Igel-Monitor: Nutzen der Stoßwellentherapie umstritten - DER SPIEGEL
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Kalkschulter Igel-Monitor zweifelt am Nutzen der Stoßwellentherapie

Eine Kalkschulter kann höllische Schmerzen bereiten. Heilung verspricht die Stoßwellentherapie. Doch deren Nutzen ist nicht gut genug belegt, urteilen die Prüfer des Igel-Monitors. Dabei mangelt es nicht an positiven Studienergebnissen.
Kalk in der Schulter: Qualitativ hochwertige Studien fehlen
Kalk in der Schulter: Qualitativ hochwertige Studien fehlen

Kalk in der Schulter: Qualitativ hochwertige Studien fehlen

Foto: gelenk-doktor.de
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Hamburg - Kurz und kräftig sind die Schalldruckwellen, die bei der sogenannten extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESWT) ausgesendet werden. Bei kalkhaltigen Verhärtungen im Muskel-Sehnenapparat von Schulter und Arm soll die Behandlung Schmerzen lindern. Weil es aber keine Belege für die Wirksamkeit gibt, übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) die Kosten der Behandlung nicht.

Für den Igel-Monitor des Medizinischen Diensts (MDS) der GKV haben Prüfer die Methode jetzt noch einmal untersucht. Ihr Ergebnis: Der Nutzen der Behandlung bleibt unklar. Zwar sei die Therapie einer Scheinbehandlung überlegen und der Patient profitiere von ihr, allerdings reichen den Testern die verfügbaren Studiendaten nicht aus. Zudem monieren sie, dass die Stoßwellentherapie auch zu Problemen wie Blutergüssen, Schmerzen und Rötungen führen kann - schwere Nebenwirkungen gab es allerdings nicht.

Kalkablagerungen in den Schultersehnen sind häufig, nicht bei allen Betroffenen führen sie zu Schmerzen. Bei vielen Patienten lösen sich die Kalkreste auch wieder auf. Die meisten Betroffenen behandeln ihre Beschwerden mit Schmerzmitteln, Physiotherapie oder Kälte, in schweren Fällen kann eine Operation notwendig werden.

Bei ihrer Überprüfung fanden die Igel-Tester des MDS insgesamt nur sechs aussagekräftige Studien. Fünf beschäftigen sich mit der zielgerichteten fokussierten Stoßwellentherapie, eine mit der ungerichteten radialen Behandlung. Bei den insgesamt knapp 500 Patienten wurden mindestens sechs Monate unter Schmerzen leidende Patienten entweder mit Stoßwellen oder einer Scheinbehandlung therapiert.

Die Auswertung der Studien, so die MDS-Tester, werde durch die schwankende Qualität der Arbeiten erschwert. Auch die Behandlungsschemata seien kaum miteinander zu vergleichen. Deshalb reicht den Prüfern die Datenlage nicht aus, um einen erheblichen Nutzen erkennen zu können - es gebe nur Hinweise dafür. Und das, obwohl die Stoßwellentherapie in allen Einzelstudien Schmerzen lindert, die Beweglichkeit des Arms erhöht und die Patienten im Alltag von ihr profitieren. Das Problem der MDS-Tester: Sie können diesen Nutzen wegen der mangelhaften Vergleichbarkeit der Studienergebnisse nicht quantifizieren.

Das Testergebnis klingt im Vergleich zu anderen Überprüfungen des Igel-Monitors nicht ausschließlich negativ. Aus Sicht der Patienten wäre daher vor allem eines wünschenswert: Qualitativ hochwertige Studien zur Stoßwellentherapie an der Schulter. Sollten die eindeutige Ergebnisse erbringen, könnten die Kosten von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden.

Mit Hilfe der Stoßwellen werden unter anderem auch Nierensteine zertrümmert, dafür übernimmt die GKV die Kosten. Will man als Patient dagegen Schulterschmerz oder Tennisarm behandelt bekommen, kostet das laut Igel-Monitor als sogenannte fokussierte Behandlung zwischen 86 und 198 Euro, bei der radialen Therapie zwischen 15 und 34 Euro.

dba