Menschen bei Maischberger - DER SPIEGEL
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Maischberger-Talk Willkommen beim Drogenquartett

Alkohol? Crystal Meth? Kokain? Sandra Maischberger wollte von ihren Gästen wissen, welche Droge denn die gefährlichste ist. Eine klare Antwort bekam sie aber nicht.
Maischberger-Gast Christian Rätsch: "Man fühlt sich Gott ähnlich."
Maischberger-Gast Christian Rätsch: "Man fühlt sich Gott ähnlich."

Maischberger-Gast Christian Rätsch: "Man fühlt sich Gott ähnlich."

Foto: WDR
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Spielen wir doch eine Runde Drogenquartett. Alkohol: schätzungsweise 1,8 Millionen Abhängige in Deutschland - sticht! Crystal Meth: extremes Suchtpotenzial - sticht! Kokain: Drogenkriege auf dem amerikanischen Kontinent - sticht! Sie sehen schon, die Frage, welche Droge am gefährlichsten ist, lässt sich schwer ohne Gegenfrage beantworten: In welcher Hinsicht? Trotzdem war nun mal der Titel der aktuellen Sendung "Alkohol, Kokain oder Crystal Meth - Welche Droge ist am gefährlichsten?" und deshalb insistierte Sandra Maischberger, dass ihre Gäste doch bitte ein Ranking erstellen.

Immerhin: Was Christian Rätsch, Ethnopharmakologe beziehungsweise kognitiver Anthropologe, darauf antwortet, wusste man vorher. "Nichts anderes fügt dem Körper so viel Schaden zu wie Alkohol", sagte Rätsch schon 2013 im SPIEGEL-Gespräch . Dem Rauschmittel per se, muss man dazu sagen, ist Rätsch nicht gerade abgeneigt. ("Das reine Kokainmolekül ist ein Geschenk von Mama Koka, von einer Göttin an die Menschen")

Suchtmediziner Rainer Thomasius, von Berufs wegen eher selten mit Rätsch einer Meinung, nannte dagegen zwei Substanzen, die im Sendungstitel gar nicht auftauchen. Von den körperlichen Auswirkungen her sei es das in die Blutbahn gespritzte Heroin. Aus volkswirtschaftlicher Sicht Nikotin, gefolgt vom Alkohol.

In der Runde ging es aber weniger um die Volkswirtschaft, sondern vielmehr um persönliche Erfahrungen mit Alkohol, Beruhigungsmitteln, Kokain, Crystal Meth. Gleich vier Gäste erzählten ihre Lebens-, Leidens- und Suchtwege - traurige, bewegende Geschichten, gefühlt zu viel für eine einzige Sendung.

"Ein geiles Gefühl"

Dass alle, inklusive Rätsch, ihre Rauscherfahrungen ("Von unten absterben war ein geiles Gefühl." "Man fühlt sich Gott ähnlich, vom Kopf her so leistungsstark." "Geistige Klarheit, Kreativität, euphorisches Gefühl") erwähnten, war wohl nicht zu vermeiden, aber in dieser Häufung trotzdem irritierend.

Tina Rainford, Schlagersängerin, sprach über den Verlust ihrer Mutter, ihre folgende Tabletten- und Alkoholsucht und musste sich minutenlang Tränen wegblinzeln, ehe endlich jemand ein Taschentuch in die Runde reichte. Schauspieler Rainer Meifert hat seine Kokainsucht bereits in einer Doku verarbeiten können und war vielleicht deshalb deutlich gefasster. Ex-Fußballprofi Thorsten Legat hat zwar ein Buch über sein Leben und seinen Beinahe-Absturz in den Alkoholismus geschrieben ("Wenn das Leben foul spielt"), betonte aber, dass es schwer sei, über die schrecklichen Erfahrungen mit seinem alkoholkranken Vater zu sprechen.

Dazu die nicht-prominente Judith Wernsdorf, die Crystal-Meth-abhängig war, und die größtenteils erstaunlich gelassen und sachlich erzählte. Wie es um sie stand, ließ sie trotzdem erahnen, etwa als es um die mögliche Legalisierung von Drogen ging. Hätte es Crystal Meth am Kiosk gegeben, sagte sie da, dann würde sie heute nicht mehr leben. Punkt.

Welche Droge ist am gefährlichsten? Die Frage war, als die Sendung plötzlich ein abruptes Ende fand, wenigstens indirekt beantwortet. Zumindest im Rahmen der persönlichen Lebensgeschichten, die ja auch im Fokus standen. Es ist die, von der man abhängig ist.