Niger: 85 Tote durch Meningitis-Ausbruch - DER SPIEGEL
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Bakterien Meningitis-Ausbruch im Niger - schon 85 Tote

Ein Meningitis-Ausbruch im Niger sorgt die Behörden: Mehr als 900 Menschen haben sich seit Anfang des Jahres infiziert. Eine Impfkampagne soll die Epidemie unter Kontrolle bringen. Doch es mangelt an Impfstoff.
Ein Mädchen in Niamey (Archivbild): Niger gehört zu den ärmsten Ländern der Welt
Ein Mädchen in Niamey (Archivbild): Niger gehört zu den ärmsten Ländern der Welt

Ein Mädchen in Niamey (Archivbild): Niger gehört zu den ärmsten Ländern der Welt

Foto: FINBARR O'REILLY/ REUTERS
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Der Niger kämpft gegen einen Meningitis-Ausbruch, der von Bakterien verursacht wird. Seit Jahresbeginn sind mehr als 900 Menschen rund um die Hauptstadt Niamey an der gefährlichen Hirnhautentzündung erkrankt, mindestens 85 sind an den Folgen gestorben.

Um die Infektionen in den Griff zu bekommen, haben die Behörden jetzt harte Maßnahmen ergriffen. Bis Montag nächste Woche bleiben alle Schulen in der Region um Niamey geschlossen. Außerdem soll eine Impfkampagne starten, um alle Kinder zwischen 2 und 15 Jahren gegen die Erreger der Hirnhautentzündung zu immunisieren.

Premierminister Brigi Rafini appellierte im Staatsfernsehen an Partner des Landes, die Regierung beim Besorgen von Impfstoffen zu unterstützen. Insgesamt brauche das westafrikanische Land 1,2 Millionen Impfdosen, erklärte Rafini. Aus eigenen Kräften sei es nur möglich, die Hälfte davon bis Donnerstag aufzutreiben.

Daneben kritisierte Rafini grundsätzliche Probleme bei der Verfügbarkeit von Meningitis-Impfstoffen. Neben Lieferengpässen sei ein Problem, dass die Hersteller fast nichts gegen neue Stränge der Erreger in der Hand hätten, sagte Rafini. Trotz Vorräten an Öl und Uran zählt der Niger zu den ärmsten Ländern der Welt.

Meningitis-Gürtel südlich der Sahara

Bei einer bakteriellen Meningitis infizieren die Krankheitserreger die dünne Haut, die Gehirn und Rückenmark umschließt, es kann zu schweren Hirnschäden, Taubheit oder Epilepsie kommen. Ohne eine Behandlung stirbt etwa jeder zweite Infizierte, mit der richtigen Therapie sind es noch fünf bis zehn Prozent. Bei 10 bis 20 Prozent kommt es zu bleibenden Schäden.

Da verschiedene Bakterien die Hirnhautentzündung hervorrufen können, müssen die Impfungen immer auf die kursierenden Erreger abgestimmt werden. Gefahr für größere Ausbrüche bergen vor allem Meningokokken, von denen sechs gefährliche Untergruppen bekannt sind: die Stämme A, B, C, W, X und Y.

Von 2010 bis 2011 gab es im Niger eine erfolgreiche Impfkampagne, bei der der A-Typ des Erregers eliminiert wurde. Beim aktuellen Ausbruch kursieren laut Behörden jedoch die Meningokokken-Stämme W135, C sowie Pneumokokken.

Meningitis-Ausbrüche treten in Afrika vor allem in einem Gürtel südlich der Sahara auf, der sich vom Senegal im Westen bis nach Äthiopien im Osten erstreckt und zu dem auch der Niger gehört. Kritisch ist vor allem die Zeit von Dezember und Juni, wenn eine Kombination aus trockenen Winden, kalten Nächsten und Infektionen der oberen Atemwege die Schleimhäute des Nasenrachenraums angreift.

Dadurch steigt das Risiko für eine Meningokokken-Infektion, die oft nur zu einer Entzündung des Halses führen. Mitunter kann es jedoch passieren, dass die Erreger die Schutzmechanismen des Körpers überwinden und über die Blutbahn bis ins Gehirn gelangen. Übertragen werden Meningokokken durch Tröpfcheninfektion, etwa wenn Menschen miteinander Essen oder Getränke teilen, sich küssen oder in einem engen Raum zusammen schlafen.

irb/Reuters