Foto: Wilf Schindler / INTERFOTO
Skandalsöldner Kongo-Müller »Hier wird nur erschossen«
Einer der aufsehenerregendsten Filme des Jahres 1966 in Deutschland war ausgerechnet ein handlungsarmer Schwarz-Weiß-Streifen, der zudem in der DDR produziert worden war. Der Inhalt ist rasch erzählt: Vor einem schwarzen Vorhang saß ein kettenrauchender Mann im Kampfanzug, an der Brust ein Eisernes Kreuz mit eingeprägtem Hakenkreuz, Springerstiefel an den Füßen.
Siegfried »Ko-Mü« Müller war ein zwielichtiger, zugleich äußerst eitler Mann (um 1965)
Der martialisch Gewandete lächelte viel und freundlich, ehe ihm gegen Ende der gut einstündigen Interviewdokumentation die Zunge schwer wurde. Die beiden Autoren des Films hielten reichlich Pernod bereit, der ihn gesprächiger machen sollte. Und der Söldner Siegfried Müller, bekannt auch als »Kongo-Müller« oder kurz »Ko-Mü«, langte gern zu – und redete sich um Kopf und Kragen.
»Der lachende Mann. Bekenntnisse eines Mörders« lautete der schmissige Titel, den die DDR-Journalisten Walter Heynowski und Gerhard Scheumann ihrem Interview-Coup verpassten. Im Regime Walter Ulbrichts galt der Film als Sensation, weil er angeblich die brutalen neokolonialen Bestrebungen der Bundesrepublik enttarnte, wo die Aufführung verboten wurde. In Bonn sah man das kuriose Gespräch als ein Machwerk, das einen propagandistischen Angriff auf die Bundesrepublik darstellte.
Die Profis des Krieges
Das Söldnertum, heißt es, sei das zweitälteste Gewerbe der Welt. Wo wurzelt es historisch? Und erleben wir gerade eine Renaissance der Militärunternehmen?
In dieser Ausgabe erfahren Sie alles über Mietkrieger von der Antike bis heute, von Wallenstein bis zur Wagner-Gruppe.
Doch die Besucher subversiver Filmtage im Westen bekamen eingeschmuggelte Kopien des Werkes zu sehen – und schauderten. Auf der Leinwand erschien die Karikatur eines Landsers, der sich zunehmend in einen Rausch soff und redete.