Ratgeber: Kuriose Listen - mit Albert Einstein und Marilyn Monroe - DER SPIEGEL
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Frühe Ratgeber: "Stoppe keinen Bus mit dem Fuß!"

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Historische Ratgeber "Stoppe keinen Bus mit dem Fuß!"

Wie spielt man Golf im Bombenhagel? Womit wollte Marilyn Monroe erfolgreich werden? Wie wird man Hochstapler? Lange bevor sich Listicles rasant im Netz verbreiteten, waren Ratschläge in Listenform sehr beliebt. einestages erinnert an die skurrilsten historischen Tipps.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Neun Dinge, die dein Leben mit einem Schlag besser machen" - da klickt man doch sofort. Überschriften wie diese locken Internetnutzer seit einigen Jahren auf Seiten mit oft lustigen, manchmal nützlichen, gelegentlich völlig hirnrissigen Inhalten. Hinter solchen Titeln verbergen sich in der Regel Listicles, also Artikel, die als Listen veröffentlicht werden. Sie versprechen dem Leser: Hier bekommst du alles, was du wissen musst, in kleinen verdaulichen Häppchen. Und danach fühlst du dich besser, hast dein Leben endlich im Griff, musst laut loslachen oder bist einfach sprachlos.

Neu ist das Phänomen allerdings nicht. Schon im 19. Jahrhundert wurde Wissens- oder Merkenswertes in Stichpunkten weitergegeben. Die kuriosesten Listen berühmter Menschen aus den vergangenen Jahrhunderten wurden jetzt in dem Buch "Lists of Note" veröffentlicht. Darunter auch viele Listen mit Verhaltenstipps. Die schönsten haben wir gesammelt - hier eine kleine ... Liste!

Regeln für die junge Dame um 1830

Eins vorneweg: Mit einem einzigen Rat wäre es auch getan - stattdessen veröffentlichte das "Ladies' Pocket Magazine" 1830 eine Liste mit gleich 17 "Ratschlägen für junge Damen". Da heißt es etwa: "Wenn du schöne Hände und Arme hast, spricht nichts dagegen, dass du Harfe spielst - vorausgesetzt du kannst es." Ein sinnvoller Vorschlag, gefolgt von dem Rat: "Bist du aber plump, arbeite lieber an einem Wandteppich." In anderen Dingen sollten sich Damen aber bedeckt halten: Wer schöne Füße hat, solle keine kurzen Kleider tragen, wer schöne Zähne hat, nicht zu oft lächeln, wer gut tanzen kann, solle es trotzdem nicht oft tun. Kurz: Junge Dame, halte dich zurück!

Regeln für anständige Mädchen auf einem Fahrrad (1895)

Doch die Emanzipation schritt voran und Frauen erkämpften sich neue Freiheiten - mit neuen Regeln. Zehn Jahre nachdem das erste Fahrrad mit Kettenantrieb patentiert worden war, schwangen sich in Chicago auch Frauen in den Sattel. Eine Zeitung aus Ohio unterstützte die radelnden Frauen mit klugen Ratschlägen: "Fallen Sie auf der Straße nicht in Ohnmacht", heißt es da. Oder: "Lassen Sie auf staubigen Straßen nicht den Mund auf." Und was nicht fehlen darf: "Ignorieren Sie nicht die Verkehrsregeln, nur weil Sie eine Frau sind."

Regeln für den guten Cowboy

Die Zeit der großen Viehtriebe durch die Prärie Nordamerikas war schon längst vorbei, da wurde Gene Autry dank Fernseh- und Radioauftritten als Singing Cowboy berühmt und bewundert. Nachdem immer mehr junge Männer ihrem singenden Idol nacheiferten, veröffentlichte Autry 1948 den "Cowboy Code" - eine Liste mit Ratschlägen, die auch Menschen ohne Lasso und Colt gut stehen: Sag immer die Wahrheit, sei nett zu Kindern, Alten und Tieren, hilf Menschen in Not, arbeite hart, bleib sauber. Und in den USA besonders wichtig: Der Cowboy ist ein Patriot.

Regeln für die Rockerin

Einen singenden Cowboy würde man heute mit der E-Gitarre verkloppen, ähnlich schwer hatten es wahrscheinlich weibliche Rocker in den Achtzigerjahren. Chrissie Hynde, die seit 1978 mit ihrer Band The Pretenders auf britischen Bühnen stand, veröffentlichte nach 16 Jahren Rock-Erfahrung eine Liste mit dem Titel "Advice to Chick Rockers". Sie beginnt mit einer allgemeingültigen Regel: "Heul nicht darüber, dass du ein Mädel bist." Besser sei es, über seinen Frust einen Hit zu schreiben - und dann ordentlich abzukassieren. Kreischen statt singen komme auch nicht gut, "niemand will den Scheiß hören, das klingt hysterisch." Wichtiger sei: Kein Sex mit Bandmitgliedern und regelmäßig die Beine rasieren. Ach ja, der letzte Ratschlag in der Liste: "Nimm von Leuten wie mir keinen Rat an. Mach dein eigenes Ding."

Regeln für den ersten Besuch in London

Die zwölfjährige Elsie hatte ganz andere Probleme. Sie reiste 1908 nach London, ohne ihre Eltern. Aber in der Tasche hatte sie einen Brief ihres Vaters Rudyard Kipling, der unter anderem "Das Dschungelbuch" geschrieben hatte. Für seine Tochter war der Brief aber wahrscheinlich das wichtigere Schriftstück, denn er enthielt eine Liste mit Verhaltensregeln für das Leben in London. "Wälze dich in den Parks nicht im Gras", rät Kipling seinem Kind, "das macht nur dein Kleid schwarz." Ebenso wichtig für Kleid und Trägerin ist der Hinweis: "Stoppe keinen Bus mit dem Fuß. Das ist kein Kricket-Ball." Sollte Elsie auf die Idee kommen, etwas mitgehen zu lassen, rät der Vater auch davon ab: "Nimm in der Nationalgalerie keine Bilder von den Wänden. Das fällt auf."

Regeln für Golfspieler im Bombenhagel

Ebenso pragmatisch und mit viel Sachverstand wurde gut 30 Jahre später in einem Golfklub südlich von London eine Liste mit Verhaltensregeln verfasst. Sie war an jene leidenschaftlichen Golfer gerichtet, die sich ihre Spiellaune auch von den Bomben des Zweiten Weltkriegs nicht vermiesen lassen wollten. Die Golfer sollten Bombensplitter aufsammeln, damit die Rasenmäher nicht beschädigt werden. Eingeschlagene Bomben mit Zeitzünder wurden mit roten Flaggen markiert - in einem vernünftigen, aber nicht garantiert ausreichenden Sicherheitsabstand. Und sollte ein Spieler durch eine Bombenexplosion von einem Schlag abgelenkt werden, durfte er noch einmal von der selben Stelle aus schlagen.

Regeln für ein g esundes Leben

Trotz solch pedantischer Regeln waren Gesundheitsschäden für die Golfer nicht ausgeschlossen. Wer weniger gefährlich und möglichst gesund leben will, sollte sich daher lieber an die Verhaltenstipps des Baseballspielers Satchel Paige halten. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, hatte er eine Liste mit Ratschlägen gleich auf seine Visitenkarte drucken lassen - alle sehr gesundheitsbewusst. Fettiges Essen sollte gemieden werden, das mache nur gereizt. Wem der Magen Ärger macht, der sollte ihn mit kühlen Gedanken beruhigen. Auch Hektik fand Paige wohl nicht so gut, er empfiehlt, nicht zu viel zu rennen. Als Pitcher ein ziemlich wohlfeiler Tipp: Paige warf im Spiel die Bälle - das Rennen erledigten andere.

Regeln für Mitglieder der Mafia

24 Jahre lang war Salvatore Lo Piccolo, Kopf der sizilianischen Mafia, auf der Flucht. 2007 wurde er verhaftet. In seinem Versteck fand die Polizei eine Liste mit Regeln, den Mafia Dekalog. Die meisten Punkte klingen ganz sympathisch: Ehefrauen müssen respektvoll behandelt werden, sag immer die Wahrheit, eigne dir kein Geld an, das anderen gehört. In der Liste steht aber auch: Es ist eine Pflicht, immer für die Cosa Nostra verfügbar zu sein - auch wenn deine Frau gerade in den Wehen liegt. Und natürlich: Lass dich nie mit Polizisten blicken.

Regeln für zivilisierte Menschen

Anton Tschechow hatte da ähnlich hohe Ansprüche. 1886, er war erst 26 Jahre alt und schon ein bejubelter russischer Autor, schrieb Tschechow einen Brief an seinen zwei Jahre älteren Bruder Nikolai, der als Maler wesentlich weniger erfolgreich war. In diesem Brief notierte Tschechow acht Eigenschaften "zivilisierter Menschen". Sie verhalten sich höflich, haben Mitleid mit Bettlern und Katzen, zahlen ihre Schulden, lügen nicht, fischen nicht nach Komplimenten, spielen sich nicht auf, nutzen ihr Talent. Besonders wichtig: Sie achten auf ihre Gesundheit und trinken deswegen kaum Alkohol. Nikolai ließ sich vom Rat seines Bruders nicht beeindrucken. Er starb wenige Jahre später an Alkoholmissbrauch.

Marilyn Monroes Vorsätze und Maßnahme gegen das Flirten: In unserer Bildergalerie finden Sie weitere historische Listen zum Schmunzeln.

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