Weihnachtsmann-WM: Wettstreit in Eis und Schnee
Weihnachtsmann-WM Es kann nur einen geben
Dieser Tag sollte für Xiaojie Qui, 21, unvergesslich werden. Am frostigen 21. November 2015 trug der dünne Mann aus Hongkong einen rot-weißen Weihnachtsmannsanzug, einen angeklebten Bart und Mütze. Im schwedischen Lappland, rund 70 Kilometer nördlich vom Polarkreis, maß er sich mit anderen Weihnachtsmännern aus der ganzen Welt: mit Santa Jim aus China, Santa Yamashita aus Japan, Santa Christine aus Deutschland.
Santa Apple, wie Xiaojie Qui sich im Wettbewerb um den besten Weihnachtsmann nannte, musste allerhand leisten - um die Wette Haferbrei löffeln, Rentiere mit dem Lasso einfangen. Er warf Pakete, trat im Sackhüpfen und im "Dance-Contest" an. Zu guter Letzt bewies er sich in der Disziplin Schornsteinklettern.
Dann wurde er in Gällivare zum Weihnachtsmann des Jahres 2015 gekürt. Sein ehrgeiziges Training hatte sich ausgezahlt: Um am Originalgefährt trainieren zu können, hatte er aus Schweden einen Schlitten importiert und dann im Trainingslager für Weihnachtsmänner neun Konkurrenten ausgestochen. So heimste Xiaojie Qui den Sieg ein. Und nutzte die Gelegenheit, um seine Freundin in Hongkong vor laufenden Kameras zu fragen, ob sie ihn heiraten wolle.
Weihnachtsmann-WM: Wettstreit in Eis und Schnee
Als Weihnachtsmannweltmeister hat Xiaojie Qui nur wenige Vorgänger - erst seit 2003 wird der Wettbewerb in Gällivare ausgetragen. Am Anfang waren sogar ausschließlich Schweden am Start. Mittlerweile reisen auch Kandidaten aus China oder Deutschland an. Mit anfangs überraschenden Begegnungen: Die asiatischen Teilnehmer hatten oft noch nie ein echtes, lebendiges Rentier gesehen. Auch die Nordlichter am eiskalten Himmel verblüfften sie.
Zieh den Esel
In Gällivare nimmt man die Weihnachtsmann-WM ernst. Ein eigener Verein wacht über gute Manieren: Ein schwedischer Santa dürfe im ersten Jahr nur "auf Probe" durch die Gegend laufen, erklärte Sivert Svensson, alter Schwede, 2014 in einem Interview. Viele Jahre war der 78-Jährige der oberste Weihnachtsmann von Gällivare. Allein die wachsame Beobachtung durch erfahrene Kollegen gewährleiste, dass man die erforderliche charmant-liebevolle Haltung zu Kindern einnehme und die nötige Fitness mitbringe.
Mit ihrem Wettbewerb sind die Nordschweden allerdings nicht allein. Auch in der Schweiz wird der beste Nikolaus ermittelt - beim "Clau Wau" in Samnaun im Kanton Graubünden. Die verkleideten Teilnehmer sollen Rentiere fangen, mit Geschenken beladene Esel als erster über die Ziellinie zerren und Präsente per Trampolinsprung durchs Basketballnetz befördern. In einer Übung rasen die Santas auf Schneemobilen über den Berg. Schornsteinklettern gehört ebenso dazu wie Balanceakte oder "Santas Funrace", bei dem Geschenke vorbereitet und abgeliefert werden müssen.
Die Schweizer Nikolaus-Weltmeisterschaft gibt es seit 2001. Sie geht auf einen alten Brauch zurück: Am Vorabend des Nikolaustages am 6. Dezember gehen die Kinder verkleidet mit Kuhglocken von Tür zu Tür, sagen Gedichte auf und singen Lieder. So kam die Idee auf, den besten Nikolaus zu küren.
Bei der schwedischen WM messen sich nur fünf Santas, beinahe ein intimes Klassentreffen der internationalen Weihnachts-Elite. Dagegen ist der Schweizer Wettbewerb eine Art Spektakel: 32 Teams von Nikoläusen kämpfen hier um den Sieg.
Noch völlig unklar: Was würde passieren, wenn sich schwedische Weihnachtsmänner mit Schweizer Nikoläusen messen?