Heuschnupfen Röchelnde Monster
Kein Monster, aber auch von Allergie geplagt: Pavian im Awajishima-Zentrum in Japan
Foto: Buddhika Weerasinghe/ Getty ImagesEs dämmert schon im Park, als ich das Röcheln höre. Bis zu diesem Moment bin ich gejoggt, jetzt bleibe ich stehen im Schutz einer Hecke - denn das Geräusch kommt näher. Gleich wird es - was auch immer - um die Ecke biegen. Ich warte halb verängstigt, halb neugierig, dann röchelt es direkt vor mir. Ein Mann mit einer schwarzen Maske über dem Mund läuft an mir vorbei, laut saugt er Luft ein und stößt sie wieder aus. Ich halte den Atem an, aber er beachtet mich nicht.
Nein, das ist kein Hannibal Lecter auf der Suche nach einem neuen Opfer, hier hat eine Allergie einen sportlichen Menschen zum Monster gemacht: Nur bei Dunkelheit traut er sich noch aus dem Haus, um den Pollen aus dem Weg zu gehen. Und auch das nur mit dieser finsteren Maske.
Wird es bei mir auch noch so schlimm kommen? Ich habe Heuschnupfen. Als ich 31 war, kam er plötzlich über mich. Triefende Nase, Hustenanfälle, ein Jucken in den Augen, das so stark war, dass ich sie mir am liebsten ausgekratzt hätte. Jedes Jahr hoffe ich, dass die Pollenallergie ausbleiben wird, dass sie so plötzlich verschwindet, wie sie gekommen ist - bisher vergeblich. Trotzdem kann ich jetzt munter durch den Park joggen. Der einzige Grund dafür sind Tabletten, die ich täglich einwerfe. Manchmal beginnt trotzdem ein Auge zu jucken, dann tropfe ich zusätzlich Augentropfen hinein. Mit diesen Medikamenten, beide sind Antihistaminika, spüre ich nichts mehr von der Allergie.
Die Gefahr der täglichen Medikamente?
Andererseits ist es mir unheimlich, dass ich täglich zumindest ein Medikament nehme, dass ich in meinen Dreißigern davon abhängig bin. Und außerdem greift das Arzneimittel ins Immunsystem ein - kann man wirklich alle Folgen absehen? Immerhin gibt es Mediziner, die es für möglich halten, dass Allergien auch eine positive Wirkung haben könnten.
Und außerdem: Besteht nicht die Gefahr, dass ich Antihistaminika zu leichtfertig einsetze, dass sie dadurch in der Wirkung nachlassen und ich irgendwann keinen Wirkstoff mehr habe, der mir hilft, wenn es mir richtig schlecht ginge?
Ich schaue mir die Alternativen an. Allergikern wird geraten, nur zwischen 19 und 24 Uhr zu lüften, wenn sie auf dem Land leben und nur zwischen sechs und acht Uhr, wenn sie in der Stadt wohnen. Ich lebe in der Stadt - das heißt aber auch, dass morgens um 6:30 Uhr eine Kehrmaschine durch meine Straße fegt (laut und Pollen aufwirbelnd) und um sieben Uhr die Müllabfuhr kommt (laut und stinkend) - ich bevorzuge deshalb andere Zeiten zum Lüften.
Ein weiterer Ratschlag: Möglichst wenig Zeit draußen zu verbringen, wenn viele Pollen fliegen. Wie soll ich dann die notwendige Dosis Vitamin D bekommen? Wie soll ich mich dann so viel bewegen, wie es gesund ist? Außerdem versuche ich möglichst viel im Freien zu sein, weil ich das schön finde. Was soll es da bringen, ein anderer Ratschlag, mein Gesicht und meine Haare zu waschen, wenn ich von draußen komme? Wenn ich Pollen wirklich vermeiden wollen würde, müsste ich eine Klimaanlage mit pollendichtem Filter haben, ich bräuchte eine Schleuse an der Wohnungstür, ja ich müsste Tag und Nacht mit dieser schwarzen Maske im Gesicht herumlaufen. Aus Angst vor mir würden die Menschen aus den Parks und von den Straßen fliehen.
Ich habe mich entschieden: Ich nehme lieber Tabletten und genieße den Sommer.
Kann man dem Pollenflug entkommen?Sollte man die Symptome aushalten oder sie mit Medikamenten bekämpfen?Welche Mittel helfen bei Pollenallergien?