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TV-Serie: Bloß nicht in Vaters Fußstapfen

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TV-Serie Bloß nicht in Vaters Fußstapfen

Fernsehen verstärkt Sehnsüchte: Lange Zeit wünschte sich der Vater von Marius Fossmann seinen Sohn als Kollegen an seiner Seite. Sein Vorbild dabei war die US-Serie "Diagnose: Mord". Der Sohn wollte genau das nicht. Kollegen wurden sie trotzdem.
Von Marius Fossmann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Treten Kinder in die Fußstapfen ihrer Eltern, sind sie möglicherweise mit gutem Beispiel vorangegangen, waren ihren Kindern eine Orientierungshilfe im Dschungel der Möglichkeiten oder haben sie sogar inspiriert. Eines ist jedenfalls gewiss: Was man nachahmt, das widerstrebt einem in den meisten Fällen nicht. Zwar halten die bereits gegangenen Wege nicht unbedingt die großen Pionierabenteuer bereit. Dafür sind sie auch weniger gefährlich. Vernunft hin oder her. Tatsache ist, den meisten Kindern widerstrebt die Vorstellung, es den Eltern nachzumachen. Wie der Vater, so der Sohn? Lieber nicht.

Mein Vater wünschte sich lange, dass ich eines Tages in sein Geschäft einsteigen würde, um es später zu übernehmen. Sein Wunsch wurde nicht nur durch die zahlreichen Beispiele unternehmerischer Väter und Söhne in unserem Umfeld genährt, sondern auch durch Dr. Mark Sloan und seinen Sohn Steve Sloan, die beiden Helden unserer US-amerikanischen Lieblingsserie "Diagnose: Mord", ein Ermittler-Duo der Spitzenklasse.

Dr. Sloan (Dick van Dyke), seines Zeichens medizinischer Berater der örtlichen Polizei, und sein Sohn Steve (Barry van Dyke) arbeiten zusammen, um komplizierte Mordfälle aufzuklären. Das Schöne an der Arbeitsallianz von Vater und Sohn besteht in der Ausgewogenheit des jeweiligen Beitrags zur Lösung des Falls. Während die natürliche Neugierde des Vaters dazu führt, dass er seinen ermittelnden Sohn zu dem Fall eingehend befragt und ihn schlussendlich auf die entscheidende Fährte bringt, ist es der Sohn, der in einem Showdown den Mörder zur Strecke bringt. Ergebnis der gleichberechtigten Vater-Sohn-Kooperation: Erfolg auf ganzer Linie.

"Was Besseres kann es eigentlich gar nicht geben"

Erfolg auf ganzer Linie versprach sich mein Vater auch von meinem Eintritt in das väterliche Geschäft. Bei jeder Folge "Diagnose: Mord", die ich gemeinsam mit meinem Vater ansah, sagte er: "Eines Tages wirst du das Geschäft übernehmen, und dann können wir auch zusammenarbeiten." Wir würden zwar keine Mordfälle lösen, aber wir würden ein Geschäft führen, und wir würden uns mindestens so gut verstehen wie Dr. Mark Sloan und sein Sohn Steve, schien er sagen zu wollen, beeindruckt von der guten Zusammenarbeit des familiären Seriengespanns, das übrigens auch im wahren Leben Vater und Sohn war und damit den Rollen noch mehr Glaubwürdigkeit verlieh.

Damals wehrte ich mich nicht einmal gegen die Bestimmtheit der Zukunftsvorstellungen meines Vaters. "Klar", sagte ich, wenn das Thema aufkam. Ich konnte noch nicht wissen, dass sich eines Tages meine Meinung komplett ändern würde. Über Dinge wie Versagensangst oder Insolvenzgefahr machte ich mir damals erst recht keine Gedanken. Ich wusste schlicht noch nicht, was ich wollte.

Jahr um Jahr sahen wir den Sloans dabei zu, wie sie Mordfall um Mordfall aufklärten und nicht nur Vater und Sohn waren, sondern auch Freunde und gute Kollegen. Mein Vater sagte immer: "Siehst Du, wie gut das klappt? Was Besseres kann es eigentlich gar nicht geben." Die Serie schien den Wunsch meines Vaters, mit mir gemeinsam im elterlichen Betrieb zu arbeiten, noch zu verstärken. Ich dagegen wurde älter, und meine Haltung änderte sich.

Selbstverwirklichung statt Sicherheit

Trotz der Zuversicht meines Vaters, was unsere Eignung zur Zusammenarbeit anging, fing ich an, eines zu begreifen: Mein Vater würde das Geschäft in seiner Hand behalten. Er würde möglicherweise bis ans Ende seines Lebens im Laden sitzen und auf sein Mitbestimmungsrecht pochen. Zeit seines Lebens würde er der Chef seines Unternehmens bleiben. Aber ich wollte mein eigener Chef sein. Ich konnte meinem Vater seinen Wunsch nicht erfüllen.

Als ich meine Ausbildung begann und auszog, fing mein Vater an zu begreifen, dass ich meine eigenen Ideen und Wünsche verfolgen würde. Unsere Gespräche wurden angespannter. Langsam wuchs eine Mauer zwischen uns. Seine Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben, auch wenn er sie für sich behielt und nie aussprach. Es fiel ihm schwer einzusehen, dass ich der Selbstverwirklichung dem Bewährten und Sicheren den Vorzug gab, zu begreifen, warum ich etwas Gutes, das so leicht zu haben war, ausschlug. Eine Chance, eine Möglichkeit, eine Zukunft.

Obwohl mein Vater und ich zwei ganz verschiedene Berufe ergriffen haben, arbeiten wir heute - wer hätte das gedacht? - nun doch zusammen, zwar nicht so wie Dr. Sloan und Steve - aber fast. Mein Vater führt weiterhin das Geschäft, und ich mache das Marketing für ihn. Jeder tut, was er am besten kann. Das funktioniert prima und führt zu guten Ergebnissen. Wären wir damals nicht den schmerzlichen Weg der Trennung gegangen, wäre heute unser Verhältnis bestimmt nicht so gut wie es ist.

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