Wie gefährlich ist Nasenbluten? - DER SPIEGEL
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Alltagsleiden Nasenbluten ist nicht immer harmlos

Während Kindheit und Schwangerschaft, aber auch bei manchen Krankheiten blutet es besonders häufig aus der Nase. Ein paar Tropfen sind nicht weiter schlimm. Manchmal fließt das Blut jedoch in großen Mengen. Dann wird aus dem harmlosen Alltagsleiden eine bedrohliche Krankheit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn der Sohn am Mittag mit Blutspuren auf dem Sweatshirt aus der Schule kommt, dann hat er sich nicht unbedingt geprügelt. Vielleicht lief ihm das Blut auch plötzlich aus seiner Nase. Einfach so, ohne erkennbaren Grund. Manche Kinder leiden relativ oft unter Nasenbluten. Auch Erwachsene haben mitunter blutige Nasen, Epistaxis genannt. Besteht dann Grund zur Sorge?

"In den meisten Fällen ist Nasenbluten harmlos, aber es gibt eben auch Fälle mit ernstzunehmenden Ursachen", sagt der Facharzt für HNO-Heilkunde Tobias Strenger, Oberarzt am Münchner Klinikum rechts der Isar. Während das Blut im harmlosen Fall vor sich hin tropft, läuft es bei einer der eher seltenen arteriellen Blutungen im hinteren Nasenabschnitt aus der Nase heraus und füllt ganze Nierenschalen. Letzteres sind Fälle, die laut Strenger unbehandelt kritisch werden können.

"Bei häufigem und stärkerem Nasenbluten oder, wenn früher kein Nasenbluten aufgetreten ist, ist es ratsam, beim HNO-Arzt vorbeizuschauen", rät Strenger. Das ist auch zu empfehlen, weil in sehr seltenen Fällen bei Jungen ein sogenanntes juveniles Nasen-Rachen-Fibrom vorliegen kann. Die gutartige Geschwulst ist hormonell bedingt und kann operativ entfernt werden. Das gilt ebenfalls für das invertierte Papillom, einen Tumor in der Nasennebenhöhle, der mit der Zeit bösartig werden kann.

Welche Ursachen gibt es für Nasenbluten bei Kindern?

Bei Kindern blutet es insbesondere aus einem feingesponnenen Gefäßnetz in der Nasenschleimhaut vorne auf der Nasenscheidewand, dem Locus Kiesselbachi. Die kleinen Gefäße liegen dort nahe an der Hautoberfläche und sind deshalb ziemlich verletzlich. Heftiges Schnäuzen und Niesen bei Erkältungen oder allergischem Schnupfen sowie eine trockene Raumluft oder die häufige Anwendung von Nasensprays können dann leicht zur blutenden Nase führen, genauso wie ein Schlag auf die Nase, wenn die Kinder herumtollen.

Daneben gibt es weitere, seltenere Ursachen: Ein spitzer Sporn auf der Nasenscheidewand kann die gegenüberliegende Schleimhaut immer wieder reizen. Auch chemische Reizstoffe wie Chlor können die Nasenschleimhaut anschwellen lassen, dann wird sie anfälliger für kleine Risse in den Blutgefäßen. Im Vorschul- und Schulalter steckt bei manchen der Betroffenen eine immunologisch vermittelte Entzündung der kleinen Blutgefäße in der Nasenschleimhaut hinter den Blutungen. Nach ein paar Wochen heilt diese Purpura-Schönlein-Henoch genannte Krankheit folgenlos aus.

Welche Ursachen gibt es für Nasenbluten bei Erwachsenen?

Auch Schwangere leiden häufiger unter Nasenbluten. "Das hängt mit ihrem veränderten Hormonhaushalt zusammen", so Strenger. Das vermehrt vorhandene Östrogen lockert das Bindegewebe am Bauch und an anderen Körperstellen sowie in den Blutgefäßen. Das kann es hin und wieder zu Nasenbluten führen. Erwachsene bluten meist wie Kinder aus dem Locus Kieselbacchi. Seltener fließt das Blut allerdings aus Abzweigungen eines größeren Gefäßes im hinteren Nasenabschnitt, da diese Blutgefäße mit zunehmendem Alter spröde und brüchig werden. Bei einem Schnupfen oder trockener Luft kann es dann leicht zu Rissen kommen.

Je nachdem, wie groß diese ausfallen, ist der Blutverlust nur gering oder doch bedenklich. Bei Erwachsenen begünstigen Leberschäden und Bluthochdruck als innere Erkrankung sowie Erkrankungen des Gefäßsystems das Nasenbluten. "Je mehr Druck auf kleine Blutgefäße ausgeübt wird, zum Beispiel während einer Bluthochdruckspitze, desto leichter können sie reißen", sagt Strenger. Liegt zugleich eine Vitaminmangelerkrankung oder eine Gerinnungsstörung vor - das kann schon bei Kindern der Fall sein - oder nimmt der Betroffene blutverdünnende Mittel wie Aspirin oder Marcumar ein, ist das Nasenbluten besonders ausgeprägt.

Wie lässt sich das Nasenbluten stoppen?

Für leichtere Fälle, die sich zu Hause gut behandeln lassen, gilt: Eine aufrechte Sitzhaltung einnehmen und den Kopf auf keinen Fall in den Nacken legen, sondern nach vorne beugen, damit das Blut durch die Nase abtropfen kann. Schlucken die Betroffenen das Blut, kommt es zu Übelkeit und Erbrechen und es lässt sich nicht mehr nachvollziehen, wie viel Blut sie verloren haben. "Eingeatmetes Blut kann außerdem eine Lungenentzündung und akute Atemnot verursachen", beschreibt Strenger die Folgen falschen Verhaltens. Zusätzlich hilft es, ein kühl-feuchtes Tuch oder einen eingewickelten Eisbeutel in den Nacken zu legen, damit sich die Blutgefäße etwas zusammenziehen. Die beiden Nasenflügel sollten für circa zehn Minuten zusammengedrückt werden.

Wenn das nicht reicht, ist es ratsam, zum Arzt zu gehen. Er kann die Blutung mit verschiedenen Verfahren stoppen, etwa die Gefäßstelle mit einer Elektrokoagulationspinzette veröden oder Tamponaden einsetzen. "Nasenbluten ist immer gut behandelbar, es sei denn, es steckt ein bösartiger Tumor dahinter. Dann ist das Nasenbluten zwar zunächst auch beherrschbar, aber im Anschluss muss natürlich die Ursache, das Karzinom, behandelt werden", so Strenger.