Urlaub in Bulgarien - DER SPIEGEL
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Urlaub in Bulgarien: Bedienung nur für Wessis

Foto: Karl Wilhelm Meier

Urlaub in Bulgarien Bedienung nur für Wessis

Urlaub, Sonne, Strand - aber mit dem Handtuchnachbarn klappt es irgendwie nicht. Karl Wilhelm Meier machte in den achtziger Jahren Ferien in Bulgarien und fragte sich, wieso es eigentlich keinen Kontakt gab zwischen den Deutschen aus Ost und West.
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Wir machten Urlaub in Bulgarien. Uns fiel gleich auf, dass die Hotels nach Nationalitäten aufgeteilt waren: Es gab welche für Russen, für Polen, Skandinavier, Engländer - und für Ost- und Westdeutsche. Zwischen den beiden deutschen Staaten sollte es offenbar keine Berührungen geben. In unserem Hotel gab es die wildesten Gerüchte: Neben dem Regierungsgebäude sei noch ein zweiter Strand und zu dem würden die DDR-Bürger Tag für Tag heruntergeführt. Bestimmt in Ketten, dachten wir sarkastisch. Natürlich haben wir nachgesehen: Den Strand gab es wirklich, aber er war leer.

Nein, unsere Brüder und Schwestern aus der DDR lagen direkt neben uns am Strand, das hörten wir am Dialekt. Kontakt gab es aber keinen. Wir überlegten, ob das daran lag, dass sich Aufpasser gut getarnt unter die Badegäste gemischt hatten. Gegen die Anwesenheit von solchen Genossen sprach allerdings, dass sich die "Zonis" offen dem Studium der einschlägigen Presse des Klassenfeindes hingaben. Sie erfreuten sich an bunten Bildern und an Berichten über Ereignisse, die besser nicht stattgefunden hätten.

Wessis bevorzugt

In den Lokalen war es auch nicht viel anders. Auf der einen Seite saßen vereinzelt die Klassenfeinde aus dem nicht sozialistischen Wirtschaftsraum, auf der anderen die Kollektive aus dem Ostblock. Die Kommunikation zwischen beiden Gruppen fiel aus. Höchstens einmal tauschte man Artigkeiten über die lieben Kinder aus, die sich gemeinsam bei den dubiosen Lokalbesuchen ihrer Erzeuger langweilten.

Die "Ossis" hatten gegen die Kapitalisten aus dem Westen keine Chance. Um falsche Hoffnungen auszuschließen gab es Lokale, deren Tische schon mittags beim Öffnen insgesamt reserviert waren. Kamen Leute aus der DDR und fragten nach einem Tisch am Abend, wurden sie mit einem höflichen "Wir sind ausgebucht" wieder weggeschickt. Den Kapitalisten mit ihren Devisen allerdings stand auf Nachfrage das gesamte Lokal zur Verfügung. "Das kennen wir schon von zu Hause", hörte ich einen älteren Herrn aus Leipzig schimpfen, als er ein solches Lokal verließ, "das kennen wir schon."

Damals bekam man noch Gutscheine, für die man in allen Lokalen essen konnte. Entsprechend voll waren die Lokale. Ich erinnere mich, dass einmal nur noch ein einziger Tisch frei war. Dort stand ein Schild: "Reserviert für das Reisebüro der DDR". Wir wollten schon wieder gehen, als uns der Wirt ansprach. Natürlich hätte er noch einen Tisch für uns. Sprach's und wies uns den Tisch der DDR-Gäste zu. Die kamen ein paar Minuten später, ihnen wurde bedeutet, dass sie aufgrund ihrer Unpünktlichkeit ihre Reservierung verloren hätten: 8 Uhr hätte man vereinbart, nicht 5 nach 8. Sie fügten sich in ihr Schicksal und zogen ab. Anderen Gästen aus dem Osten wurde untersagt, die freien Stühle neben uns einzunehmen. Erst eine Studentengruppe ließ sich mit lautstarken Beschimpfungen des Personals nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Zumindest habe ich so etwas wie 'Banditen' verstanden. Ich habe Beifall geklatscht.