Klaus Meines Fotoalbum: Die Kinderstube der Skorpione
Privatfotos des Scorpions-Sängers "Rechts sieht man meine Mutter Erna"
Köln im Winter. Ein regnerischer Wind pfeift um das Gemäuer und die Pfeiler der Brücke, die über den Rhein führt. Im Hyatt wartet Klaus Meine. Die Scorpions sind in der Stadt, um bei den hier ansässigen Sendern wieder einmal Werbung für ein neues Album und eine neue DVD zu machen, diesmal "Unplugged In Athens".
Meine ist mittlerweile 65 Jahre alt und steht seit 1969 mit Bands auf Bühnen. Mindestens eine Sache aus dem Dreiklang Sex, Drogen, Rock'n'Roll muss er allerdings weitgehend ausgelassen haben, sonst sähe er nicht so frisch aus. Zu unserem Treffen kommt er mit einer Mappe in den kleinen Konferenzraum. Er grüßt freundlich, fester Händedruck, nimmt die Sonnenbrille ab und bietet erst einmal das Du an, bevor er einen ganzen Schwung alter Fotografien auf dem Tisch verteilt: "Was willste wissen?"
Die Scorpions sind nicht Rammstein, die dem Ausland ein industrielles Deutschland mit Gruselfaktor verkaufen. Sie sind auch nicht Kraftwerk oder Can, die für eine intelligente Erneuerung der Popmusik stehen. Die Scorpions wollten immer eine Band nach angloamerikanischem Vorbild sein - und das schafften sie in den siebziger und achtziger Jahren mit Hits wie "The Zoo", "Rock You Like A Hurricane", "Still Loving You" oder "Send Me An Angel" so gründlich, dass sie ihrerseits zum Vorbild zahlloser Künstler aus Hardrock, Heavy Metal und sogar Punk wurden. 1990 dann veröffentlichten die Scorpions die Ballade "Wind Of Change", die im folgenden Jahr zur weltweit erfolgreichsten deutschen Single bis dato wurde - wohl auch deshalb, weil man das Lied, inspiriert von der Perestroika, bald nur noch als Hymne auf den Mauerfall rezipierte.
Klaus Meines Fotoalbum: Die Kinderstube der Skorpione
Eigentlich hatte die Band 2010 bekanntgegeben, sich nach dem letzten Studioalbum ("Sting In The Tail") und der anschließenden Welttournee für immer aus dem Geschäft zurückzuziehen. Doch diese Tournee lief offenbar so erfolgreich, dass die Herren um Sänger Klaus Meine und Gitarrist Rudolf Schenker sich im Januar 2013 genötigt sahen, ihren Rücktritt wieder zurückzunehmen. Die Abschiedstournee geht also weiter. Im kommenden Jahr erscheint ein Dokumentarfilm über die Gruppe, und ein Album mit neu bearbeitetem Material, das es früher nicht auf die Platten geschafft hat, ist auch in Arbeit. Wenn die Gruppe noch bis 2015 durchhält, könnte sie sogar ihr 50-jähriges Jubiläum feiern.
"Feeling", "Clique" und "Foundation"
Wer hätte das gedacht? Klaus Meine bestimmt nicht. Die notorische Mütze bleibt auf dem Kopf, so wie er seine dezent knarzende Lederjacke anbehält. Die Glatze verbirgt der Mann offenbar nicht aus Eitelkeit - sonst würde er Bilder davon zurückhalten, wie kahl es darunter schon in den achtziger Jahren aussah.
Im Gespräch ist er konzentriert und mit Interesse dabei. Selbst Anekdoten, die er schon oft zum Besten gegeben haben muss, erzählt er mit sichtlicher Freude ein weiteres Mal. Wenn er sich, was selten vorkommt, an Details wie etwa den Namen des Sängers von Mötley Crüe nicht erinnern kann, denkt er im Stillen weiter darüber nach und sagt notfalls fünf Minuten später: "Vince Neil war das! Der legendäre Vince Neil!" Hin und wieder verwendet er eine Jugendsprache, wie sie vor drei Jahrzehnten aktuell gewesen sein mag, spricht von "Feeling" und "Clique" und der Freundschaft als wesentlicher "Foundation" der Gruppe.
Die Bilder sind teilweise verblichen, manche zerknittert. Oft steht auf der Rückseite mit Bleistift, was genau auf der Vorderseite zu sehen ist. Manche Abzüge sind winzig, andere riesig. Offenbar stammen sie tatsächlich aus der Schatztruhe, in der Klaus Meine seine Erinnerungen abgelegt hat. Wenn er schwelgt, dann dezent. Als das Gespräch nach 38 Minuten vorbei ist, verlassen wir den Salon gemeinsam und betreten das angrenzende Restaurant, wo sich bereits die anderen Bandmitglieder am Buffet bedienen. Als Meine auftaucht, legt sich die Verwirrung der übrigen Gäste, was für seltsame Rocker sich da wohl im Nobelhotel rumtreiben: "Ah, die Scorpions!"