Mosambik: Sintflut am Sambesi - DER SPIEGEL
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Mosambik Sintflut am Sambesi

Ein tropischer Wirbelsturm und tagelange, verheerende Regenfluten bringen unvorstellbares Elend über Mosambik, eines der ärmsten Länder der Welt. Die Hauptflüsse in Südostafrika treten über die Ufer. Hunderttausende flüchten vor den Wassermassen auf Häuser, Bäume und Brücken. Erst später, alarmiert durch dramatische Fernsehbilder, nimmt die internationale Öffentlichkeit das Desaster zur Kenntnis und entsendet Hilfskontingente. Südafrikanische, deutsche, britische und französische Hubschrauberbesatzungen eilen ins Katastrophengebiet und retten Tausende vor dem Tod in der Sintflut.
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Es dauert Wochen, bis die Welt endlich merkt, dass in Afrika ein ganzes Land in den Fluten unterzugehen droht. Tagelanger Dauerregen im gesamten Südosten des Schwarzen Kontinents hatte schon zu Beginn des Monats zu Überschwemmungen in Simbabwe, Botswana und im Nordosten Südafrikas geführt. Die Wassermassen der Flüsse Limpopo, Save und Sambesi strömen ins tiefer gelegene Mosambik. Mit fast 260 Stundenkilometern fegt dann am 22. Februar auch noch der tropische Wirbelsturm "Eline" vom Indischen Ozean über Mosambik und schlägt eine riesige Schneise der Verwüstung in das Küstenland, das zu den ärmsten Staaten der Erde gehört.

Dörfer und Straßen versinken in den Fluten, Brücken zerbrechen. Als die Überlauftore am Kariba-Damm im Grenzgebiet von Sambia und Simbabwe geöffnet werden, ergießt sich eine weitere Flutwelle des Sambesi über Flächen im Norden des Landes. Hunderte ertrinken; nördlich der Hauptstadt Maputo bildet sich ein Binnenmeer von der Größe der Niederlande.

Doch erst als die dramatischen Rettungsaktionen von Hubschrauberpiloten aus dem Nachbarland Südafrika in den internationalen Abendnachrichten gesendet werden, fühlen sich die westlichen Regierungen verpflichtet, eine Hilfsaktion zu starten.

Die TV-Bilder erschüttern die Welt: Verzweifelte Männer, Frauen und Kinder flüchten sich ­ zum Teil mit ihrem armseligen Hab und Gut, mit Hunden und Ziegen ­ auf Hüttendächer und Baumwipfel. Dort müssen sie tagelang im Unwetter ausharren. Eine junge Frau, die später gerettet wird, bringt zwischen den Zweigen ihr Baby zur Welt. Hunderte retten sich bei der Stadt Xai-Xai auf eine Brücke, die langsam in den Fluten versinkt. Andere versuchen, auf selbst gebauten, primitiven Flößen den Wassermassen zu entkommen.

Viele Flutopfer haben nur noch eine Hoffnung: die Hubschrauberpiloten der südafrikanischen Armee, denen es gelang, in den ersten Wochen der Katastrophe über 15 000 Mosambikaner vor dem Ertrinken zu retten. Später ziehen dann auch deutsche Helikopterbesatzungen alte Männer, Mütter mit Babys auf dem Rücken, ganze Familien an Seilen in ihre Maschinen.

Die Jahrhundertkatastrophe trifft ein Land, das nach jahrzehntelangem Elend und Krieg einen ersten wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Mit mehr als zehn Prozent Wachstum hatte sich die ehemalige portugiesische Kolonie auf dem Krisenkontinent Afrika zu einem wirtschaftlichen Spitzenreiter entwickelt. Nun verwüsten die Unwetter das Land in wenigen Tagen schlimmer als der 16 Jahre währende Bürgerkrieg.

Mosambiks Regierung hat unterdes Pläne für einen wirksamen Schutz gegen die Überschwemmungs-Desaster ausgearbeitet. Präsident Joaquim Chissano will ein neues System von Dämmen bauen lassen, das jene Flüsse reguliert, die aus dem Inneren des Kontinents durch Mosambik zum Indischen Ozean fließen.

ALMUT HIELSCHER

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