Artikel - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Artikel

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Foto: DPA

Gerhard Stoltenberg


GERHARD STOLTENBERG, 73. Wenn sein Name fiel, dann meist mit der Schmuckzeile "der kühle Klare aus dem Norden". Der Pastorensohn aus Kiel hat recht gut mit diesem Label gelebt. Er war ein stets verlässlicher, loyaler und erzkonservativer Christdemokrat, machtbewusst und spröde, Herbert Wehner veräppelte ihn gern als "Korinthenkacker". Schon 1954 saß der promovierte Historiker im Kieler Landtag, drei Jahre später zog er in den Bundestag. Als Bundesminister diente er erstmals unter Ludwig Erhard, der ihn 1965 ins Wissenschaftsressort berief. Helmut Kohl machte ihn 1982 erst zum Finanz-, dann zum Verteidigungsminister. Drei Jahre blieb er in diesem Amt – bis ihn eine umstrittene Panzerlieferung in die Türkei zu Fall brachte. Ins Zwielicht geriet der dröge "Schnullermund", als sein Kieler Protegé, Ministerpräsident Uwe Barschel, den SPD-Oppositionsführer Björn Engholm ausspähen ließ. Stoltenberg hielt trotzdem eisern zu Barschel, zum Schaden der Landes-CDU. Am 23. November starb Stoltenberg an Krebs.