Hausmitteilung Titel, Intervallfasten, Stuhltransplantation, Coaching
Titel
Dass Menschen im Verdauungstrakt ein »zweites Hirn« haben, das ihre Gesundheit entscheidend mitbestimmt, ist im allgemeinen Bewusstsein noch nicht so richtig angekommen. Doch angesichts der Tatsache, dass sich allein in Deutschland Millionen Patientinnen und Patienten mit Problemen wie Reizdarm, Fettleber, Übergewicht, Gallensteinen, Zöliakie und Magenschmerzen herumschlagen, wird es Zeit für eine Neubetrachtung – was tagtäglich in Magen, Darm, Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse passiert, ist weit mehr als nur die Verarbeitung und Ausscheidung der Nahrungsmittel, die wir zu uns nehmen. Der Verdauungstrakt beeinflusst maßgeblich unsere physische und psychische Gesundheit. Und man kann vieles tun, um ihn gesund zu halten. Dass die Bauchorgane und das Gehirn unentwegt miteinander kommunizieren, ist seit Langem bekannt, doch wie dieser »Organ Crosstalk« funktioniert, erforscht die Wissenschaft erst jetzt. Mikrobiologen, Immunologinnen und Neurowissenschaftler erkennen, welche Zellen Signale senden, wie Bakterien sie verändern und welche Reaktionen sie in entfernten Organen auslösen. Darum widmet sich die Titelgeschichte dieser Ausgabe diesem vielstimmigen Signalgewirr, dessen Entschlüsselung verändern könnte, wie wir einzelne Krankheiten bewerten und heilen.
Privat
Es gibt nicht viele Volksleiden, die man selbst heilen kann. Auf die Fettleber trifft das zu. Wer das Körpergewicht dauerhaft reduziert, kann das heimtückische Leiden besiegen. Doch wie nur wird man die überschüssigen Pfunde los? »Statt nur darauf zu achten, was man verzehrt, sollte man im Blick haben, wann man die Mahlzeiten zu sich nimmt«, sagt der SPIEGEL-Autor Jörg Blech. Er hat mit Ärzten gesprochen, die das tägliche Intervallfasten erforschen, und Patienten befragt, die es in einer deutschlandweiten Studie bereits ausprobiert haben, und zwar vier Wochen lang: Sie durften in einem Zeitfenster von acht Stunden am Tag etwas verzehren, danach mussten sie 16 Stunden fasten. Die Studie läuft noch, ihre Ergebnisse werden frühestens im kommenden Jahr veröffentlicht. Doch schon jetzt gebe es erfreuliche Resultate, so Blech. »Eine Probandin hat dank der Studie gelernt, beim Essen auch mal zu verzichten.« Auf diese Weise habe die Frau in einigen Monaten 14 Kilogramm abgenommen. Ihre Fettleber gilt damit als geheilt.
Stuhltransplantation
Privat
SPIEGEL-Mitarbeiterin Constanze Löffler erlebte in Köln, wie aus einem Kothaufen – Mindestgewicht 70 Gramm – eine Therapie wird, die Leben verändern kann. Was in der einzigen GMP-zertifizierten Stuhlbank Deutschlands an der Uniklinik Köln hergestellt wird, riecht nach nichts und sieht aus wie ein ganz normales Medikament. In den roten Kapseln steckt die Essenz des Stuhls: Billionen von Darmbakterien. Löffler sprach mit einem Kotspender über das richtige Timing seines Morgenkaffees. Mit einer Patientin, die monatelang unter Bauchkrämpfen und Durchfällen litt und die nach einer einzigen Behandlung wieder Pizza essen konnte. Und mit einem Sportwissenschaftler, der 20-mal nach München fuhr für eine Therapie, die wenige Meter von seiner Haustür entfernt hergestellt wird. Quasi im Alleingang hat die Fachärztin Maria Vehreschild die Stuhltransplantation mittels Kapseln in Deutschland aufgebaut, eine zierliche Frau, die hartnäckig dafür kämpft, dass mehr Menschen die wirksame Behandlung bekommen. Eines Tages könnte die Therapie bei weit mehr helfen als Darminfektionen: bei Krebs, chronischen Darmentzündungen, vielleicht sogar Depressionen. Das sei nicht so abwegig, wie es klingt, sagt Löffler: »Schließlich schickt der Darm Signale in den ganzen Körper.«
Coaching
Wie kann man seinen Verdauungstrakt systematisch fit und gesund halten? Dieser Frage hat sich SPIEGEL-Mitarbeiterin Carola Kleinschmidt gewidmet. Das Ergebnis: ein Ratgeber mit praxisnahen Tipps und ein umfangreiches Coaching in fünf Schritten, das Hilfestellung für ein bauchfreundlicheres Leben in Sachen Gewicht, Flüssigkeitszufuhr Bewegung, Stress und Schlaf enthält. »Ich habe bei den Recherchen diesmal richtig viel gelernt und auch einiges direkt für mich übernommen«, berichtet Kleinschmidt. »Zum Beispiel: Ich wusste nicht, dass Hunger und Durst sich recht ähnlich anfühlen – und man unter Stress eher Durst als Hunger hat. Seitdem trinke ich erst mal ein Glas Wasser, wenn der Schmacht mich vom Rechner wegziehen möchte.«
Extras
Wer mehr über seine Gesundheit erfahren möchte, findet jeden Donnerstag auf SPIEGEL.de ein aktuelles Health-Extra mit Informationen, Interviews, Tipps und Empfehlungen zu konkreten Beschwerden.