute im Kino Geld zahlen, um sich erschrecken zu lassen, dann könnte das auch mit Musik funktionieren. Dazu passend machten wir fortan härteren, düsteren Sound. Als Songs wie "Black Sabbath" und "N.I.B." entstanden, änderte sich alles.

einestages: In den Siebzigerjahren ließen Sie es nach allen Regeln der Kunst krachen, mit Drogenkonsum und Randale - können Rockbands nicht anders?

Osbourne: Du kannst der Sache nicht ausweichen, sie wird auf dich zukommen, früher oder später. Es erwischt einen einfach. Uns auch. Aber zugleich verdanke ich mein Leben auch der Musik - und, ganz wichtig, meiner Frau. Das weiß ich hundertprozentig und habe es nie selbstverständlich genommen.

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einestages: Sie erwähnten Horrorfilme. Hat Sie die Schauspielerei nie gereizt? Läge doch auf der Hand.

Osbourne: Ich hatte in der Tat einschlägige Angebote, man kann sich die Rollen vorstellen (lacht). Aber ich bin ein beschissener Schauspieler und bleibe lieber bei dem, was ich kann.

einestages: Ende der Siebziger flogen Sie bei Black Sabbath raus und gerieten in eine schwere Krise.

Osbourne: Aber ich rappelte mich wieder auf und gründete meine eigene Band mit Randy Rhoads, diesem absoluten Ausnahmegitarristen von Quiet Riot. Nach Black Sabbath wollte ich mein eigener Boss sein und selbst bestimmen, wo es langgeht. Unser erstes Album "Blizzard Of Ozz" kam gut an.

einestages: Aber dann starb Randy Rhoads am 19. März 1982 bei einem Flugzeugunglück vor einem Konzert in Florida.

Osbourne: Er war erst 25 und nicht nur ein begnadeter Musiker, sondern auch ein wunderbarer Mensch und Freund, den ich bis heute sehr vermisse.

einestages: In Ihren Shows, ob mit Black Sabbath oder solo, spielt das Kreuz eine wichtige Rolle. Früher hatten Sie den Ruf eines Teufelsanbeters, aber in einer Szene Ihrer neuen TV-Serie bekreuzigen Sie sich, bevor Sie ins Meer tauchen, um Haie zu beobachten. Sind Sie in Wahrheit ein religiöser Mensch?

Osbourne: Ich glaube nicht an Religion als Organisation, wohl aber an eine höhere Macht, die größer ist als alles. Genau wie Jesus das auch tat.

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einestages: Was war Ihr Eindruck von den USA, als Sie dort mit Black Sabbath 1970 erstmals auf Tour gingen?

Osbourne: Ich hatte richtig Schiss vor Amerika. In England kannten wir ja nur die "Lucy Show", eine Sitcom mit Lucille Ball, den Filmcowboy Roy Rogers und natürlich Al Capone, den brutalen Gangster. Ich hatte furchtbare Angst, man würde mich abknallen, sobald ich einen Fuß vors Hotel setze. Echt schlimm. Heute kann ich darüber natürlich lachen.

einestages: Mit Ihrem Sohn sind Sie jetzt für die Doku "Ozzy & Jack's World Detour" kreuz und quer durch die USA gefahren - in einem uralten grünen GMC-Wohnmobil. Was hat es damit auf sich?

Osbourne: Es ist das gleiche Modell, mit dem wir damals mit Black Sabbath unterwegs waren. Reine Nostalgie. Ich machte zur Bedingung, dass wir so einen original grünen GMC-Campingwagen bekommen, weil so viele schöne Erinnerungen dranhängen. In der Sendung sieht man allerdings, dass dieser Traum nicht lange währte: Die alte Kiste brach zusammen.

einestages: Erst die Serie "The Osbournes", nun die Doku mit Jack - Sie scheinen gern vor Kameras zu stehen.

Osbourne: Ja und nein. Ich bin nicht wirklich kamerageil, ich habe die Doku in erster Linie gedreht, um mehr Zeit mit meinem Sohn verbringen zu können. Das ist die Wahrheit. Für ihn würde ich alles tun.

einestages: Auf der "Detour" machen Sie auch Halt auf Hawaii, wo Sie 1982 Ihre Frau Sharon Arden heirateten. In der Hochzeitstorte sollen damals sieben Flaschen Brandy verarbeitet gewesen sein, erzählt man sich.

Osbourne: Unglücklicherweise kann ich mich an viele Details nicht mehr erinnern, ich war total zugedröhnt. Aber das, an was ich mich erinnere, war ziemlich nett (lacht).

einestages: Ihr Schwiegervater Don Arden arbeitete als einflussreicher Musikmanager für Little Richard, die Small Faces und das Electric Light Orchestra. Was war sein bester Rat?

Osbourne: Ganz simpel: Junge, achte auf deine Kohle! Ist nun mal das Wichtigste, nicht nur in diesem Business.

einestages: Und wie haben Sie es geschafft, Ihre Ehe durch die Rock'n'Roll-Turbulenzen zu manövrieren?

Osbourne: In dem ich viel on the road war, dauernd auf Welttournee. Wie sagt man im Englischen so schön: "Absence makes the heart grow fonder..." - Abwesenheit lässt die Liebe wachsen. Da ist was dran. Aber meine Frau ist seit Jahrzehnten meine wichtigste Ratgeberin. Sharon rettete mir das Leben. Dafür liebe ich sie zu Tode!

einestages: Mit 70 rocken Sie noch immer die Bühnen. Hätten Sie gedacht, dass Sie mal so alt werden?

Osbourne: Niemals. Ich bin genauso überrascht wie viele andere auch. Aber ich habe mein Leben radikal geändert, gehe heute ins Gym, mache meine Fitnessübungen. Mittlerweile macht mir das richtig Spaß. So halte ich meinen Motor am Laufen.

einestages: Inzwischen sind Sie Großvater - und bald auch Rockrentner?

Osbourne: Ich werde mich keineswegs aufs Altenteil zurückziehen, es gibt noch einiges zu tun. Aber das weltweite Touren, das ich jahrzehntelang bis zum Exzess betrieben habe - das kann und will ich nicht mehr. Konzerte werde ich weiter spielen, nur nicht mehr auf endlosen Tourneen. Und ich werde definitiv neue Songs aufnehmen, sobald diese Abschiedstour beendet ist.

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einestages: Einst sangen Sie "You Can't Kill Rock'n'Roll". Und heute? Wird Rock sterben, wie manche schon orakeln?

Osbourne: Wenn ich ehrlich bin, überfordert und verwirrt mich der aktuelle Zustand der Musikszene, all die neuen Strömungen und Technologien. Andererseits berührt mich das alles nicht. Meine Konzerte sind nach wie vor ausverkauft, dafür bin ich echt dankbar.

einestages: Macht es Sie nicht müde, immer und überall als "Madman" porträtiert zu werden, als verrückter Rockstar?

Osbourne: Mal ehrlich: Würde nicht jeder gern einmal im Leben für ein Wochenende ein durchgeknallter Rockstar sein? Ich mache das halt das ganze Jahr, es gehört zu meiner Jobbeschreibung (lacht).

einestages: Man nennt Sie auch den "Fürsten der Finsternis", Sie wirken aber ganz anders. Ist dieses Image nur ein großes Missverständnis?

Osbourne: Diesen Titel hat mir vor vielen Jahren die britische Presse verliehen, er blieb an mir haften. Ich selbst würde mich sicher nicht so bezeichnen, habe aber auch nichts dagegen. Ich bin viel lieber der "Prince Of Darkness" als "Coco, der Clown".