Sven Väth: Die Karriere des Techno-DJs und Cocoon-Club-Gründers - DER SPIEGEL
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Sven Väth: Der deutsche Techno-Papst

Foto: Arne_Dedert/ picture-alliance / dpa

DJ Sven Väth Klassensprecher, Schlosser, Techno-Papst

DJ-Legende, Clubbetreiber, Techno-Galionsfigur: Sven Väth wird 50. Auf einestages erinnert er sich, wie er im Pub seiner Eltern das DJ-Handwerk erlernte, und spricht über Erfolge, Niederlagen, Drogen und Ayurveda.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sven Väth wird 50. Zusammen mit 10.000 Fans und vielen Freunden feierte der Techno-DJ in der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober seinen Geburtstag. Und zwar nicht in seiner Heimat Frankfurt, in der er vor 30 Jahren in Clubs wie dem legendären Omen zum Superstar des Techno aufstieg, sondern 60 Kilometer südlich, in Mannheim, mit den Organisatoren des Time Warp Festivals und Kollegen wie DJ Koze, Richie Hawtin und Luciano.

einestages: Herr Väth, die magische 50 naht. Haben Sie Angst vor diesem Alter?

Väth: Angst wovor? Du bist so jung wie deine Zuversicht und so alt wie deine Zweifel. Auf mein Alter bin ich stolz, denn ich bin die Summe meines Erlebten und meiner Erfahrungen. Ich gehe die Dinge heute mit viel mehr Ruhe und Gelassenheit an. Dennoch ist die Leidenschaft zur Musik und zum Gestalten ungebrochen. Das einzig Beständige ist der Wandel, alles ist im Fluss.

einestages: Immer noch spielen Sie Gigs von Ibiza bis Yokohama, von Bielefeld bis Hollywood. Steckt man das noch so einfach weg wie früher?

Väth: Was den Jetlag angeht, ist das immer so eine Sache: Generell ist ein Kurzaufenthalt eigentlich besser, rein und raus - und erst gar nicht in die Zeitzone eintauchen. Es ist natürlich anders, wenn man auf dem jeweiligen Kontinent länger auf Tour ist. Jeder hat seine eigenen Methoden, damit umzugehen. Sport, Massagen und Sauna helfen bei mir immer. Seit 10 Jahren habe ich einen Personal Trainer. Wenn ich auf Tour bin, versuche ich in den Hotels meinen Sport zu absolvieren, in Sydney zum Beispiel kann man wunderbar im Botanischen Garten Laufen gehen, und daheim habe ich mir einen Fitnessraum gegönnt, den ich regelmäßig aufsuche. Außerdem mache ich jedes Jahr im Herbst eine Ayurveda-Kur, um den Tour-Strapazen entgegenzuwirken.

einestages: Ein vorbildliches Gesundheitsprogramm. Klingt so gar nicht mehr nach den wilden Drogenexzessen, für die die Techno-Szene in den Neunzigerjahren berüchtigt war.

Väth: Kein Interview, in dem ich nicht danach gefragt werde. Aber das ist schon ok, damit kann ich leben. Für mich gilt heute mehr denn je: Musik ist meine Droge! Sonst würde ich meine Mammut-Sets von zwölf Stunden gar nicht schaffen. Und wenn ich nicht in meiner ayurvedischen Phase bin, die von Oktober bis Januar dauert, trinke ich ganz gern Champagner oder Bier oder auch mal einen Stählemühle-Obstbrand.

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einestages: Sie blicken mittlerweile auf beeindruckende 30 Jahre Karriere zurück. Ihre Eltern betrieben damals das Queen's Pub in Neu-Isenburg. War das mitentscheidend für Ihre Berufswahl?

Väth: Ich denke schon. Mit 17 Jahren habe ich autodidaktisch mein Handwerk mit Vinyl in der Diskothek meiner Eltern erlernt. Meine Neugier und die Liebe zum Tanzen waren entscheidend für mich.

einestages: Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Schulzeit?

Väth: Ich musste mich ziemlich durchsetzen in der Schule, denn ich war ein Spätzünder und wollte einfach nicht wachsen. Lernen fiel mir schwer, und ich hatte immer großes Fernweh. Erdkunde, Kunst, Musik und Sport mochte ich gern, das war's dann aber auch. Dennoch war ich für zwei Jahre Klassensprecher, ich weiß gar nicht mehr warum.

einestages: Das Fernweh trieb sie dann mit 16 Jahren auch zum ersten Mal nach Ibiza, in den Club Amnesia.

Väth: Das war ein einschneidendes Erlebnis. Ich bin per Anhalter nach Ibiza und erst nach drei Monaten nach Hause zurück. Ich war verzaubert von der Magie der Insel, den Menschen dort und von der Musik. Meine Mutter fragte mich nach meiner Rückkehr, ob ich bei ihnen im Laden als Discjockey anfangen möchte. Sie sah, wie begeistert und verzaubert ich war. Sie vertraute mir. Was für ein Glück!

einestages: Ihre Schlosserlehre haben Sie daraufhin abgebrochen.

Väth: Das war rückblickend definitiv die richtige Entscheidung!

einestages: Schließlich stiegen Sie zum Star-DJ auf. Wie kam es zu Ihrem Durchbruch?

Väth: Ich wurde später von großen Clubs wie dem Dorian Gray und dem Vogue in Frankfurt engagiert. Es kam zu eigenen Produktionen und zur Popstar-Karriere mit dem Projekt OFF und dem Hit "Electrica Salsa" 1986. In den Neunzigern bin ich dann durchgestartet mit meiner Vision von "Dance Around the Clock". Es war großartig zu sehen, wie sich auf einmal weltweit eine neue Musikszene entwickelte.

einestages: Dann gingen sie selbst unter die Clubbetreiber.

Väth: Das wurde quasi mein zweites Standbein. Meinen ersten Club eröffnete ich 1988, mit 24 Jahren, in Frankfurt. Das war das Omen. Techno und House Music hatten hier ihren großen Durchbruch. Meine eigene Musikkarriere lief parallel weiter. Ich gründete eigene Labels, hatte selbst auch große Plattenverträge. Der DJ wurde zum Popstar und die Loveparade zum größten Event weltweit. Techno war der Soundtrack der Wiedervereinigung und Deutschland konnte tanzen. Es war eine Aufbruchstimmung in unserer Szene mit der unglaublichen Bereitschaft, die Welt zu erobern. Es hat geklappt!

einestages: Was ist aus heutiger Sicht Ihre größte Errungenschaft?

Väth: Eine gewisse Freiheit. Ich kann mir die Zeit selbst einteilen und überall arbeiten, wo ich möchte.

einestages: ...zum Beispiel an ihrem einstigen Sehnsuchtsort Ibiza?

Väth: Ja, genau. Ende der Neunzigerjahre gründete ich die Cocoon Music-Event GmbH, 1999 startete ich "Cocoon@Amnesia" als Veranstaltungsreihe in Ibiza. Mein Traum wurde wahr, war es doch immer mein heimlicher Wunsch, in Ibiza einmal Fuß zu fassen. 2004 eröffneten wir den Cocoon Club in Frankfurt, den wir über acht Jahre lang betrieben haben.

einestages: Sechs Jahre später, am 24. Juli 2010, kamen dann bei der Loveparade in Duisburg 21 Menschen ums Leben. Wie wurde diese Tragödie in der Szene wahrgenommen?

Väth: Das Drama von Duisburg war ein Schock für uns alle. Ich möchte nochmals all den Angehörigen der Verstorbenen mein absolutes Mitgefühl ausdrücken. Die Loveparade stand als Meilenstein in den Neunzigerjahren für unsere Bewegung, für "Love, Peace & Happiness". Meine letzte Loveparade war im Jahr 2000, ich konnte mich mit dem Ganzen seither nicht mehr anfreunden. Die Veranstaltung ging komplett in die falsche Richtung, von der Organisation und Durchführung her. Es war wirklich traurig zu sehen, wie das alles auseinanderfiel.

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