Tibet-Mahnwache - DER SPIEGEL
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Tibet-Mahnwache: Ein Chinese mit der Kamera

Foto: Duc-Hien Huynh

Tibet-Mahnwache Ein Chinese mit der Kamera

Duc-Hien Huynh ist Chinese. Wenn er auf einer Free-Tibet-Demonstration Fotos macht - kann das harmlos sein? In Köln war man misstrauisch.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der 27. März 2008 war ein kühler, verregneter Tag. Am frühen Abend hatte sich auf dem Wallraffplatz am Kölner Dom dennoch eine Schar von Tibet-Sympathisanten versammelt. Ich begleitete eine Freundin zu dieser Mahnwache und wollte als neutraler Beobachter fotografieren.

Eine ältere Dame verkündete ihre Forderungen nach einem freien Tibet durch das Megaphon und wandte sich dann an mich - ich kam ihr wohl verdächtig vor: "Und, wo kommst Du her?" Ich antwortete höflich: "Ich bin ethnischer Chinese."

Diese Antwort verwirrte sie offenbar, ihr war nicht ganz klar, wie sie mich einzuordnen hatte: "Also, wie jetzt...? Ach so, in Deutschland aufgewachsen also!" Und nach einer kleinen Pause wollte sie wissen: "Und wo aus China?"

"Aus Südchina", entgegnete ich.

"Südchina. Aha. Und wo genau? Sag' mal die Provinz!"

"Guangdong Provinz", präzisierte ich.

Sie guckte mich an und versuchte, ihre "Guangdong-noch-nie-gehört"-Miene zu überspielen. Um ihr auf die Sprünge zu helfen, ergänzte ich: "Das ist die Provinz, in der auch Hongkong ist."

Sie knurrte etwas Unverständliches, was nach "Erzähl' mir was Neues " klang und wandte sich ab. Halb zu sich und halb zu mir gewandt sagte sie dann laut: "Ja, ja... Es wird ja jetzt viel fotografiert..."

Was auch immer sie damit sagen wollte. Meinte sie vielleicht, dass ich ein böser chinesischer Spion bin?

Wer eine Tibet-Mahnwache organisiert, sollte meiner Meinung nach zum einen über höfliche Umgangsformen verfügen und fremde Menschen nicht duzen. Zum anderen sollte er Grundkenntnisse über China und seinen Provinzen haben.

Ich hoffe, sie weiß, wo Tibet liegt. Es ist rechts von Köln.