Schmerzen durch Gallensteine Kristalle im Bauch
In Kunstharz gegossene Gallensteine: Die Kristalle bestehen hauptsächlich aus Cholesterin
Foto: Stephanie Pilick/ picture-alliance/ dpa"Die Galle läuft ihm über" oder "Die Galle kommt ihr hoch": Die Gallenblase wird hauptsächlich mit negativen Emotionen in Verbindung gebracht. Dabei hat die Galle eine wichtige Funktion: Das Sekret sorgt für eine reibungslose Verdauung von Fetten.
"Über ein halber Liter Gallensaft entsteht pro Tag", sagt Frank Lammert, Direktor der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg. Die Gallenflüssigkeit besteht größtenteils aus Wasser, aber auch aus Cholesterin, Kalk und Pigmenten. Geraten die Stoffe ins Ungleichgewicht, bilden sich Gallensteine, die hauptsächlich aus Cholesterin bestehen. Man schätzt, dass etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung Gallensteine haben.
Die meisten Betroffenen haben keine Beschwerden
Die Steine müssen keine Probleme verursachen. "Rund 75 Prozent der Betroffenen merken gar nichts", sagt der Mediziner. In solchen Fällen ist von "stummen Steinen" die Rede. Gefährlich werden sie, wenn sie in den Gallengang gespült werden und dort hängenbleiben.
Dann staut sich das Gallensekret und kann nicht mehr in den Darm fließen. "Im Gallengang festsitzende Steine können Entzündungen der Gallenblase sowie der Bauchspeicheldrüse verursachen", sagt Lammert. Bei Nichtbehandlung drohen schwere Schäden der Leber, Blutvergiftung oder Gelbsucht.
Übergewicht und mangelnde Bewegung begünstigen die Entstehung von Gallensteinen. "Rund 25 Prozent aller Gallensteinträger sind erblich vorbelastet", sagt Lammert. Wer erst rapide abnimmt und dann wieder zulegt, läuft ebenfalls Gefahr, dass sich Gallensteine bilden. Frauen sind eher betroffen als Männer. Das liegt vor allem daran, dass fünf Prozent aller Schwangeren Gallensteine entwickeln und gut ein Prozent deshalb unter Beschwerden leidet. "Die Antibabypille kann ebenfalls die Entstehung von Gallensteinen begünstigen", sagt Lammert.
Bemerkbar machen sich Gallensteine etwa durch Schmerzen im Oberbauch, Völlegefühl oder Übelkeit. "Die Beschwerden treten oft nach einer großen und fettreichen Mahlzeit auf", sagt Apothekerin Ursula Sellerberg, stellvertretende Sprecherin bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA).
Es kann auch völlig unerwartet zu einer Gallenkolik kommen. "Dabei treten für mindestens 15 Minuten starke Schmerzen im Oberbauch auf, die bis in die Schulter oder in den Rücken ausstrahlen können", sagt Lammert.
Auslöser einer solchen Kolik ist in aller Regel, dass ein Stein von der Gallenblase in den Gallengang rutscht und ihn verstopft. Die in Wellen auftretenden Schmerzen können bis zu fünf Stunden andauern und auch zu Schweißausbrüchen führen. Auch wenn die Kolik von selbst wieder vorübergeht, sollten Betroffene zum Arzt gehen.
Die Gallenblase entfernen
Wenn Gallensteine zu Beschwerden führen, müssen sie oft mitsamt der Gallenblase entfernt werden. Pro Jahr werden in Deutschland rund 175.000 Gallenblasen operativ entfernt, berichtet das Aqua-Institut . Gallensteine können auch mit Stoßwellen zertrümmert werden. Allerdings können sich danach neue Steine bilden. Auch Medikamente helfen mitunter. "Eine solche Therapie ist aber nur bei sehr kleinen Steinen erfolgreich und dauert in der Regel einige Monate bis Jahre", sagt Sellerberg. Außerdem besteht das Risiko, dass sich wieder neue Steine bilden.
Eine wichtige Voraussetzung für die Bildung von Gallensteinen ist eine Übersättigung der Gallenflüssigkeit mit Cholesterin. Sinkt das Verhältnis von Gallensäuren zu Cholesterin auf 13:1 ab, fällt das Cholesterin aus wie Zucker in einem überzuckerten Kaffee. Das Risiko dafür steigt durch:- zunehmendes Alter, Übergewicht und Bewegungsmangel.- eine cholesterinreiche Ernährung ebenso wie durch eine ballaststoffarme Nahrung. Diese verzögert die Passage von Speisen im Darm und erhöht dadurch die Cholesterinaufnahme.- Radikaldiäten und Fasten. Beides führt dazu, dass sich die Gallenblase zu selten entleert und die Gallenflüssigkeit eindickt.- den Einfluss von Schwangerschaft und Geburt auf den Umsatz von Geschlechtshormonen wie Östrogene. Diese Hormone kurbeln die Cholesterin-Produktion an.- genetische Stoffwechselstörungen, die die Produktion einer bestimmten Gallensäure vermindern oder die Abgabe von Cholesterin in die Gallenflüssigkeit steigern.- Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Leberzirrhose, Schilddrüsenunterfunktion und Überfunktion der Nebenschilddrüse.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels stand im Infokasten, Östrogene würden zu Cholesterin abgebaut. Das stimmt nicht, wir haben dies ersatzlos gestrichen.