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Isaac Stern
| ISAAC STERN, 81. Kein Wunderkind, kein Überflieger, keinIrrwisch auf Saiten. Keiner mit einem Ton von rotweinigerFülle, keiner mit unfehlbarer Technik, nicht mal einVirtuose im Glamour-Sinne des Worts. Er war vor allem einKünstler, der eher zufällig Geige spielte, der Toleranzpredigte, Menschlichkeit praktizierte und unermüdlichjungen Leuten den Weg wies. Dass der in der Ukrainegeborene und in den USA aufgewachsene Stern in seiner fast70-jährigen Karriere mit fast allen bedeutenden Kollegenund Orchestern aufgetreten ist, manchmal bis zu 160-mal imJahr, und dass er von der Barocksonate bis zu (ihmgewidmeten) Neutönereien von Bernstein oder Penderecki dieganze Literatur im Griff hatte, macht ihn zu einem derWeltklasse-Geiger des 20. Jahrhunderts. Aber dass er schon1956 die geschmähte Sowjetunion bereiste, 1967 aus Protestgegen die griechische Militärjunta ein Festival in Athenboykottierte und 1979 junge Rotchinesen in das Geheimnisder abendländischen Klassik einweihte (was derOscar-gekrönte Dokumentarfilm "Von Mao zu Mozart" rührendbelegte), adelt ihn zum Weltbürger von Stil und Moral. InDeutschland ist der jüdische Musiker, abgesehen von einempädagogischen Kurzbesuch in Köln, nicht aufgetreten. Dafürspielte er beim Jom-Kippur-Krieg am Bett verwundeterIsraelis, und nachdem während des Golf-Kriegs einRaketenangriff sein Konzert unterbrochen hatte, strich ereine Sarabande von Bach mit der Gasmaske. Isaac Stern starbam 22. September in NewYork. |