Urlaub auf Kuba - DER SPIEGEL
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Urlaub auf Kuba: Vorladung bei der KP

Foto: Ernst Pelzing

Urlaub auf Kuba Vorladung bei der KP

Bakschisch für Fidels Genossen? In ihrem Kuba-Urlaub 1986 wollten Ernst Pelzing und seine Frau die Insel gern auf eigene Faust erkunden. Der privat organisierte Ausflug mit einem kubanischen Fahrer hatte allerdings ein Nachspiel.
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Meine Frau und ich verbrachten 1986 einen zweiwöchigen Urlaub in Fidel Castros kubanischem Inselreich. Nach unseren ersten ausgiebigen Streifzügen durch Havanna auf den Spuren Ernest Hemingways wollten wir etwas weiter ins Landesinnere vorstoßen. Wir hatten in unserem Hotel zwei nette Mexikanerinnen kennengelernt, die sich unserem Vorhaben anschlossen, im hoteleigenen Tourismusbüro einen Ausflug zu buchen.

Von offizieller kubanischer Seite wurde Varadero, ein touristisches Strand- und Badeparadies etwa 120 Kilometer östlich von Havanna, wärmstens empfohlen. Der Zuspruch war groß, ein echter Devisenbringer. Wir aber wollten uns dem staatlich gelenkten Touristenstrom nicht anschließen und stattdessen die Stadt Trinidad an der Südküste der Insel besichtigen. Wir wussten zwar, dass Individualtourismus nicht im Sinne der kommunistischen Machthaber war, doch wir gingen das Risiko ein.

Zufällig lernten wir einen jungen kubanischen Mann kennen, der bereit war, uns mit seinem Fiat Uno für einen Tagesausflug nach Trinidad zu bringen. Wir vereinbarten einen Preis von 110 US-Dollar. Zu fünft in dem winzigen Wagen ging es nach Trinidad. Die Stadt war sehenswert. Dank der gelungenen Restaurationsarbeiten fühlten wir uns in die spanische Kolonialzeit zurückversetzt. Der Ausflug hatte sich gelohnt, auch wenn wir es nicht mehr schafften - wie geplant - das Tal der Zuckermühlen zu besichtigen. Dafür kamen wir auf der etwa vierstündigen Fahrt zurück nach Havanna an der Schweinebucht vorbei, wo 1961 eine von den USA unterstützte Invasion von Exil-Kubanern scheiterte, die das Castro-Regime zu Fall bringen sollte.

Nachforderung

Am Morgen nach unserem geglückten Ausflug und nachdem wir längst unseren Fahrer bezahlt hatten, bekamen wir Besuch von einem Mann, der sich als Vertreter der kommunistischen Partei auswies. Er sagte, er sei darüber informiert worden, dass wir mit einem Genossen einen Tagesausflug nach Trinidad unternommen hätten. Der Herr erklärte uns, dass wir für unseren privaten und nicht über eine staatliche Stelle geplanten Ausflug einen hohen Betrag nachzuzahlen hätten.

Wir weigerten uns. Schließlich waren wir unseren finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem Fahrer nachgekommen. Stattdessen erklärten wir dem Herren, dass unserer Ansicht nach keine weiteren Verpflichtungen bestanden und drohten ihm damit, die Presse in unserem Heimatland über diesen Vorfall zu informieren, in der Hoffnung, dass der Spuk ein Ende haben würde. Den Genossen schien das wenig zu beeindrucken. E wollte, dass wir ihn zu seiner Dienststelle begleiteten. Wir waren gespannt, was uns dort erwartete. Der Urlaub hinterm Eisernen Vorhang wuchs sich zu einem veritablen Abenteuer aus.

Kurze Zeit später wurden wir abgeholt und zur Dienststelle gefahren. Erwartungsvoll betraten wir ein Büro. Der anwesende Herr kam gleich zur Sache. Er war umfänglich über den Vorgang informiert. Nach unseren wiederholten Erklärungen und unserer erneuten Drohung, die Presse zu informieren, erklärte er, dass es sich bei der Nachforderung offensichtlich um einen bedauerlichen Irrtum gehandelt habe.

Die Sache war von seiner Seite aus überraschend schnell erledigt. Der Genosse widersprach uns nicht. Wir konnten gehen, und er wünschte uns sogar einen guten Heimflug. Mit einer so kurzen Abfertigung hatten wir nicht gerechnet. Die zusätzlichen Devisen, die man uns abpressen wollte, waren es dem Herren wohl nicht wert gewesen, negative Presse im Ausland zu riskieren. Die wäre in letzter Konsequenz touristisch gesehen möglicherweise teuer ausgefallen. Also hatte man kapitalistischen Durchblick bewiesen.

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