Prominente Brautschau - DER SPIEGEL
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Prominente Brautschau: Korb für Theodor

Foto: Karl Schillinger

Prominente Brautschau Korb für Theodor

Sie war jung und hatte Geld: In ihrer Jugend wurde Karl Schillingers Großmutter, Tochter aus wohlhabendem Hause, von heiratswilligen Männern umschwirrt. Einer von ihnen hieß Theodor. Sie lehnte seinen Antrag ab - und er wurde später ein berühmter Mann.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Anfang des 20. Jahrhunderts war meine Großmutter eine begehrte Partie. Als Tochter der Heilbronner Papierfabrikantendynastie Schaeuffelen ließ Johanna wohl auf eine üppige Mitgift hoffen, und so kam es, dass ihr so mancher junge Mann in der Hoffnung auf schnellen Reichtum beherzt Avancen machte.

Einer, der sich besonders um sie bemühte, war ihr gut im Gedächtnis geblieben. Es handelte sich um einen jungen Studenten namens Theodor. Er folgte ihr sogar bis in entlegene Erholungs- und Sommerfrischeorte, wo er versuchte, sich als ihr Kurschatten erbötig zu machen. Natürlich mit der Hoffnung auf ein mehr als nur schattenhaftes Dasein an ihrer Seite.

Bei seinem Vorhaben jedenfalls zeigte er keine falsche Scham. Mit tiefer Stimme sprach er: "Fräulein Hanna, heiraten Sie mich!" Fräulein Hanna allerdings hatte sich bereits in den feschen jungen Leutnant Karl verguckt. So gab sie Theodor einen Korb. Schnurstracks kehrte er in seinen Heimatort zurück. Wäre meine Großmutter seinen Werbungsversuchen mit etwas mehr Wohlwollen begegnet, wenn sie gewusst hätte, was die Zeit für Theodor noch alles bereithielt?

Der Student Theodor - Nachnamen Heuss - wurde später nämlich der erste Bundespräsident der Republik, ein Mann von großem Ansehen. Der Plan, den er viele Jahre zuvor auf seine forsche Art verfolgt haben mag - so man dies unterstellen mag - wäre übrigens ohnehin nicht aufgegangen: 1919 schon ging die Schaeuffelen'sche Papierfabrik in Insolvenz. Aber wer wollte auch behaupten, er habe meiner Großmutter nur deshalb so hartnäckig nachgestellt, weil er es auf ihren Reichtum abgesehen hatte?

Mit ihrem Karl wurde meine Großmutter glücklich. Trotz der 25 Verwundungen, die er sich im Ersten Weltkrieg zuzog. Drei Töchter gingen aus ihrer Ehe hervor. Wenn ich in den fünfziger Jahren im Radio die Stimme des ersten Mannes im Staate hörte, war ich meiner Oma immer sehr dankbar, dass sie sich mit meinem Opa Karl ohne Zweifel den Richtigen auserkoren hatte.

Nicht auszudenken, dass es mich nicht gegeben hätte und meine Großmutter die First Lady der Bundesrepublik geworden wäre!