Augen-Gesundheit "Es wird viel bagatellisiert"
Ein Laserstrahl trifft auf das Auge: (Illustration): Lasik-OP ist umstritten
Foto: OBSSPIEGEL ONLINE: Warum sollte man einen Sehtest für eine neue Brille beim Augenarzt machen?
Ohrloff: Man sollte zum Augenarzt gehen, weil man, wenn das Sehvermögen abnimmt, feststellen lassen sollte, ob es eine Erkrankung an den Augen gibt.
SPIEGEL ONLINE: Ist die Tageszeit für den Sehtest gleichgültig?
Ohrloff: Natürlich kann jemand, der den ganzen Tag vor dem Bildschirm gesessen hat, angestrengtere Augen, haben - aber der Sehtest wird, egal zu welcher Tageszeit, funktionieren.
SPIEGEL ONLINE: Sind Kontaktlinsen für alle Menschen geeignet?
Ohrloff: Wenn Patienten ansonsten gesund sind, kein Problem. Schwierig wird es, wenn Patienten Augenentzündungen haben oder sehr trockene Augen, wie es oft bei Diabetikern vorkommt oder bei Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen. Die Kontaktlinsen lagern sich auf dem Flüssigkeitsfilm auf der Hornhaut auf - und wenn der fehlt, kann man keine Kontaktlinsen tragen.
SPIEGEL ONLINE: Können Kontaktlinsen den Augen schaden?
Ohrloff: Wenn sie nicht richtig gepflegt werden. Bei den harten Kontaktlinsen sollte man sich natürlich auch an die Anweisungen der Firmen halten, aber besonders pflegeintensiv sind die weichen! Sie müssen mit der richtigen Lösung gespült und aufbewahrt werden. Ich habe immer wieder schwere Hornhautgeschwüre gesehen - bis hin zu solchen, die die Hornhaut durchbrechen. Im Sommer passiert es regelmäßig, weil sich bei hohen Temperaturen Bakterien auf den Linsen gut vermehren - und manche gehen aggressiv gegen die Hornhaut vor.
SPIEGEL ONLINE: Haben Kontaktlinsen Nebenwirkungen, selbst wenn sie richtig gepflegt werden?
Ohrloff: Wenn jemand über viele Jahre Kontaktlinsen trägt, können Blutgefäße in der Hornhaut wachsen, die bis in die Bindehaut vordringen können. Es kann zu oberflächlichen Hornhautdefekten kommen, in denen sich bakterielle Entzündungen leichter festsetzen. Auch Hornhauttrübungen können entstehen. Deshalb sollte man als Kontaktlinsenträger einmal im Jahr seine Hornhaut kontrollieren lassen - bei Beschwerden natürlich sofort.
SPIEGEL ONLINE: Für viele Menschen klingt es verlockend, die Fehlsichtigkeit mit einer Laserbehandlung zu beheben - wie funktioniert sie?
Ohrloff: Die Lasertechnik gibt es seit den neunziger Jahren. Allerdings hat sich die Operationsmethode der Wahl seitdem geändert. Heute wird die sogenannte Lasik-Methode angewendet, bei der man mit dem Laser den obersten Teil der Hornhaut aufschneidet, wie einen Buchdeckel zur Seite klappt, dann darunter ein Stück Hornhaut entfernt und danach das Deckelchen wieder auflegt.
SPIEGEL ONLINE: Für wen ist diese Operation geeignet?
Ohrloff: Ich mache mir schon Sorgen, wenn ich die Busse sehe, auf denen groß plakatiert ist: "Brille ade" oder "brille-weg.de". Das stimmt schon deshalb nicht, weil viele Menschen schon ab 45 eine Lesebrille brauchen - wegen der Altersweitsichtigkeit. Aber für die jüngeren, kurzsichtigen Patienten ist das natürlich noch in weiter Ferne.
SPIEGEL ONLINE: Kann man Weitsichtigkeit auch per Laser korrigieren?
Ohrloff: Ja, aber es sind nur niedrige Brechkraftkorrekturen möglich, bis höchstens plus vier Dioptrien.
SPIEGEL ONLINE: Kann man nur ein Auge auf Ferne scharf lasern lassen und eines, um in der Nähe gut zu sehen?
Ohrloff: Dieses Verfahren nennt man Monovision und es ist in Amerika sehr beliebt. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass man dann jeweils nur mit einem Auge sieht, also ohne Tiefenschärfe und es ist kein räumliches Sehen möglich. Beim Autofahren beispielsweise ist man eingeschränkt - man muss dann für das zweite Auge eine Brille anziehen. Ältere Patienten sind damit oft zufrieden, aber einem 35- bis 45-Jährigen würde ich das nicht empfehlen. Man schränkt die Gesamtqualität des Sehens ein.
SPIEGEL ONLINE: Wer ist generell geeignet, mit dem Lasik-Verfahren behandelt zu werden, wer nicht?
Ohrloff: Das Auge des Patienten darf nicht extrem trocken sein, das kommt bei Menschen mit bestimmten rheumatischen Erkrankungen vor. Patienten müssen über 18 Jahre alt sein und die Brechkraft sollte sich in den letzten Jahren nicht mehr stark verändert haben. Außerdem darf der Patient nicht zu kurzsichtig sein. Wir sagen zwar immer, er kann bis minus zehn Dioptrie haben. Aber es gibt auch Patienten, bei denen man schon bei minus sieben sagt, dass sie nicht in Frage kommen, weil sie eine sehr dünne Hornhaut haben. Bei ihnen müsste man zu viel abtragen, so dass die Restdicke eventuell nicht ausreicht. Dann kann ein Keratokonus entstehen - die Hornhaut wölbt sich stärker nach vorne, als anatomisch vorgesehen und kann das Licht nicht mehr genügend brechen. Manchmal hilft dann nur noch eine Hornhaut-Transplantation.
SPIEGEL ONLINE: Das heißt, es gibt auch erhebliche Risiken?
Ohrloff: Wichtig ist erst einmal - der Eingriff ist nicht ohne Risiko, da wird viel bagatellisiert. Aber wenn bei der Voruntersuchung eine genügend dicke Hornhaut festgestellt wird, kann es nicht zu einem Keratokonus kommen. Im Allgemeinen ist die Operation komplikationsarm. In den ersten Monaten ist das Auge trocken, weil die Nerven mit durchtrennt werden. Die trockene Oberfläche kann zu Schäden der Hornhaut führen, um das zu vermeiden muss man künstliche Tränen verwenden. Eine Hornhauttrübung gibt es bei 0,5 Prozent der Patienten. Selten können auch mal Entzündungen auftreten. Das Gewebe am Auge ist ja nicht keimfrei, sondern nur keimarm.
SPIEGEL ONLINE: Sollte man nur ein Auge auf einmal operieren, um das Risiko zu verringern?
Wie funktioniert die Lasik?Welche Nebenwirkungen hat die OP?Für wen eignet sich das Augenlasern?
Ohrloff: Wenn jemand unsicher ist, sollte man erwägen, zunächst nur ein Auge zu operieren, und einige Tage abzuwarten bis zum nächsten. Viele empfinden dann aber den Brechkraftunterschied als sehr störend. Man kann durchaus auch zwei Augen auf einmal mit der Lasik-Methode operieren. Hier erfahren Sie mehr zum Thema Augenlasern und den Möglichkeiten der Lasik-OP.