Bildnis der Schamanin von Bad Dürrenberg: Effektvoll in Szene gesetzt, mit Rehhörnern auf der Kappe und gruseligem Schmuck
Foto: LDA Sachsen-Anhalt, Karol SchaueReise in die Steinzeit Das Geheimnis der Schamanin von Bad Dürrenberg
Wer sie einmal sah, vergaß sie wohl nie mehr. Sie mag schön gewesen sein mit ihrem schwarzen Haar, der bräunlichen Haut und den hohen Wangenknochen. Doch das war es nicht, was die Menschen so in ihren Bann schlug.
Oft hockte die Frau auf dem Boden, mit gesenktem Kopf und völlig in sich gekehrt. Kamen Besucher zu ihr, lüftete sie zuweilen den Schleier aus aufgefädelten Wildtierzähnen, der wohl vor ihren grün-blauen Augen hing. Meist dauerte es dann nicht mehr lange, und die Pupillen der Frau zuckten unkontrolliert hin und her, immer rauf und runter oder von rechts nach links.
Das unheimliche Phänomen des Augenzitterns ist heute als Nystagmus und mögliche Folge einer Gehirnschädigung bekannt. Es kann sein, dass es bei der Frau, die vor 9000 Jahren im heutigen Sachsen-Anhalt lebte, besonders stark ausgeprägt war. Womöglich fürchteten und verehrten die Menschen das intensive Zucken zugleich; vielleicht dachten sie, sie würden Zeugen einer Art Geisterbeschwörung oder Jenseitsreise.
Ihr Name ist Mensch
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Die Knochen der mysteriösen Steinzeitfrau wurden bereits 1934 entdeckt, zunächst aber völlig falsch interpretiert. Wegen der großen Zahl von Grabbeigaben vermuteten die damaligen Forscher richtig, dass der bestatteten Person eine besondere Ehrerbietung zuteilwurde. Die Naziideologen hielten sie aber wohl allein schon deshalb für einen Mann und machten aus ihr einen Urarier mit enormer Machtfülle.