Keime im Büro Die Kaffeetasse darf gern dreckig sein
Dreckige Küche
Foto: imagoManche Schreibtische sind kein schöner Anblick. Zwischen Stiften, Zetteln und Taschentüchern steht die dreckige Kaffeetasse, drei Tage nicht abgewaschen, mindestens. Eine schwarze Kruste hat sich am Tassenboden in die Keramik gefressen, Kaffeetropfen sind am Tassenbauch erstarrt. Die gemeine Bürotasse fristet häufig ein schauriges Dasein.
Die gute Nachricht: Das ist überhaupt nicht schlimm - meint jedenfalls Jeffrey Starke. Er ist Experte für Infektionskrankheiten und Kinderheilkunde am Baylor College of Medicine in Houston. Es sei überhaupt nicht unhygienisch, seine Tasse nicht dauernd abzuwaschen, sagte Starke dem "Wall Street Journal" .
"Wenn ich Proben von ungewaschenen Kaffeetassen nehme und sie kultiviere, werde ich natürlich Bakterien finden, aber diese stammen meist von der Person, die aus der Tasse getrunken hat", so Starke. Selbst wenn man krank war und weiterhin aus derselben ungewaschenen Tasse trinke, sei das kein großes Problem. Denn die Keime stammten von einem selbst und es sei unwahrscheinlich, dass man sich noch mal mit demselben Keim infiziere. Und Viren überlebten meist nicht lange außerhalb des Körpers, erklärt Starke.
Der Schwamm ist der Übeltäter
Probleme machen jedoch Kollegen, Zucker oder Milch. Trinkt ein Kollege aus derselben Tasse, stellen dessen Keime eine Gefahr dar. In diesem Fall: Tasse auswaschen. Und wer übers Wochenende Milch- und Zuckerreste in der Kaffeetasse kleben lässt, kann sich am Montag wahrscheinlich über ein pelziges Pilzgeflecht freuen. Auch in diesem Fall gilt die Devise: Auswaschen!
Dann aber bloß nicht den Gemeinschaftsschwamm aus der Firmenküche benutzen, denn der ist die eigentliche Dreckschleuder im Betrieb. "Der Schwamm in der Firmenküche hat wahrscheinlich die höchste Bakterienrate von allen Gegenständen in einem Büro", erklärt Starke.
Auch Regine Gralla-Züge vom TÜV Rheinland für Arbeitsmedizinische Dienste weiß um die Infektionsgefahr am Arbeitsplatz. "Besonders gefährlich sind Tastaturen, Telefonhörer und Türgriffe aus Kunststoff." Sie empfiehlt deshalb, die Hände mehrmals am Tag zu waschen sowie Hörer, Tastaturen und Griffe ab und zu mit einem Hygienetuch zu reinigen.
Gralla-Züge will auch denen ins Gewissen reden, die sich erkältet zur Arbeit schleppen: "Wer richtig krank ist, sollte zu Hause bleiben, sonst steckt man die Kollegen an." Und wenn sich ein Nieser nicht vermeiden lässt, sollte man in die Armbeuge niesen und keinesfalls in die Hand.
Für die, die sich wider besseres Wissen nicht an dreckige Kaffeetassen gewöhnen wollen, hat Starke noch einen Tipp: Den Schwamm oder Lappen vorher in die Mikrowelle stecken. Das tötet die meisten Keime.
Für alle anderen heißt es: Faul sein mit ruhigem Gewissen. Und falls man doch mal angeekelte Blicke erntet, einfach wissend zurückschauen und kurz nicken.