Rendez-vous mit Präsident Putin - DER SPIEGEL
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Rendez-vous mit Präsident Putin: Der Fehler meines Lebens

Foto: Oliver_Multhaup/ dpa

Rendez-vous mit Präsident Putin Der Fehler meines Lebens

Eine persönliche Einladung von Russlands Präsident Wladimir Putin, wer würde die ablehnen? Gerhard Eggert hatte sich den Termin selbst erkämpft, doch dann ging für ihn doch die Pflicht vor. Noch heute ärgert er sich darüber.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es war im September 2001. Der russische Präsident Wladimir Putin war auf Staatsbesuch in Deutschland. Ich hatte zusammen mit einem Kollegen eine Einladung für den 26. September in die Villa Hügel in Essen, wo Putin eine Grundsatzrede vor Witschaftsvertretern halten sollte. Im Anschluss daran sollte ich bei der Unterzeichnung eines Abkommens mit dem russischen Industrieministerium teilnehmen.

Natürlich war dies ein besonderes Ereignis, auf das ich mich sehr freute. Mein Flug aus Moskau war gebucht, die Fahrt nach Essen war geplant. Doch am Tag vor dem Großereignis bekam ich so starke Schmerzen, dass ich kaum gehen konnte. Ich sah mich bereits absagen, aber am morgen des 26. nahm ich alle Kraft zusammen und flog. Ich konnte kaum eine Aktentasche tragen.

Ein Platz in der ersten Reihe

Unter größten Schmerzen habe ich es aber zur Villa Hügel geschafft und ich erinnere mich noch genau der Qualen und Schmerzen die ich ertragen habe während der großen Schlange vor der Sicherheitskontrolle. Ich wurde dadurch belohnt das wir im Saal einen Platz in der ersten Reihe ergattern konnten.

Es dauerte nicht lange und Präsident Putin erschien und hielt eine viel beachtete Grundsatzrede. Im Anschluß an seine Rede hat der Präsident einige Fragen zugelassen und ich war einer der glücklichen der eine Frage stellen durfte. Meine Frage war sinngemäß die Bitte um ein Gespräch; 5 Minuten, 50 Minuten oder 500 Minuten. Präsident Putin, sehr freundlich, antwortete mir sinngemäß das ich ihn zu seinem anschliessenden Termin begleiten könne.

Der Präsident kommt zu mir

Und tatsächlich: Als der Präsident den Saal verließ stoppte er an meinem Platz und lud mich ein, ihn zum nächsten Termin zu begleiten. Ich Idiot antwortete sinngemäß das ich noch wegen der Vertragsunterzeichnung bleiben müsse und ich außerdem nicht Chef des Unternehmens bin. Der Präsident, immer noch sehr freundlich, stellte ein Gespräch in Moskau in Aussicht.

Es war der Fehler meines Lebens. Natürlich weiß ich heute das man eine Einladung eines Staatspräsidenten nicht ausschlägt. Und natürlich hätte mein verdammtes deutsches Pflichtbewusssein nicht siegen dürfen wegen der Teilnahme an der Vertragsunterzeichnung.

Der Vertrag wurde unterzeichnet, ich habe seither immer noch schlaflose Nächte. Dieser Fehler wird mich mein Leben lang begleiten.