Tag der schwarzen Katze: Black is beautiful
Tag der schwarzen Katze Vermisst! Wo steckt der Oberste Mäusejäger?
Wenn eine Katze entlaufen ist, regt das meist nur die Besitzer auf. Als aber Gladstone Mitte September verschwand, meldeten britische Zeitungen von der "Daily Mail" bis zum "Guardian", dass Regierungsbeamte den kohlschwarzen Kater verzweifelt suchen.
Warum dieser Wirbel? Dieser Kater ist kein gewöhnliches Haustier. Am Samstag feiern die Briten den Tag der schwarzen Katze, und Gladstone ist ein Prachtexemplar. Er residiert nämlich im herrschaftlichen Gebäude des britischen Finanz- und Wirtschaftsministeriums Her Majesty's Treasury, sein Boss ist der derzeitige Schatzkanzler Philip Hammond. Gladstones Aufgabe ist zugleich seine Leidenschaft: Mäuse fangen und töten.
Zuvor streunte der Kater - ohne Halsband und Mikrochip - durch Londons Straßen, bis Helfer eines Tierheims ihn auflasen. Sie gaben ihm den Namen Timmy. 2016 fand er ein neues Zuhause in der Behörde in Westminster und trat am 28. Juni sein Amt an, Titel: Oberster Mäusejäger des Schatzamts Ihrer Majestät. Nun war er kein einfacher Stromer mehr und hieß statt Timmy fortan Gladstone, benannt nach dem viermaligen Premierminister William Ewart Gladstone.
Tag der schwarzen Katze: Black is beautiful
Nach einem Monat - verspätet wegen des Brexit-Referendums - kam die offizielle Pressemitteilung, dass der Treasury-Stab um ein Mitglied mit vier Pfoten und komplett schwarzem Fell erweitert worden sei. Und dass der Ex-Vagabund schon zwei Tage nach seinem Einzug den ersten Fang gemacht habe. Mittlerweile erbeutete er, wie Insider verrieten, mehr als 20 Nager, erwischte dazu zwei Fliegen - ein "kaltblütiger Killer", schrieb das Boulevardblatt "Sun".
Verschmuster Serienmörder
Abgesehen von seinem Jagdinstinkt beschreiben Treasury-Mitarbeiter Gladstone als verschmust. Sie versorgen die Kurzhaarkatze mit Futter und Streicheleinheiten. Wenn ihr Liebling nicht gerade über Schreibtische stolziert oder Ungeziefer verfolgt, legt er in seiner Hängematte eine Arbeitspause ein. Was der tierische Staatsdiener mit Siebentagewoche den Steuerzahler kostet: nichts. Die Behördenmitarbeiter finanzieren Gladstones Posten aus eigener Tasche.
Einen eigenen Instagram-Account erhielt der Chief Mouser auch gleich und hat inzwischen rund 18.000 Follower. Aus aller Welt schicken Fans Spielzeug und andere Geschenke. Aus Australien kam per Post ein selbst gehäkeltes Halloween-Halsband in Knallorange, aus Brasilien ein weihnachtlicher Koffer Christbaumkugeln. Und anonyme Anhänger buken Muffins für den eifrigen Mäusejäger.
Auf Facebook ist Gladstone seit August 2016 aktiv, postet unter der Berufsbezeichnung "Politiker" und präsentierte auch das Foto eines seiner Opfer, augenscheinlich eine Ratte. Gladstone teilte mit, es handele sich um ein Geschenk für den energischen Brexit-Wahlkämpfer Nigel Farage.
Auf YouTube kursieren etliche Filmchen mit dem Social-Media-Star, der im November seinen vierten Geburtstag feiert. Das Ministerium veröffentlichte ein "Catcam"-Video: Gladstone streift mit Kamera durch die Korridore. Abergläubische befürchten kein Unheil, selbst wenn er von links nach rechts ihren Weg kreuzt - in Großbritannien gelten schwarze Katzen als Glücksbringer.
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Seit 2017 führt das britische Medienunternehmen "Time Out" Gladstone ganz oben auf der "Pet Power List" der einflussreichsten Tiere im Dienste britischer Ministerien. Denn Gladstone ist nicht die einzige Amtsmieze. Zu seinen Kollegen gehören Larry, Chief Mouser in der 10 Downing Street mit Premierministerin Theresa May als Chefin, sowie Palmerston im Dienste des Außenministeriums.
"Das ziehe ich dir von deinem Lohn ab"
"Time Out" ehrte Gladstone nicht nur wegen seiner erfolgreichen Mäusejagd, sondern auch wegen seines Styles. Gladstone zeigt sich bei wichtigen Fototerminen mit Fliege - häufig rot, weiß gepunktet. Es wird gemunkelt, die Farbe der Krawattenschleife sei ein Indiz für seine politische Gesinnung.
Dann war des Schatzkanzlers Kater plötzlich verschwunden. Auf Twitter (31.000 Follower) wurde sogleich unter #FindGladders und #FindGladstone zum Such-Tweetstorm aufgerufen. Am 17. September 2018 konnten Gladstones Anhänger jedoch aufatmen: Er hatte sich wohl nur mal die Samtpfoten vertreten. Und gab ohne ein Wort der Entschuldigung bekannt, er sei von seinem ungenehmigten Wochenendausflug zurück. Sein Kollege Larry zischelte: "Das ziehe ich dir von deinem Lohn ab." Gladstone entgegnete überzeugend, dazu sei er nicht befugt.
Wo er sich herumgetrieben hatte, das verriet Gladstone nicht. Er schnurrte nur geheimnisvoll.
Zu ihrem britischen Ehrentag am 27. Oktober zeigt einestages Supermiezen mit komplett schwarzen Fell, die in Deutschland wie in vielen Kulturen auch als Unheilsbringer gemieden werden - gruselige und grausame, süße und sprechende .